Die ungefähre Vorstellung, wie eine Movie-Releasecrew arbeitet, ist inzwischen durchaus verbreitet. Über Kontakte in den Studios, Schneide- oder Presswerken bekommen die Gruppen vor dem offiziellen Start Zugriff auf einen Film, rippen ihn, bauen ihr .nfo und releasen das Ganze dann auf Servern, deren IP oder Logindaten Normalsterbliche im Normalfall nie zu Gesicht bekommen.
Über die fxp - Gruppen sickert das Release dann irgendwann bis in die Filesharingwelt, und wenn bis dahin keine n00b-Posse einen auf "Oh, nfo vergessen zu kopieren" gemacht hat, wird man auch in der breiten Masse von der Crew hören, die den ersten Release geschafft hat - wie es auch in "The Scene" heisst - immer mehr Leute bekommen die .nfos zu lesen - andere Releaser, die MPAA, die Ermittler, Tauschbörsennutzer und inzwischen auch Reporter.
Die Releasecrew CPX haben nun ihre Arbeit in Form einer fiktionalen Geschichte um den Studenten Brian Sandro dokumentiert - bereits vier Folgen der Serie mit jeweils einer Viertelstunde Länge sind sowohl als direkter Download wie auch in den verschiedensten Tauschbörsen veröffentlicht - letzteres völlig legal.
Nach professionellem Intro weicht das Bild schnell einer Aufzeichnung des Geschehens auf einem Desktop - dazu ein Video von Sandro, wie er an den Rechnern sitzt. Was zunächst wenig spannend klingt, wird schnell zur ausgewachsenen Nervenfolter: neben dem Releasen muss sich Sandro um die Freundin, die Semestergebühren und sein Surfbedürfnis kümmern - Releaser lesen Slashdot und boingboing, erfährt man nebenbei - und das hektische Jonglieren mit mIRC, IM und ICQ fesselt schneller als mancher Actionfilm.
Neben aller Spannung ist jedoch vor allem interessant, wie viel man über die Releaserszene und ihre Arbeitsweise auf anschaulichste Art und Weise erfährt. Das Teamwork, das vor einem Release steht - Beschaffung des Films, Rip, nfo, Upload und wie viele Menschen an diesen Aufgaben mit der tickenden Uhr im Hintergrund zusammenarbeiten - man will ja der erste sein - wird einem anschaulich vorgeführt.
...so heisst es im Off der ersten Sendung. Achtung Spoiler: Dass sich ein Konflikt in der Gruppe ausgerechnet deswegen bildet, weil einer der Releaser ein Moviefile an ein Presswerk in Fernost vertickt, um seine Studiengebühren zu zahlen, ist entsprechend ein durchaus mutiges Statement - neben den Szeneregeln passiert auch einiges, was sich mit dem reinen sportlichen Wettbewerb nicht wirklich vereinbaren läßt. Es ist erstaunlich, wieviel Paranoia mit filmtechnisch wirklich einfachen Mitteln herüberkommt - niemand in der Gruppe hat sich je gesehen, Kommunikation läuft übers Netz und über FedEx, und als dann der Erste in der Gruppe herausbekommt, wo die undichte Stelle in der Crew sitzt, ist man mehr als einmal versucht, selber mit der Maus ins Bild zu klicken und den Messenger in den Vordergrund zu holen, nachdem im IRC das Schweigen ausbricht....
Dass die Crew vor massiven Problemen steht und wie die große Paranoia ausbricht, als klar wird, dass eine undichte Stelle in der Crew selber sein muss, kommt trotz der Beschränkung auf Chats und IMs sehr intensiv rüber - und schon im vierten Teil zeichnet sich ganz deutlich eine Message ab - "Macht keine Kohle mit dem Releasen. Man kriegt falsche Freunde und verliert die richtigen." - Was sicher ein zutreffendes Statement ist.
Nach dem sechsten Teil ist vorläufig Schluss - und die Spannung bleibt weiter hoch. Nochmals - bislang geben die Filme einen tollen Einblick dahin, wie die Movie-Releaserszene funktioniert. Eine "Anleitung" dagegen weniger - wie immer ist die Geschichte eine Geschichte der Kontakte, die man braucht, dem Gerät, auf welches man Zugriff hat - auch wenns das XP auf dem Heimrechner völlig tut - , denn der ftp, den man sich letztens per grimsping aufgetan hat, wird für die notwendigen Zwecke auch nicht ausreichen.
Die ersten sechs Teile wurden in recht schneller Folge veröffentlicht, Teil Sieben ist in Bälde zu erwarten. Wie immer stilecht aus der Tauschbörse.
Die ersten beiden Folgen sind zumindest im eDonkeynetzwerk nicht mehr allzugut geshared. Wer daher gleich den Webdownload wählen will: es ist schade, wenn die Filme aus den Börsen verschwinden würden. Dran denken: das Sharen ist von den Machern ausdrücklich erwünscht ;)
Alle Folgen wurden unter der Creative Commons - Lizenz veröffentlicht.