gulli: Yahoo und AOL erwägen in den USA ihr Internetradio runter zu fahren: Abgaben für Musik machen Gewinnerzielung schwierig
29. November 2007

Yahoo und AOL erwägen in den USA ihr Internetradio runter zu fahren Abgaben für Musik machen Gewinnerzielung schwierig

Wie der Nachrichtendienst Bloomberg gestern exklusiv berichtete, plant die amerikanische Yahoo! Inc. und die Tochter von Time Warner, AOL, ihr Webradio komplett einzustellen, sofern die Lizenzgebühren auf diesem Niveau bleiben sollten. Man sieht sich mit einer 38%igen Erhöhung der Abgaben für die Ausstrahlung kommerzieller Musik konfrontiert. Ian Rogers von Yahoo sagte in einem Interview: 'Wir bleiben nicht im Geschäft wenn auf die Dauer nur die Kosten überwiegen'.

Schon im Juli dieses Jahres, also direkt nach der Abgabenerhöhung, haben beide Unternehmen aufgehört, auf ihren Websites Werbung für ihre Webradios zu machen. Die Abgaben für kommerzielle Musik könnte in den USA das Wachstum der Internetradios in die Knie zwingen. Letztes Jahr konnte diese Branche laut einer Untersuchung der Firma ComScore Inc. noch ein Wachstum von 39% verzeichnen. Der New Yorker Analyst der Firma Sanford C. Bernstein & Co. spricht von einem ernsthaften Schlag, den die Radiostationen im Web damit einstecken mussten. Er hält es für unwahrscheinlich, dass zu diesem Zeitpunkt eine Lösung für dieses Problem gefunden wird. Yahoo wirbt anstatt für deren Launchcast, eine Art Wunschradio, verstärkt für deren Onlineshop für Videos und Musiktitel. Als logische Konsequenz ist deren Zahl der Zuhörer um rund zehn Prozent gefallen. Die amerikanische Organisation SoundExchange, die Firmen wie EMI, Sony BMG, Warner Music Group, Universal und andere repräsentiert, begehrt die Abgabenerhöhung in Zeiten, in denen die Verkaufszahlen der Musikmedien laut der RIAA um zwanzig Prozent gefallen sind.

Nachdem man sich im Winter 2005 bezüglich der Erhöhung der Abgaben auf keinen Wert einigen konnte, ging die Angelegenheit vor Gericht. Die Richter des Copyright Royalty Board beschlossen eine schrittweise Erhöhung, in 2010 sollen 19 Cent pro Lied entrichtet werden.

"Diese Rechnung geht nicht auf. Wenn die Gebühren auf diesem Niveau bleiben, wird es sehr schwer das Unternehmen dauerhaft aufrecht zu erhalten, ohne Verluste einzufahren"

, sagte Lisa Namerow vom AOL Radio in Dulles, Virginia. Yahoo und AOL geben ihre Bilanzen zwar nicht bekannt, der größte private Anbieter am Markt, die Pandora Media Inc., schreibt aber bereits rote Zahlen. Man hofft SoundExchange in der noch immer laufenden Diskussion eine Reduzierung der Gebühren abringen zu können. Save Netradio, Webcaster, Internet, Radio, RIAADie in Washington ansässige Gemeinschaft der WebCaster "Digital Media Association" hat bei Gericht angefragt, die Entscheidung zu kippen. Sollte auch dies nicht gelingen, wäre der Kongress die letzte Hoffnung.

Wenn sich die Situation nicht ändert, werden AOL und Yahoo die Aktivitäten auf diesem Sektor komplett einstellen. Die restlichen Anbieter werden ihnen wegen der schwierigen Erwerbslage im Laufe der Zeit folgen, ob sie wollen oder nicht.

  • 14 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von Frodoger super idee. nur vollkommener quark. was hat unbekannt mit frei zu tun? seit wann kann man independent label musik ohne Abgaben spielen? Unbekannte Künstler können es sich aber nicht leisten, solche Forderungen zu stellen und haben vielleicht den Gedanken im Hinterkopf, dass sie durch das Radio endlich bekannter werden könnten. Oder einige würden sich einfach freuen, ...

    B0rs_Uploads am 29.11.2007 17:29
  • Zitat: Zitat von Wandang hmm was heisst genau 19 Cent/Lied? Pro einmal abspielen des songs? oder einmalig? ich kann mir , wenns einmalig zu entrichten ist, grad nicht vorstellen, wie solch hohe kosten entstehen sollen. Wohl pro abspelen..... Die haben doch voll den Knall da. MfG Andy

    titus_shg am 29.11.2007 22:04
  • Zitat: Zitat von titus_shg Wohl pro abspelen..... Die haben doch voll den Knall da. MfG Andy wie soll das denn funzen? also vom finanziellen her. kleine rechnung: in einem monat (30 tage) müsste man dann , wenn jedes lied im durchschnitt 5 minuten geht (das ist noch sehr gut bemessen) und man nonstop sendet 1641,6 € zahlen... hammerlotchen PS: bei 3 minuten-liedern sinds schon 2736€

    Wandang am 29.11.2007 23:27
  • Zitat: Zitat von Wandang wie soll das denn funzen? also vom finanziellen her. kleine rechnung: in einem monat (30 tage) müsste man dann , wenn jedes lied im durchschnitt 5 minuten geht (das ist noch sehr gut bemessen) und man nonstop sendet 1641,6 € zahlen... hammerlotchen PS: bei 3 minuten-liedern sinds schon 2736€ Nicht nur das, noch viel schlimmer: ...

    titus_shg am 30.11.2007 08:29

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