Wahlcomputer in Ohio zum Tatort eines Verbrechens erklärt

gullinews am Mittwoch, 19.03.2008 11:43 Uhr

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Offizieller Tatort sind inzwischen die Wahlcomputer im US-Bundesstaat Ohio. 15 Geräte hatten 2006 in einer Wahl seltsame Ergebnisse sowie verschiedene Wahlmöglichkeiten angeboten. Die Geräte wurden nun zum "Tatort" erklärt und werden untersucht. Tests der Maschinen wurden nur unzureichend durchgeführt, Spendenschecks von Wahlmaschinenherstellern werfen ebenso ein etwas seltsames Licht auf die Wahlprozeduren im Wackelstaat Ohio.

2006 wurden auf einzelnen Maschinen des Herstellers Election Systems and Software ein Kandidat aufgelistet, der auf anderen als "von der Wahl zurückgetreten" geführt wurde. Der Demokrat Jay Perez hatte seine Kandidatur zurückgezogen, um einem Konkurrenten der Demokraten keine Stimmen wegzunehmen, die letztendlich dem republikanischen Gegenkandidaten zum Sieg verhelfen könnten. Auf manchen Maschinen von ESS wurde Perez' Name gelistet, auf anderen nicht.

Weiter stellte sich heraus, dass die "leicht hackbaren" Maschinen von Wahlprüfern in der Nacht vor der Wahl zu Hause aufbewahrt wurden, Tests der Geräte wurden nicht flächendeckend, sondern nur auf einzelnen, zufällig ausgewählten Maschinen durchgeführt. Darüber hinaus wurden Logdienste auf den ESS-Geräten deaktiviert, die nachträglich das Auffinden von Softwaremanipulationen ermöglicht hätten. Natürlich nur, um die Geräte zu beschleunigen.

Einer der Wahlvorstände in Ohio wurde darüber hinaus vor der Wahl 2008 seines Amtes enthoben, nachdem sich herausstellte, dass er am Tag der Ausschreibung des Auftrags für die Ohio-Wahlmaschinen einen Scheck über zehntausend Dollar von einem Wahlmaschinenhersteller angenommen hatte. Gedacht war das Geld als Wahlkampfspende für die Republikanische Partei.

Die "Provinzposse" ist keine - Ohio als den einen Bundesstaat unter vielen abzutun, in dem Wahlmaschinen auf denkbar unprofessionelle und unsichere Weise eingesetzt wurden, funktioniert nicht. Die Wahl von Präsident Bush 2004 wurde unter anderem in Ohio entschieden, wo die Nachzählung der abgegebenen Stimmen seinerzeit unter merkwürdigen Umständen gestoppt wurde.

Immerhin: Ohio kümmert sich inzwischen um die Sicherheit der Wahlen. Die Stimmabgabe auf Papier wird wieder ernsthaft diskutiert, nachdem Staatssektretärin Jennifer Brunner die in Ohio eingesetzten Geräte näher untersuchen ließ. Ihr Fazit: Alles schlimmer als gedacht. Die Prüfung von Geräten der Hersteller Elections Systems and Software, Premier Election Solutions (früher: Diebold) und Hart InterCivic ergab, dass alle eingesetzten Wahlmaschinen manipulierbar sind.

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2 Reaktionen aus dem gulli:Board

gullinews am 19.03.2008 11:43:58:
Offizieller Tatort sind inzwischen die Wahlcomputer im US-Bundesstaat Ohio. 15 Geräte hatten 2006 in einer Wahl seltsame Ergebnisse sowie verschiedene Wahlmöglichkeiten angeboten. Die Geräte wurden nun zum "Tatort" erklärt und werden untersucht. Tests der Maschinen wurden nur unzureichend dur...

AOM am 19.03.2008 13:38:24:
Die Stimmabgabe auf Papier wird wieder ernsthaft diskutiert, nachdem Staatssektretärin Jennifer Brunner die in Ohio eingesetzten Geräte näher untersuchen ließ. Ihr Fazit: Alles schlimmer als gedacht. Na so was aber auch. Da hätte man auch nicht früher drauf kommen kÃ...

Hirnblaehung am 19.03.2008 16:39:09:
Is doch immer so .... die Firmen Bestechen damit sie die Geräte auf den markt bringen damit die Steuer gelder in ihre kassen gehen... Findet sich ein Polotiker der nicht bestochen wurde fängt er an zu denken und findet die dinger sind scheisse ...wo er ja mal garnicht so unrecht hatt ....:D Naj...

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