gulli: Zensur: Türkei sperrt Webseite von Indymedia ohne offizielle Begründung
27. März 2008

Zensur Türkei sperrt Webseite von Indymedia ohne offizielle Begründung

Nach YouTube und WordPress ist nun auch Indymedia Istanbul von der türkischen Zensur betroffen. Eine offizielle Begründung gibt es nicht. Vermutlich passt die öffentliche und unabhängiuge Berichterstattung per se nicht in das Bild der offiziellen öffentlichen Meinung. Obskur auch die Art und Weise der Sperrung, erst durch ein Provinzgericht, später durch ein Militärgericht.

Zunächst wurde die Webseite gesperrt. Zu sehen auf der Webseite war ein Hinweis, eine Aktennummer und ein zuständiges Gericht für die Sperrung. Nachdem mit einem Anwalt versucht wurde den Sachverhalt zu klären und man keine Anhaltspunkt fand, war die Webseite für einige Minuten wieder erreichbar. Danach erfolgte erneut eine Sperrung: mit gleichem Wortlaut und Aktenzeichen auf dem Bildschirm, jedoch war nun nicht mehr das amtliche Gericht in Gaziantep zuständig, sondern das Militärgericht. Offensichtlich versucht man Indymedia ohne offizielle Gründe sperren zu lassen.

Die Zensur in der Türkei hat in erster Linie sind kulturpolitische Gründe. So wurde YouTube mehrmals gesperrt nachdem Videos aufgetaucht sind, die den türkischen Staatsgründer beleidigen würden. Alle Webseiten von Wordpress.com wurden gesperrt, nachdem Adnan Oktar und seine kreationistische Sichtweise auf einem Wordpress-Blog kritisiert wurden.

Rabiat das vorgehen, direkt zwei der reichweitenstärksten Seiten im Internet sperren zu lassen. Aus Sicht des türkischen Staats scheinen Portale, die freie Meinungsäußerung so einfach wie WordPress und YouTube ermöglichen, ein Dorn im Auge zu sein. Unverständlich ist es dennoch, denn Plattformen zum Austausch von Meinungen gibt es im Internet zahlreiche.

Indymedia darf sich nun in den Kanon willkürlicher Zensur eingliedern. Es wirkt fast so, als würde symbolisch schlicht die freie Meinung beschnitten werden. Die Webseite Great Firewall of Turkey dokumentiert die Zensur in der Türkei. Die Sperrung von Indymedia Istanbul wird von Indymedia selbst dokumentiert. Weitere Hintergründe erfährt man im schweizer Blog von Indymedia.

( via Symlink )

  • 306 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von fubanator Es geht um die willkürliche Sperrung von Seiten. und da scheint die diskussion hier ja ohnehin am ende zu sein. Leider! Das Fazit, dass man ziehen kann/muss, ist dass es für einen Teil der türkischen(türkischstämmigen) User nicht möglich ist Kritik an der Türkei zu akzeptieren ohne dass sie gleichzeitig auf Probleme in anderen Ländern hinweisen müssen! Zu sagen "Ja, die ...

    Enforcer07 am 30.03.2008 19:44
  • Komplexe das ist es, die meisten Türken ticken ab, wenn die Türkei kritisiert wird, weil sie in ihrem falschen Nationalstolz sofort verletzt sind. Und kaum einer mag zugeben, dass sie heilfroh sind in Deutschland zu leben, schon der Gang zum Konsulat wegen Passverlängerung sollte Ernüchterung bringen, über den Staat den viele meinen zu lieben. Viele Deutsche User wissen das genau und sticheln gern, nur finde ich die Art und Weise bissel doof, ...

    cekirge am 30.03.2008 20:39

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