gulli: Wahlcomputer von Sequoia: Testberichte unerwünscht, Rechtsmittel angedroht
18. März 2008

Wahlcomputer von Sequoia Testberichte unerwünscht, Rechtsmittel angedroht

Geprüft und für gut befunden - mit Testberichten schmücken sich Hersteller aller Couleur gerne, zeigen sie doch, dass die Produkte halten, was sie versprechen. Gegen Testberichte haben an sich nur jene Hersteller etwas, die um die Mängel ihrer Produkte wissen und diese nach Möglichkeit verheimlichen wollen. Insofern erweist sich der US-Hersteller von Wahlmaschinen Sequoia gerade einen Bärendienst: Stanford-Prof Ed Felten darf nicht über die Geräte berichten.

Bereits die Bundesstaaten, die Ed Felten Wahlmaschinen zur Prüfung überlassen, machen sich nach Ansicht von Sequoia strafbar, da gegen Lizenzrechte des Herstellers verstoßen würde. Das geistige Eigentum der Firma dürfe nicht zum Zweck der "nicht zugelassenen Prüfung" an Dritte weitergegeben werden. Prüfen dürfen nur von Sequoia abgesegnete Experten - ein Schelm, der böses dabei denkt.

Sollte Felten nun doch Sequoia-Geräte erhalten, drohen ihm Klagen im Fall, dass er tatsächlich Testberichte und Analysen publiziert. Sequoia per Mail:

"Wir werden angemessene Schritte einleiten, um die Publikation von Berichten über die Sequoia-Software und ihre Funktionsweise zu verhindern, sowie andere Berichte, die in irgend einer Form gegen unsere geistigen Eigentumsrechte verstoßen."

Klare Ansagen sind etwas feines: wie eine so grundlegend gesellschaftsrelevante Prozedur wie eine Wahl abläuft, ist das "geistige Eigentum" eines Unternehmens, Prüfungen sind Urheberrechtsverstöße, und gegen ihre Publikation werden Rechtsmittel eingelegt. Von so "transparenten" demokratischen Strukturen dürften manche Diktatoren nachts träumen, Sequoia propagiert hingegen ihre Sicht der Dinge vollkommen ungeniert. Es blamiert sich eben jeder, so gut er kann.

  • 5 Kommentare zum Artikel
  • die Wahl wird zum geistiges Eigentum, Prüfungen einer Wahl sind Urheberrechtsverstöße, und wer sich daran stört wird mit Rechtsmittel zum schweigen gebracht hmmm...wieder was dazu gelernt. warum verkaufen die den Regierungen noch immer "Wahlcomputer". So wie sich das entwickelt würde ich erwarten das sie der Regierung die gestammte Durchführung der Wahl anbieten würden. Dann können sich die Politiker auch endlich ihre ...

    Mephisto74 am 18.03.2008 14:22
  • Herrlich geschriebener Artikel! Glückwunsch Der Rest wurde hier ja schon gesagt. Wie leicht die Maschinen zu manipulieren sind hat der CCC ja schon eindrucksvoll bewiesen.

    Wandang am 30.03.2008 17:10

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