gulli: Communities

Wie funktionieren Communities im Netz?

Wie funktionieren Communities im Netz?

Wie funktionieren Communities im Netz?

Man könnte auch fragen "Warum funktionieren Communities im Netz nie?" Denn normalerweise bestehen sie aus einem nicht unbeträchtlichen Anteil an Streitereien. Irgendwie klappt es dann aber doch, anders ist das zähe Überleben des Usenet, das Entstehen und Wachsen immer neuerBoards und Communities, das Trollfüttern und gepflegte Freitagsflamen kaum zu erklären.

Communities regeln sich auf verschiedene Arten. Im Usenet bleibt es meist ausschließlich den Usern überlassen, die bei Bedarf plonken, wenn ihnen manche User zu sehr auf die Nerven gehen. Plonkist im Übrigen keine Abkürzung, sondern das Geräusch, das das Aufschlagen eines Usernamens auf dem Killfile eines Lesers verursacht, der fortan die Posts des Geplonkten nicht mehr zu Gesicht bekommt. Nicht alle Communities wollen sich auf diese rein lesergesteuerte Wahrnehmung verlassen - man will ja einigermaßen niveauvolle Diskussionen, keine Plattform für jeden erdenklichen Schwachsinn sein, Streitereien auf das nötige Mindestmaß reduzieren, hat man ja vielleicht ein bestimmtes Thema oder bestimmte Themen und würde gern bei diesen bleiben und nicht zuletzt hat man einen Ruf zu verlieren. Hier wird von den Usern gegenseitig oder seitens der "Leitung" gemahnt, gelöscht und ggf. gesperrt.

Kompetenz und Qualität

Die meisten Boards haben einen gewissen Anspruch bezüglich dessen, was Thema ist, und sanktionieren mehr oder weniger drastisch, wenn dies nicht eingehalten wird. Dies wird natürlich regelmäßig ausdiskutiert - die Grundpositionen sind meist "Uns wird der Mund verboten" seitens der Kritisierten, "Wir wollen uns nicht gängeln lassen und wissen selber, was Nonsense ist" seitens der nächsten Usergruppe und einem "Ich will mich nicht durch sechs Seiten unqualifizierten Müll wühlen, wenn ich ein Problem habe" seitens der Dritten.. Irgendwo auf diesem Bereich werden sich wohl alle Boards verorten müssen - es mag hier von Vorteil sein, wenn man solche - oft aber schwer in Worte zu fassenden - Kriterien bei der Registrierung oder in der Boardiquette verankert, erfahrungsgemäß werden diese Themen dennoch regelmäßig diskutiert, da die drei Haupteinwände nie alle entkräftet werden können - einen Todmüssen die Betreiber hier sterben. Hier ist weniger der letztendliche Kurs wichtig, sondern eine klare und einigermaßen verlässliche Linie, die es Usern ermöglicht, schnell festzustellen, ob dieses Board dem eigenen Geschmack entspricht. "Wer ist unsere Zielgruppe?" ist hier eine Frage, die sich die Boardbetreibenden stellen können, differenzierter ist auch "Wer soll sich hier wohlfühlen?", und "Wer braucht sich hier nicht wohlzufühlen?". "Was nimmt man um welcher User willen in Kauf, und kann sich das auch im Board durchsetzen?" Mehr oder weniger drastische Filterkriterien findet man vor allem in den fxp-Boards, wo dann schon mal mehr oder weniger machbare bis irrsinnige Uploadquoten gefordert werden ;o) "Weichere" Kriterien finden sich natürlich auf dem gulli:board - hier haben beispielsweise Hausaufgaben einen schweren Stand und das Löschkriterium "Unerträgliche Dummheit" findet zwar höchst selten, aber bisweilen seine Opfer.

Regelungsmechanismen

Einfachste Maßnahme ist das Löschen von Nachrichten oder gar Useraccounts: gängige Praxis in großen, redaktionell gepflegten Forensystemen wie bei Heise oder in Spiegel online, die sich so vor allem Arbeit ersparen. Die meisten Boardcommunities verschieben, ermahnen und verwarnen dagegen zunächst einmal. Wenn Boardkurs und -klima klar sind, wird hier oft schon von den anderen Usern bereits Druck zum "richtigen" Posten ausgeübt. Auch hier geht die Spannweite von einem Extrem zum anderen - während die einen liebevoll gehätschelte Anfängerforen pflegen, werden beispielsweise bei den hoeflichen Paparazzi Schreiber gnadenlos gedisst und gelöscht, die nicht ein wenigstens im semiprofessionellen Bereich vorhandenes Schreibtalents vorweisen können. Und wer sich schon mal auf oxy:brain umtat, wird sich auch denken können, warum sich dort wenig professionelle Textproduzenten oder angehende Systemelektroniker herumtreiben, auch wenn es ihnen nicht explizit verboten ist. Der häufigste Fall ist der, dass sich ein Themen- und Levelbereich herauskristallisiert, dessen Unter- (und Über)schreiten auf Widerspruch stößt. Der angenehmste Fall ist, dass sich die User passend zu diesen Bereichen auf dem Board wohlfühlen oder eben abwandern. Unangenehmer ist es, wenn diese Bereiche ständig neu ausdiskutiert und gerechtfertigt werden müssen. Oft geht dies nicht ohne Löschungen oder Sperrungen.

Das grundsätzliche Problem solcher Steuerung ist immer das der Hierarchien. Diese sind in der Boardtechnik angelegt und entsprechend schwer bis unmöglich zu überwinden. Selbst wenn man ein Posting löscht,in dem zur Behebung eines mIRC -Konfiguration zu format c: aufgefordert wird, löscht man nicht, weil man weiß, dass es sich um einen schlechten Ratschlag handelt, auf den Neulinge nicht hereinfallen sollten - man löscht, weil man die entsprechenden Rechte hat. Das Wissen um die Schlechtheit des Rats haben viele andere Nutzer auch, ohne dass sie löschen können. Hier gelangen wir wieder bei der Debatte an, wie viel Steuerung, Qualität und Nonsens gefordert und geduldet sind, und kein Boardbetreiber kommt drum herum, sich hier auf eine Position zu begeben.

Das schöne daran: Communities gibt es genug und in großer Auswahl - wer im heiseticker glücklich ist, mag bei Emma Online sein Glück vielleicht nicht finden. Wem hier zuviel 1337 talking ist, mag dort seinen Spaß haben, und umgekehrt mag vielen das elitäre Gehabein mancher Community so auf die Nerven gehen, dass dann doch irgendwann (natürlich erst nach exzessivem Ausdiskutieren der Gewalt, die dem System innewohnt und dem schrecklichen Gedisse der Boardleitung und mancher "schleimenden" User) woanders das Communityglück gesucht und gefunden wird.

Fest steht wohl nur, weder die Boards noch die Streitthemen werden uns in absehbarer Zeit ausgehen.

Themen, Diversifizierung

"Könntet ihr nicht ein Forum zu {Lieblingsthema hier einfügen} machen?" Das sollte fast jeder Boardbetreiber kennen. Und immer stellt sich die Frage, gibt es da nicht schon genügend Angebote im Netz, wird die Forenliste nicht schon auf dem 19" zwei Bildschirme lang und war es nicht schon bei den letzten drei Wunschforen so, dass dann doch im Offtopic gefragt wurde - "denn da lesen mehr mit"? Hier ist oft weniger mehr und ein behutsames Wachsen dem wild wucherndem Wachsen vorzuziehen. Wie weit jedes Board mehrfach erfundene Räder wiedererfinden soll, ist die nächste Frage.

Suche

ANZEIGE

RSS

AKTION

Wir haben bezahlt!

Napping

Das Beste von gulli auch auf deiner Seite?
Newsfeed abonnieren  news feed
Suche auf deiner Seite  suchbox
Banner und Buttons  banner & buttons

Support

Rettet das Internet

Piratenpartei Österreich

Piratenpartei Deutschland

© COPYRIGHT 2007 GULLI.COM