gulli: Die Geschichte der Warez-Scene

Die Geschichte von Warez

Die Geschichte von Warez - also illegalen Raubkopien von Software - begann zu einer Zeit, in der Computer noch ganze Räume füllten und die Daten noch auf Lochkarten abgelegt wurden. Damals waren Warez eine Sache von Einzelgängern, die gelegentlich mal Software kopierten und manipulierten. Anfang der 80er fand der "Videospieleboom" in den USA statt: dies war der Beginn der "Konsole-Warez". Die erste richtige "PC Warez-Szene" gab es mit dem Apple II in den späten 70ern. Als 1982 der Commodore 64 - der erste "erschwingliche" Computer - auf den Markt kam, war das der Beginn einer neuen Dimension von Warez.Zwar war die Warez-Szene immer noch klein, "unorganisiert" und auf bestimmte Gebiete beschränkt, fing aber 1987 an, Software über längere Distanzen zu traden: Damit entstand die BBS Szene. Wieso begann das Traden über längere Distanzen erst jetzt? Zum Start des C64, und auch noch Jahre danach, war Software so gut wie gar nicht vor dem Kopieren geschützt (man musste lediglich eine Zeile des C64 Formats ändern und schon konnte man sie kopieren). Als dann aber die Software-Firmen merkten, dass es so etwas wie Software-Raubkopierer gibt, begannen sie Kopierschutz-Mechanismen in ihre Programme einzubauen. Erst "komplexe" Schutzmassnahmen machten es nötig, gemeinsam Software zu cracken. So entstanden die ersten weltweiten Crackergruppierungen.

Die Geschichte der Warez-Szene

Die Geschichte der Warez-Szene

Die BBS Szene

BBS (Bulletin Board Systems) wurde ursprünglich für den AppleII entwickelt, also in den späten 70ern. BBS war aber zu dieser Zeit:langsam, fehlerhaft und nur textbasierend (= nicht für den Transportvon Dateien ausgelegt). Erst als sich bestimmte Leute für dieses Programm interessierten, wurde es weiterentwickelt und damit fähig auch mit Dateien umzugehen. Um in ein BBS zu kommen, musste man sich mit einem Modem direkt zu der Telefonnummer des NNs einwählen. Früher waren die Einwahlnummern öffentlich und niemanden interessiertes, was Warez ist. Da in den 80ern Telefongespräche sehr teuer waren, ist esverständlich, dass man nur mit Hilfe von Phreaking-Kenntnissen tradenkonnte (die ersten Trader waren also zugleich auch Phreaker). Doch die meisten Phreaker arbeiteten unter dem Motto HPAV (Hacking,Phreaking,Anarchy, Virus), Warez waren für sie etwas eher Nebensächliches. Durch diesen Umstand entwickelte sich die Szene sehr langsam, so dass es oftmals Wochen dauerte bis man zu einem Release kam.Das andere Problem war, dass die meisten Cracker absolut keine Ahnung vom Phreaken hattenund somit auch nicht Softwarekurier sein konnten.Glücklicherweise wurde im Jahre 1988 die Phreakergruppe North American Pirate Phreak Alliance (NAP/PA) gegründet. Sie sorgten dafür, dass Tutorials entwickelt wurden, die zeigen wie Phreaken funktioniert. Viele Top BBS wurden Mitglied bei der NAP, was dafür sorgte, dass die richtigen Informationen zu den richtigen Leuten kamen. Dadurch organisierte sich die Szene besser.
Jedoch kostet ein BBS eine Menge Geld, das vor allem aus den kostenpflichtigen "Accounts" der meisten User kam. Nur die Releaser mussten nichts bezahlen, die das Geld für neue Hardware und neue Nodes verwendeten. Sysop eines BBS zu sein war aus zweierlei Gründen sehr gefährlich: Erstens waren die BBS-Server zumeist auf dem heimischen PC zuhause. Firmen wie Novell und Microsoft zeigten nicht viel Freude an mit illegalen Programmen vollgepackten Servern. Ein weiteres großes Problem war der Konkurrenz kampf unter den Boards, der soweit ging, dass sich die Boardbetreiber zwecks gegenseitigem Ausschalten an die Polizei verrieten. Vor allem "neue und noch junge"Boards wurden so nach wenigen Wochen aus dem Buisness gekickt. Wer es jedoch einmal mit seinem Board an die Spitze schaffte (sprich möglichst viele aktuelle Releases auf seinem BBS hatte), dem wurde die Ehre der ganzen Szene zuteil. Zudem verrieten oftmals sogenannte „Buster“, die von der Polizei erwischt worden waren, andere Boardbetreiber und Leute aus der Szene, um möglichst glimpflich davonzukommen.
Weitergehend war der "Kampf" zwischen IBM-Server Boards und Amiga-Server Boards ein großes Problem: Uppte eine Release Group, z.B. ein IBM-PC Applikation auf einen Amiga-Server, kam es nicht selten vor, dass die Sysops oder andere Leute auf den Boards die Releases nukten und einen Virus einbauten. Da aber das Amiga System keine Zukunft hatte und die Produktion eingestellt wurde, erledigte sich dieses Problem von selbst. Die meisten Boards stiegen auf IBM-Server um bis auch die Tage der Bulletin Board Systems gezählt waren.

Das Internet

Die Warez- Szene der "BBS-Zeit" war in gewisser Weise "underground" und "geheim". Dieser Umstand änderte sich mit der raschen Verbreitung des Internet ab 1994 schlagartig. Denn nun konnte jeder "Peter Mustermann" ins Netz. Mit Hilfe von e-mail, IRC, FTP etc. wurde alles ganz einfach! Ein Vorteil der "neuen" Szene ist es, dass man es als Newbie leichter hat und schneller in die Szene hineinkommt. Wenn jetzt Oldschool-Cracker mit Sprüchen kommen wie „Früher war alles besser“, erinnert das an Eltern, die immer mal wieder solche Sprüche von sich geben. Als die Release Group FATE (führende Releasegroup 1995) ihren IRC Channel publik machte, wurde der von Lamern und Newbies überrollt. Dies war auch der Beginn von "Webwarez" und andern "PublicWarez"Projekten.

 

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