Update (20.01.05): Verfahren gegen FTPWelt - User noch nicht eingeleitet
Update (17.02.05): Erste Verfahren "versehentlich" eingeleitet
Update (27.06.05): Erste Userverfahren eingeleitet
Update (30.09.05): Weitere Verfahren eingeleitet
Letzter Stand (01.11.05): Wie die einzelnen Staatsanwaltschaften die Fälle handhaben, kann im Vorfeld nicht gesagt werden. Uns sind jedoch bereits Fälle vorgeladener User bekannt, in denen das Verfahren zügig wegen Geringfügigkeit eingestellt wurde.
Alle waren von der Nachricht der Verhaftung der Macher der Seite FTPWelt.com und ihrem Münchner Rechtsanwalt Bernhard S. überrascht.
Wir wollen hier nicht die allgemein bekannten Informationen wiederholen - die sind bereits vom Tagesspiegel, Spiegel, Tagesschau und Heise oft genug erzählt worden. Vor allem verwundert es, dass die Aktivitäten des Anwalts in den Vordergrund gestellt werden und die Macher der Seite und das wirkliche Geschehen aus dem Blick verschwinden. Während die GVU (Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V.) aus FTPWelt den "weltweit größten Fall illegaller kommerzieller Downloads" macht, ist das anderen Medien zuwenig und sie sehen gleich den "weltweit größten Schlag gegen kommerzielle Raubkopierer" überhaupt, was es sicherlich nicht ist. BSA und GVU nennen bei jedem Fund von nichtlizensierter Software sofort Millionenbeträge und so ist es auch diesesmal. Das einzige was diese Angelegenheit von vielen anderen unterscheidet sind die konkreten Umsätze, die bekannt werden. Aber weg von der Rhetorik, hin zu den Fakten:
Viele Aussagen in den Medien stellen sich als Halbwahrheiten heraus. So ist z.B. der FTPWelt.com Server entgegen den Verlautbarungen noch lange nicht abgeschaltet, sondern unter der Adresse http://saturn.serverglobe.net/ weiterhin (wenn auch sehr langsam) erreichbar. Es wurde nur der Namenseintrag für die Domain www.FTPWelt.com entfernt, aber offenbar scheiterten die Beamten daran den in Estland stehenden Webserver vom Netz zu bekommen. So war es uns vor wenigen Stunden nach Hinweisen von außen möglich ein Datenbank-Backup mit den Daten aller vom 19.3.2004 bis 11.9.2004 erstellten FTPWelt-Accounts herunterzuladen in dem insgesamt 31232 Datensätze mit Emailadresse, Benutzername und Passwort für den FTPWorld-Zugriff enthalten waren. Da offenbar bei jeder Abo-Verlängerung ein neuer Account angelegt wurde, konnten wir am Ende 13345 eindeutige Emailadressen / Benutzer identifizieren. In einer weiteren Datei befindet sich schließlich die gesamte Datenbank des auf ftp-welt.com verwendeten Mitglieder-Verwaltungssystems mit allen Mitgliedern seit dem Start der Seite. Da die Anmeldung für dieses System kostenfrei möglich war, verwundert es nicht, dass sich dort insgesamt 198.767 unterschiedliche Emailadressen befinden.
Ein Blick hinter die Kulissen und auf die Macher:
Die beiden im thüringischen Breitungen festgenommenen Brüdern Daniel und Thomas Roemhild sind vielen aufmerksamen Surfern wahrlich nicht unbekannt. Schließlich waren sie es, die vor FTPWelt schon die bekannte und umstrittene Seite eselfilme.de gegründet haben, bis sie an die auf den British Virgin Islands sitzende 3PO Web-Invest Ltd übertragen wurde und scheinbar heute auch nichts mehr direkt mit ihr zu tun hat. Mehr Infos und Hintergründe in diesem Blog-Eintrag.
Aber eselfilme.de und FTPWelt waren nicht ihre einzigen Projekte - auch die Seiten edonkey2000.de (nicht die offizielle Seite des Filesharing-Programms) und die Topliste future-hitz.de ist auf den jüngeren der beiden Brüder eingetragen. Darüber hinaus sind sie als Betreiber von kleineren Projekten wie SzeneCD.de in Erscheinung getreten. Die meisten dieser Seiten sind jedoch seit geraumer Zeit nicht mehr aktiv, da die Energien wohl in profitablere Projekte gesteckt wurden ;-)
Viele Nutzer, die bei FTPWelt bezahlt haben, fragen sich jetzt natürlich, ob sie mit einer Strafverfolgung zu rechnen haben. Bei der Masse an betroffenen Benutzern ist es nicht nur unwahrscheinlich, sondern absolut ausgeschlossen, dass alle Benutzer von FTPWelt ein Verfahren erwartet. Eine derartige Massenkriminalisierung von Internetnutzern, die sich - zumindest teilweise - guten Wissens auf der legalen Seite gesehen haben wird es trotz aller Versuche Filesharing zu kriminalisieren nicht geben. Die sowieso schon überlasteten Ermittlungsbehörden wären mit dem anfallenden Arbeitsvolumen über Jahre beschäftigt, da in jedem einzelnen Fall eine Hausdurchsuchung notwendig wäre um den tatsächlich Gesetzesverstoß nachzuweisen.
Trotzdem kann es sein, dass einzelne Benutzer herausgepickt werden um an ihnen ein Exempel zu statuieren und ein Signal an alle anderen Filesharing-Nutzer zu senden.
Dieser Artikel wird erweitert und aktualisiert, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben. Wir freuen uns über Feedback über das unten stehende Formular oder auf dem gulli:board