Dank der großen Verbreitung von RedHat und vor allen Dingen SuSE scheint sich der Glaube durchzusetzen, es gäbe ein Linux 8.0, 8.2, 9.0 etc.. Dem ist jedoch nicht so und wer sich so artikuliert, disqualifiziert sich in jeder Diskussion.
Linux ist ein Kernel
Rein technisch ist, wann immer von Linux die Rede ist, der Kernel gemeint. Ein Kernel ist das Herz eines jedem Betriebssystems. Er ist für Prozess- und Speicherverwaltung zuständig und stellt Treiber für Geräte und Dateisysteme zur Verfügung. Der Linux Kernel liegt zum Zeitpunkt dieses Postings in Version 2.4.22 vor, das nächste Majorupgrade auf Version 2.6 steht allerdings unmittelbar bevor (dementsprechend gibt es bereits Linux-2.6-test10). Linux ist keine grafische Oberfläche, keine Konsole, sondern nur der Kernel, welcher alleine schlicht nutzlos ist.
Es gibt mehrere Kernelversionen
Linux ist Open Source, d.h. jeder der möchte kann sich seinen eigenen Kernel bauen, oder den vorhandenen erweitern. Es gibt zwei Hauptstränge: den stabilen Kernel, sowie den Entwicklerkernel. Wir befinden und gerade in der Phase, wo der Entwicklerkernel in die stabile Phase übergeht und zum künftigen stable-Kernel wird. Die jeweils aktuellste Version gibt es auf kernel.org. Dort findet man neben dem offiziellen Baum auch inoffizielle Kernelpatches von mehr oder minder bekannten Entwicklern (http://www.kernel.org/pub/linux/kernel/people/). Distributionen wie Mandrake, SuSE und RedHat verwenden für gewöhnlich nicht den original Kernel von kernel.org, sondern statten ihren mit zahlreichen Erweiterungen aus, die vom offiziellen Baum nicht unterstützt werden. Die aktuell gebootete Kernelversion ist über `uname -r` abrufbar.
Warum Linux 8/9/... falsch ist
Linux ist wie erwähnt nur der Kernel. Die Versionsnummer, hier 8, meint AUSSCHLIESSLICH die Version der Distribution, etwa SuSE 9.0, Mandrake 9.2, RedHat 9, Debian 3.0 usw.. Diese bestimmt jeder Herausgeber einer Distribution selbst, definiert eigene Releasezyklen und bezieht sich dabei in keinster Weise auf den Kernel.
Warum manche Leute den Term GNU/Linux bevorzugen
Von den vielen Programmen, die eine Distribution ausmachen, stammen die wesentlichen aus dem GNU-Projekt. Aus diesem Grund zieht so mancher vor, wenn von einer Distribution die Rede ist, den Term GNU/Linux zu benutzen (wobei das auch einige strikt ablehnen). Wer mehr über diese Problematik lesen will sollte http://www.gnu.org/gnu/linux-and-gnu.html lesen (allerdings auch ein wenig differenzieren. Richard Stallmann ist bekannt für seine teilweise radikale Einstellungen).
Warum Linux nicht KDE ist
Auch eine beliebte Annahme ist, nach Windows-Manier aus der GUI gleich ein ganzes System zu machen. Unter Linux hat die grafische Oberfläche nicht viel mit dem Kernel zu tun (in der Tat laufen XFree86 und KDE auch auf vielen anderen Betriebssystemen wie z.B. FreeBSD). Die grafische Oberfläche erzeugt der sogenannte X-Server, meist aus dem XFree-Projekt. Für das Aussehen der Fenster ist ein Windowmanager zuständig und auch Desktops wie KDE bestehen aus einem solchen Windowmanager plus zahlreicher Werkzeuge, die das Arbeiten bequemer gestalten sollen.
Es gibt, man glaubt es nicht, sogar noch andere nennenswerte Desktops außer KDE, z.B. GNOME oder XFce. Eine Aufzählung von Windowmanagern und Desktops findet man unter http://www.plig.org/xwinman/.
Seit der Computer-Bild Serie ist es soweit: Das Linux "Betriebsprogramm" ist reif für den Massendesktop. So propagieren zumindest viele Massenmedien, nicht zuletzt durch Knoppix und SuSe hat sich auch viel getan. Linux ist jedoch (noch) nicht für jedermann. Linux ist nach wie vor für Leute, die sich mehr als andere mit den Eigenheiten des Computers beschäftigen wollen. Man muss sich einfach ins Bewusstsein holen, dass die überwiegende Mehrheit an Hardwareherstellern Linux schlichtweg ignoriert, Treiber für Geräte müssen daher immer von Dritten entwickelt werden, was zeitraubend bis hin zu unmöglich ist. Dies ist bedauerlich, aber Tatsache; daher sind manche Dinge in Linux bedeutend komplizierter als man dies von Windows gewohnt ist. Man sollte sich überhaupt angewöhnen, viel mehr Handbücher, Dokumentationen und HowTos zu lesen. Dies ist unumgänglich - wirklich. Es ist außerdem töricht, mit der Erwartungshaltung von Windows an Linux zu gehen. Linux ist nicht Windows und analog dazu kann man dies auch nicht umgekehrt sagen. Windows ist nicht schlechter als Linux, Bill Gates ist nicht der Teufel in Person und Microsoft strebt auch nicht die Weltherrschaft an. Linux ist schlichtweg anders. Nicht besser, nicht schlechter, nur anders. Ob die Unterschiede nun für den einzelnen Vor- oder Nachteile sind, möge jeder für sich selbst entscheiden. Manche Leute mögen es jedenfalls nicht, wenn solche geistreichen und vor allem kindische Bemerkungen von sich gegeben werden. Die Frage: Ist Linux etwas für mich, muss sich jeder selbst beantworten, wir können es nicht, selbst wenn wir wollten. Wenn nun jemand mit der Erwartungshaltung "Bloß weg von Windows" an Linux geht, ist das ohne Zweifel ein schlechter Grund, nicht nur für dein Ego, wenn dich Linux auf den Boden der Tatsachen zurückholt, sobald du bemerkst, dass nichts unter Linux läuft. Wir haben uns jedoch entschieden und sind zum Entschluss gekommen, das Linux für uns eine bessere Alternative darstellt, als andere Betriebssysteme. Wir sind glücklich mit Linux, wir fordern aber nicht, das jeder mit Linux glücklich werden möge. Es sollte vielleicht jeder mal Linux antesten (gerade Knoppix macht das auch leicht), aber wer nicht will, der soll es eben lassen, wir zwingen niemanden.
Linux ist ein vergleichsweise sparsames Betriebssystem. Als Minimalkonfiguration reicht ein Prozessor der 386er-Klasse und vier MB RAM, eine minimalistische Installation begnügt sich bereits mit etwa 40 MB Festplattenplatz. Man kann Linux aber auch ausschliesslich von einer Diskette oder CD betreiben. Um komfortabel arbeiten zu können, reicht ein Prozessor der Pentium II-Klasse und etwa 64 MB Arbeitsspeicher, speicherintensive Anwendungen wie den KDE Desktop sollte man mit weniger als 128 MB Arbeitsspeicher meiden. Typische Installationen reichen von einigen Hundert Megabyte bis zu mehreren Gigabyte, mit etwa zwei Gigabyte Festplattenplatz sollte man gut auskommen. Gerade Neueinsteiger neigen dazu, eine Vielzahl an Paketen zu installieren, so dass eine vollständige Installation gut und gerne vier bis fünf GB beansprucht. Dies ist natürlich sinnlos, da für viele Programme mehrere Alternativen existieren, die alle installiert werden und von denen die wenigsten wirklich gebraucht werden. Im Gegensatz zu einer Windows-Installation kommt eine Linuxdistribution komplett mit bis zu mehreren Tausend Anwendungsprogrammen daher. Viele werden eine vollständige Entwicklungsumgebung nicht brauchen, selbiges gilt für die meisten Dienste, die auch noch ein zusätzliches Sicherheitsrisiko darstellen können. Für versiertere Anwender ist es daher ratsam, nur die wirklich gewünschten Programme auszuwählen und zu installieren. Dies hat den positiven Nebeneffekt, dass das System wesentlich schneller starten kann, da weniger Dienste beim Start geladen werden müssen und weniger Programme im Hintergrund laufen. Richtwert: Ein schlankes Desktop System (mit KDE) installiert man auf etwa 1GB.
Linux unterstüzt fast jede derzeit erhältliche Hardware - mit Ausnahme der Fälle, in denen der Hersteller die nötigen Informationen nicht freigibt, um einen Treiber zu schreiben. Zur derzeit nicht unterstüzten Hardware gehören z.B. viele Winmodems und GDI-Drucker (vereinzelt auch Scanner). Im Internet gibt es viele Listen und Datenbanken über den Hardwaresupport von Linux, einige davon werden im Folgenden aufgezählt:
Dazu gibt es noch einige allgemeine Hardwaredatenbanken, wie zum Beispiel die Hardware-Datenbank von SUSE. Wenn eine Hardwarekomponente in irgend einer dieser Listen als unterstützt eingetragen ist, gilt das in der Regel für alle Distributionen. Es ist zwar möglich, dass eine Distribution den erforderlichen Treiber nicht mitliefert, dieser kann dann aber meist ohne Probleme aus dem Internet heruntergeladen werden.
Wir haben es bereits erwähnt (Q9, Q11), das Hersteller den Linux Anwender im Regen stehen lassen. Unterstützung, oder gar Treiber für Linux bieten die allerwenigsten Hersteller. Aus diesem Grund müssen Freiwillige diesen Missstand beheben und selbst Hand anlegen. Sehr viele Treiber, die es für Linux gibt, sind von Programmierern geschrieben, die nichts mit der Herstellerfirma zu tun haben, oder etwa dort arbeiten.
Weiterhin sollte man sich von der Vermutung verabschieden, ein Treiber würde nur mit einer ganz bestimmten Hardware funktionieren. Unter Windows ist man es gewohnt, dass man ein Gerät einbaut und der Assistent, den auf CD beiliegenden Treiber installiert.
Unter Linux sind Treiber Kernelsache und laufen im Kernelspace. Tatsächlich bringt der Linux Kernel bereits eine enorme Anzahl an Treibern mit (der größte Teil der mittlerweile 37 MB komprimierten Quellcodes besteht aus Treibern). Viele Treiber eignen sich dabei für mehrere Geräte, manchmal sogar mehrere Hersteller. Klassisches Beispiel seien hier WLAN Karten. Es gibt Dutzende Hersteller, aber nur eine handvoll Treiber. Die meisten Hersteller benutzen nämlich den selben Chipsatz und unterscheiden sich nur im Design, Platinenlayout und Zubehör - und dieses ist dem Treiber egal.
Die Vorgehensweise, um einen Linux Treiber zu finden, ist also als erstes den Chipsatz herausfinden, den die Hardware benutzt (lspci, lspnp, oder Recherchen in Suchmaschinen sind hier hilfreich). Sobald man den Chipsatz ermittelt hat, kann man nun einen Treiber für Linux suchen. Dazu können wieder Suchmaschinen behilflich sein, zumeist ist man aber wesentlich schneller, wenn man direkt bei SourceForge sucht. Die weiteren Vorgehensweisen unterliegen dem Treiber selbst. Auf den Seiten der Programmierer findet sich zumeist ausführliche Dokumentation dazu.
Für fast jeden Einsatzzweck gibt es unter Linux die passende Software. Das Spektrum reicht von einfachen Editoren bis hin zu kompletten Office-Paketen. Moderne Distributionen liefern mit ihren bis zu mehreren tausend Paketen bereits Software für jeden erdenklichen Einsatz aus, dank der GPL nicht nur, bis auf die Kosten für die CDs, kostenlos, sondern wirklich frei. Sollte man im Umfang seiner Distribution noch nicht das Richtige finden, lohnt es sich freshmeat.net einen Besuch abzustatten, dort befindet sich eines der grössten Softwarearchive für freie Software. Wenn man sich direkt auf die Suche nach Paketen machen will, kann man dies etwa auf rpmseek.com, rpmfind.net oder apt-get.org tun. Debian bietet außerdem eine webbasierte Paketsuche unter http://packages.debian.org an.
Viele Entwickler hosten ihre Seiten auch auf SourceForge.