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25. Januar 2006

Warum Google keine Suchlogs herausgibt...

...weil sie wissen, wie das Netz aussieht?

Eine spannende These stellt Forbes in den Raum: während Yahoo, AOL und MSN den Forderungen des US-Justizministeriums nachkamen, Suchlogs und Domainstichproben herauszugeben - wenngleich anonymisiert - und Google sich nach wie vor weigert, könnte am inzwischen durchaus geschönten Bild des Internet in der Öffentlichkeit liegen, von dem Google überdurchschnittlich profitiert. Nicht etwa am Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer sei Google vorrangig interessiert, sondern eher am Schutz des eigenen Geschäfts.

Google gebe zwar an, dass über die Datenherausgabe Geschäftsgeheimnisse offengelegt werden könnte: die Art und Weise, wie Suchergebnisse zustandekommen, seien möglicherweise über Domainstichprobe, die Logs der Suchbegriffe und der Google-Suchergebnisse ermittelbar. Dies wird bezweifelt: viel mehr Anlaß zur Sorge könnten Google die Suchergebnisse selber machen.

Die meisten Suchmaschinen geben inzwischen nicht mehr an, wieviel Porn über sie gesucht wird - auch Googles Ranking, Google Zeitgeist, bringt aktuell allenfalls auf Platz sechs mit "Paris Hilton" einen Suchbegriff, der gelegentlich mit nicht jugendfreien Inhalten assoziiert wird - ansonsten interessieren sich die Deutschen laut Google vor allem für freie Online-Lexika und Tokio Hotel. Sollte die schönste Nebensache der Welt im Netz ebenfalls von Interesse sein, dann jedenfalls nicht unter den Top15. Soweit der schöne Schein.

Die Wirklichkeit sieht anders aus: Nielsen Netrating geht von einem Viertel aller Websuchen aus, die auf Erotik-Content abzielen. Ein nicht unbedeutender Anteil, und vor allem einer, in dem in überdurchschnittlichem Maß für Content auch bezahlt wird - lukrativ für die Seiten, die die Benutzer zu den entsprechenden Anbietern lenken.

Die Schlußfolgerung Forbes': Alle Suchmaschinen profitieren vom Online-Pornbusiness, Google jedoch überdurchschnittlich: als einziger Anbieter finanziert er sich fast ausschließlich über Werbung. Überdurchschnittlich stark wäre der Effekt auf Google, würde der Child Online Protection Act COPA, in dessen Rahmen die Datenanalyse stattfinden soll, zu einer restriktiveren Handhabung des Onlinegeschäfts mit pornografischen Inhalten führen. Und auch Googles Ruf als Suchmaschine mit der besten und objektivsten Darstellung des Netzes könnte unter möglichen Restriktionen leiden - mit allen Folgen fürs Werbegeschäft, Aktienwert, Marktanteil und Markenwahrnehmung. Andere Suchmaschinen hatten mit dem Ausschließen pornografischer Inhalte weniger Skrupel: MSN startete seine deutsche Suchmaschine erotikgefiltert: nicht, dass die Filter tatsächlich funktionierten, aber dem Willen zur Netzbeschönigung durch die diversen Sittenwächer versuchte man zumindest nachzukommen.

Insofern könnte Google gerade seine Stärke, das Netz (mit inzwischen einigen Einschränkungen) an sich immer noch weitgehend so abzubilden, wie es tatsächlich aussieht, durchaus zum Nachteil gereichen. Denn so, wie es Google Zeitgeist glauben macht, verhält es sich mit der Onlinewelt nicht. Und der entstehende schlechte Ruf des Netzes in den Augen der Moralwächter könnte auf Google in überdurchschnittlichem Maß zurückfallen.

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