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01. Juni 2007

Warner mit Musikvideos online Vom Guten und vom gut gemeinten

Endlich, mag man kommentieren: Warner stellt seine Musikvideos ins Netz. Ein Label mehr, das begriffen hat, dass Online-Videos Werbemittel sind? Nicht wirklich: denn statt die Werbewirkung zu maximieren, setzt man bei Warner auf das schnelle Geld: nur auf der eigenen Website gibt es werbefinanziert Clips zum Betrachten. Eine kurze Nachhilfe im Internet-Marketing.

Es ist eine gute Idee, Videoclips frei zur Verfügung zu stellen - nichts anderes passiert seit Jahren im Musik-TV. Insofern ist nach der jahrelangen Verweigerungshaltung der Labels zu begrüßen, dass Warner nun einen Schritt in die richtige Richtung tut und auf seiner Website Videoclips seiner Musiker zur Verfügung stellt.

Nur zeigt die Art und Weise, wie Warner die Clips anbietet, dass man leider vom Internet nichts begriffen hat. Werbung dient als zusätzliche Einnahmequelle der Clips - wogegen im Prinzip nichts zu sagen ist. Wer die Videos laden und nicht nur streamen will, muss zahlen - auch hier kein Problem, es wird ja niemand zum Shoppen gezwungen.

Dass die Clips jedoch nur auf der Warner-Seite zu betrachten sind zeigt, dass man von der Art und Weise, wie Musikmarketing im Netz funktionieren könnte, nichts begriffen hat. Clips sind Werbung - und Werbung bietet man dort an, wo die potentiellen Kunden anzutreffen sind. Wer auf Warners Seite surft, interessiert sich eh schon für die Musik des Labels. Ein Abholen von Fans dort, wo sie sich sonst herumtreiben, findet hingegen nicht statt.

Der Erfolg von YouTube und Konsorten liegt darin begründet, dass Videocontent beliebig auf Drittseiten eingebunden werden kann - auf Musikblogs, Fanseiten, Foren und so weiter. Mit anderen Worten: auf Plätzen, wo Fans erreicht werden, die sich nicht dafür interessieren, bei welchem Label ein Künstler ist und entsprechend die Site des Labels aufsuchen, sondern wo Fans die Musik vorstellen, die sie mögen - und andere, die sich für diesen Geschmack interessieren, lesen und kommentieren. Und auf Künstler von Warner aufmerksam werden könnten, wenn es denn die Möglichkeit gäbe, die Streaming-Clips dort einzubinden.

Von daher: gut gemeint, aber leider nicht gut. Auf der anderen Seite: nachbessern wäre kein großer Aufwand.

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