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Wenn jetzt Cracker und Skript Kiddies diejenigen sind, von denen im Fernsehen und in den Zeitungen die Rede ist, wo begegnet man dann dem Werk echter Hacker? Die Antwort lautet: überall! Hacker haben das World Wide Web aufgebaut und erhalten es bis heute, von Hackern und anderen Technikbegeisterten stammen die meisten der Technologien, die man im modernen Haushalt finden kann, Hacker schreiben die Software, die unser Leben steuert, Hacker halten all die Technik am Laufen, die unser Leben umgibt. Nun, was die letzten beiden Punke angeht, so kann man nur hoffen, dass es wirklich so ist. In ihrer weitesten Fassung fallen unter die Definition von "Hackern" nicht nur Technikgötter, sondern Leute aus allen möglichen Wissensbereichen. In der Tat gibt es viele Parallelen zu anderen Gruppierungen, die sich eher am Rande der Gesellschaft ansiedeln, und manche Hacker tendieren dazu, sie alle zur Gruppe der Hacker zu fassen : "There is a record of geeks that don't use computers. Unfortunately, they are all dead, having lived in an era of no computers." (Wir wissen von Geeks, die keine Computer benutzen. Unglücklicherweise sind sie alle tot, da sie in einer Zeit lebten, als es noch keine Computer gab) (Robert A. Hayden, http://www.geekcode.com) Nur wenige Hacker können abstreiten, dass in all jene, die ihren Zielen und ihrem Wissensdurst folgen, kleine Hacker stecken. Doch "echte" Hacker brauchen sich vor den Leistungen solcher Brüder in Gedanken nicht verstecken. Als konkretes Beispiel dafür, wie die Hackergemeinschaft funktioniert und was sie zu leisten im Stande ist, sei hier in groben Zügen die Erfolgsgeschichte von GNU/Linux erzählt:
In den 70er Jahren steckte die Computerindustrie noch in den Kinderschuhen. Auf manchen Universitäten gab es bereits Computer, die untereinander vernetzt waren - Vorläufer des Internets. Als Betriebssystem7 vieler dieser damals manchmal noch raumgroßen Rechner kam sehr oft "Unix" zum Einsatz. Betriebssysteme sind ungemein komplexe Programme und dementsprechend teuer war auch ihre Entwicklung. Das GNU Projekt stellte sich 1984 das Ziel, ein Unix- Artiges Betriebsystem auf die Beine zu stellen. Das System sollte ähnlich fortschrittliche und leistungsfähige Funktionen wie ein Unix- Computer bieten, aber zum Unterschied zu diesem völlig frei sein und damit jedem die Chance bieten, etwas über solche Systeme zu lernen8. Die Idee, ein "freies" Computersystem zu schaffen fand weltweit großen Anklang. Programmierer aus aller Welt steuerten ihren Teil dazu bei, ein neues Betriebssystem zu schaffen, aber an etwas scheiterte das GNU-Projekt immer wieder: beim Versuch, einen sog. "Kernel" für ihr System zu schreiben. Wie der Name schon vermuten lässt, bildet der "Kernel" aber leider den Kern eines jeden Betriebssystems. Nun konnten die GNU-Programmierer zwar ihre Programme unter Unix laufen lassen, aber was sie eigentlich wollten, war ja, Unix komplett zu ersetzen. Bis heute ist der Kernel, den GNU selbst entwickelt, noch nicht komplett fertiggestellt 9. Dass das Projekt doch ein mehr als glorreiches Ende fand, verdankt man wohl vor allem einen Mann: Es war Anfang der 90er Jahre, als ein finnischer Student im Usenet - das größte Diskussionsforum im Internet - nachfragte, wo er denn die Spezifikationen zu Unix- Systemaufrufen herbekämme (die sog. "POSIX-Spezifikation"). Neugierig geworden fragten einige der Usenetbenutzer (zu jener frühen Zeit war das Usenet und das Internet allgemein fast ausschließlich von Hackern besiedelt) wofür diese Spezifikation denn nötig seien. Der Student - dessen Name im Übrigen Linus Torvalds ist - antwortete schlicht, er programmiere gerade ein kleines eigenes Betriebssystem.
...Das [Projekt] würde mir darüber hinaus eine großartige Gelegenheit bieten, mich mit der Arbeitsweise der Hardware des 386er vertraut zu machen. Wie gesagt, es war Winter in Helsinki. Ich hatte einen handfesten Computer. Ich sah das Projekt einfach als Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit der Kiste kennen zu lernen und meinen Spaß zu haben. (Linus Torvalds, "just for fun")
Als er danach gefragt wurde, stellte Linus seinen Programmcode anderen zur Verfügung, und brachte damit eine Lawine ins Rollen, die bis heute noch nicht ins Tal gefunden hat. Andere Leute begannen, sich für das Projekt, das Linus auf den Namen "Linux" (für "Linus’ Unix") getauft hatte, zu interessieren, schrieben Erweiterungen, brachten es auf ihrer Hardware zum Laufen oder spielten einfach damit herum. Mit dem Linux- Kernel wurde auch das GNU-Projekt endlich zu dem, was es immer werden wollte: ein vollständiges Betriebssystem. Unter technophilen Geeks verbreitete sich GNU/Linux rasend schnell und mit beinahe jedem neuen Benutzer wuchs auch der Umfang des Ganzen. Jeder hatte oder wollte etwas beitragen, was die Software- Benutzungs- Lizenz (im Gegensatz zu fast allen kommerziellen Lizenzen) auch ausdrücklich erlaubte und begrüßte10. Das hatte zur Folge, dass "Linux" 11 auch zu einem der sichersten und stabilsten (kurzum: einem der besten) Betriebssystemen wurde und diesen Ruf bis heute beibehalten hat. Die Tatsache, dass der Programmcode von GNU/Linux von jedem eingesehen und überprüft werden kann (und von Tausenden von Leuten weltweit immer wieder verbessert wurde), ist für viele das entscheidende Argument, GNU/Linux proprietären Entwicklungen wie z. B."Windows 2003 Server" von Microsoft vorzuziehen, in dessen Interna außer den hausinternen Entwicklern niemand Einblick hat. Besonders auf Servern und überall dort, wo Sicherheit gefragt ist 12, gilt Linux deshalb als ein Betriebssystem erster Wahl. Auch im Bereich der normalen Privatanwender gewinnt Linux - schleppend aber immerhin - an Marktanteilen (bei Computerfreaks ohnehin) und auch die Industrie hat Linux für sich entdeckt. Es sind Beispiele von Videorecordern und Telefonen, sogar von digitalen Armbanduhren bekannt, deren Hersteller sich entschlossen haben, Linux ihrem System anzupassen, anstatt selbst die zur Funktion nötige Software für ihre Apparate zu schreiben. Auch heute noch wird die Entwicklung von GNU/Linux und dessen unzähligen Komponenten von Freiwilligen vorangetrieben. Die vom Begründer des GNU-Projekts Richard M. Stallman ausformulierte Idee der "Open Source Software", also von Software, die "frei", von jedermann veränderbar und deren Programmcode (der "Sourcecode") offen verfügbar ist, hat Wellen der Begeisterung hervorgerufen, und viele von Hackern begonnene und betriebene Projekte weltweit sind "quelloffen". GNU/Linux und die gesamte Open Source Bewegung sind das Paradebeispiel der Arbeit von Hackern.
7 Das Betriebsystem ist ein zum Funktionieren eins Computers unerlässliches und wichtiges Stück Software, ohne das kein Anwendungsprogramm ausgeführ t werden kann. Die wohl bekanntes te Betriebssystemfamilie stammt von Microsoft und heißt "Windows" (z. B. Windows 95, Windows 2000,Windows XP).
8 GNU selbst steht übrigens für "GNU&'s Not Unix"; (deutsch: "GNU ist nicht Unix"). Solche sog. "re - kursiven" Abkürzungen, die sich selbst wieder enthalten, sind übrigens ein Insider - Witz, den aber wohl außer Informatikern kein Mensch versteht.
9 Nähere Informationen zum "GNU Hurd" - Kernel gibt's auf www.gnu.org/software/hurd
10 auch für Software gilt das Copyright, um das geistige Eigentum der Programmierer zu schützen. Es ist üblich, Software nur zusammen mit einer sog. "Benutzungslizenz" auszuliefern, die z. B. das Kopieren, Weitergeben oder Verändern der Software strengs tens unterbinden. Linux hingegen wird (wie fast alle Programme, die Teil von GNU/Linux sind) unter der "General Public License"; vertrieben, die spasshalber oft auch als "Copyleft"; bezeichnet wird, da sie die Weiterverbreitung und Wiederverwendung von Ideen deutlich befürwortet.
11 besonders die Free Software Foundation , der das GNU- Projekt untersteht, besteht darauf, dass das Betriebsystem "GNU/Linux" genannt werden muss, da die GNU- Gruppe mindestens genauso viel beigetragen hat wie Linus Torvalds. Im Allgemeinen wird es aber trotzdem einfach als "Linux" bezeichnet.
12 Die Liste von Projekten, Unternehmen und Organisationen, die auf Linux setzen ist ellenlang. Als aussagekräftiges Beispiel sei hier z. B. die amerikanische "National Security Agency" genannt.