gulli: WIPO entscheidet Domainstreit: Wem gehört die Schweiz?
30. Mai 2006

WIPO entscheidet Domainstreit Wem gehört die Schweiz?

1995 gab es das Internet in der Schweiz bestimmt noch gar nicht oder wurde von offizieller Seite gnadenlos unterschätzt. Daran jedenfalls, die Domainnamen schweiz.ch, suisse.ch oder svizzera.ch sich zu sichern, daran dachte die offizielle Eidgenossenschaft offenbar nicht. Die Domains konnten von Privatleuten registriert werden und gehören heute Stefan Frei, der schon seit 1997 unter der 1995 registrierten Adresse schweiz.ch ein Portal betreibt mit Informationen über die Schweiz und neben kostenlosen E-Mail-Adressen allerlei Fanartikel in den Landesfarben anbietet. Deswegen hat er jetzt Ärger.

Erstmals im Mai 2000 unternahm die Regierung der Schweiz Schritte, die Domains in ihren Besitz zu bringen, unter der Adresse schweiz.ch wollte eine Arbeitsgruppe von Bund, Kantonen und Gemeinden einen "guichet virtuel" anbieten, ein eGovernment-Portal, wie es im hiesigen Neusprech heißt. Allerdings betrieb die offizielle Eidgenossenschaft die von ihr gewünschte Übertragung der Domains wohl bestenfalls halbherzig, in einer TV-Sendung erklärte einer ihrer Vertreter, sie sei auch mit www.admin.ch zufrieden.

Wurde seinerzeit noch festgestellt, daß Stefan Frei die Domains rechtmäßig besitze und sinnvoll nutze, schließlich bietet er Inhalte, die einen Bezug zur Schweiz haben, sah das die Bundesregierung ganze fünf Jahre später wieder anders. Erneut verlangte sie im April 2005 die Herausgabe der Domains, die sich inzwischen alle im Besitz von Stefan Frei befanden. Die Bevölkerung erwarte unter diesen Adressen offizielle eGovernment-Angebote mit amtlichen Angaben und der Möglichkeit, Kontakt zu offiziellen Stellen aufzunehmen.

Stefan Frei allerdings wollte dem nicht beipflichten und berief sich darauf, daß sein mittlerweile etabliertes Angebot fünf Jahre zuvor noch als rechtmäßig angesehen worden war und die Schweizer Regierung auch die Domain schweiz.info zunächst nicht für sich beansprucht habe. Im Februar 2006, ein Jahrzehnt nach Erstregistrierung, nun entdeckte die offizielle Schweiz das Namensrecht für sich und brachte die Angelegenheit vor die WIPO - die entschied gegen Stefan Frei: "Das Gesuch, die Domainnamen 'schweiz.ch', 'suisse.ch' und 'svizzera.ch' auf die Schweizerische Eidgenossenschaft zu übertragen, wird gutgeheissen."

  • 7 Kommentare zum Artikel
  • Dafür sollen sie aber www.admin.ch abtreten - ein Auftritt reicht völlig.

    weierles am 30.05.2006 16:08
  • und was so schlimm daran? ist ja genau so als hätte jemand "deutschland.de" privat gerregt und darauf ne pornseite. nun gut die schweizer seite ist inhaltlich sicherlich nicht verkehrt - aber für die schweiz selbst sicher nicht repräsentativ, mal angenommen xy tourist möchte sich über die schweiz informieren. ist halt staat. wenn dein haus im weg ist für einen straßenneubau haste auch wenig chancen denn der staat tut das was der ...

    clueless am 30.05.2006 16:52
  • Zitat: Zitat von clueless ...denn der staat tut das was der allgemeinheit gut tut und nicht aus kommerziellen hintergedanken. von daher alles nur halb so schlimm... Word!

    KrypteX am 30.05.2006 18:02
  • hehe, und so wird das ganze Bund-intern kommuniziert: --------------------------------------------------------------- Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Liebe Kolleginnen und Kollegen Wir haben heute gleich doppelten Grund, uns zu freuen und Glückwünsche zu verteilen: 1. Die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) hat das Gesuch der Bundeskanzlei gutgeheissen, die Domain-Namen Schweiz.ch, Suisse.ch und Svizzera.ch ...

    streikk am 01.06.2006 11:19

Suche

RSS

AKTION

Wir haben bezahlt!

Napping

Das Beste von gulli auch auf deiner Seite?
Newsfeed abonnieren  news feed
Suche auf deiner Seite  suchbox
Banner und Buttons  banner & buttons

Support

Rettet das Internet

Piratenpartei Österreich

Piratenpartei Deutschland

© COPYRIGHT 2006 GULLI.COM