gullinews am Freitag, 27.06.2008 19:50 Uhr
"gBrain" ist so ziemlich der Albtraum jedes auf Datenschutz bedachten Internetnutzers. User, die Google ihr gesamtes Surfprofil auf dem Silbertablett servieren, indem sie jede besuchte Seite bei Google Bookmarks speichern, sind wohl die Netz-Pendants zu den Bewohnern des "Big Brother"-Hauses. Zumal das AddOn auch jedes Popup-Fenster, jedes Pornoseitchen, jede versehentlich besuchte SEO-Klitsche und jede Tippfehler leechende Domaingrabber-Seite abspeichert. Aber darum soll es gar nicht gehen.
Die ganze Geschichte um das Ende seiner Firefox-Erweiterung beschreibt Programmierer Andreas Gohr in seinem Blog. So sei er von einem Google-Anwalt vor einigen Wochen kontaktiert worden, der ihn freundlich bat, die Entwicklung der Erweiterung nicht mehr fortzuführen und sie offline zu nehmen. Das mag zunächst drastisch klingen, aber man sollte sich vergegenwärtigen, dass Google den Service auch einfach für gBrain-Nutzer hätte sperren können und Gohr abmahnen - wegen Verletzung der Nutzungsbedingungen. Gohr stimmte zu, sein AddOn abzuschießen, zumal die Erweiterung nicht sonderlich beliebt war, er sie nicht einmal selbst benutzte. Aber er war neugierig, warum Google sich die Einstellung von gBrain wünschte. Der Google-Anwalt als bloßer Überbringer der Nachricht wusste das zwar auch nicht, versprach aber, sich um Klärung zu bemühen.
Am nächsten Tag bekam Gohr einen unerwarteten Anruf aus Amerika: Jeffrey Korn, Entwickler der Google Bookmarks und Web-History-Tools erklärte ihm den Sachverhalt: Bookmarks ist nicht darauf ausgelegt, einige tausend Seiten pro Monat zu speichern. Jedes Mal, wenn man eine reguläre Google-Suche startet, werden die Suchergebnisse mit den kompletten bei Bookmarks gespeicherten URLs abgeglichen. Kurzum: gBrain verursachte offenbar eine selbst für Google nicht hinnehmbare Serverlast. Er möge für solche Zwecke lieber Web History verwenden. Einige Wochen später bekam Gohr sogar ein Päckchen mit einigen Geschenken und einem Dankesbrief von Google.
Für diesen Fall muss man Google ausdrücklich loben. Nur wenige andere Konzerne hätten sich in einem vergleichbaren Konflikt so ruhig, transparent und kooperativ gezeigt. In diesem Fall (im Gegensatz zu anderen Fällen) manifestiert sich das Firmenmotto "Don't be evil" auch im konkreten Handeln.
(via ycombinator)
| 28 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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Stiller Meister am 28.06.2008 09:54:58: |
DCSlade am 28.06.2008 13:20:15: |
Sajeth am 28.06.2008 15:26:06: |