Vorwurf: Britischer Geheimdienst Mitschuld an Folter

_020200 am Mittwoch, 25.11.2009 23:14 Uhr

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Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch aus New York hat eine Untersuchung veröffentlicht. Darin werfen sie dem britischen Geheimdienst eine Mitschuld an der Folter von britischen Bürgern in Pakistan vor.

Der Bericht "Cruel Britannia" der Human Rights Watch untersucht den Fall von fünf Briten pakistanischer Herkunft, die laut eines Berichts vom pakistanischen Geheimdienst gefoltert wurden. Dabei spielten auch die britische Regierung, beziehungsweise die Geheimdienste, eine entscheidende Rolle. Die Terrorverdächtigen seien nicht nur unter "willentlicher Duldung" in Pakistan gefoltert worden, sondern die Folter sei zum Teil auch durch den Geheimdienst motiviert gewesen.

In einjähriger Recherche hat Human Rights Watch den Bericht zusammengestellt. Dabei scheint unbestritten, dass im "Kampf gegen den Terror" Folter durch den pakistanischen Geheimdienst ausgeübt wurde. Doch die Vorwürfe gegenüber den britischen Geheimdienstmitarbeitern kommen von den Folterern selbst. Die Terrorverdächtigen seien zwischen 2004 und 2007 monatelang inhaftiert und gefoltert worden, was als "Standardbehandlung" auch den britischen Geheimdiensten bekannt war. Dabei kamen immer wieder Schlafentzug und Schläge zum Einsatz, sowie zum Teil Bedrohungen mit einer Bohrmaschine, das Ziehen von Fingernägeln. Ein Opfer wurde gezwungen, sich die Folter von anderen Inhaftierten anzusehen. In den monatelangen Folterperioden hätten immer wieder auch Verhöre durch den britischen Geheimdienst stattgefunden. Dabei sollen die Spuren der Folter bei den Opfern deutlich sichtbar gewesen sein.

Das Ziel der britischen Mitarbeiter soll gewesen sein, "möglichst viele Informationen" aus den Verdächtigen zu bekommen. Daher seien ihnen die Methoden in Pakistan nicht nur recht gewesen, sondern bei einem Verdächtigen hätten die amerikanischen und britischen Behörden sogar explizit Druck auf die Folterer ausgeübt. Wörtlich wird ein pakistanischer Geheimdienstmitarbeiter in dem Bericht zitiert: "Die haben ganz klar gewusst, dass wir alles mögliche angewendet haben, um Informationen aus dem Verdächtigen zu bekommen und waren dankbar, dass wir es taten."

Ein Sprecher des Auswertigen Amtes in Großbritannien soll die Vorwürfe bereits dementiert und weit zurückgewiesen haben. "Die Regierung weist auf das Heftigste zurück, dass eine Mittäterschaft an der Folter stattgefunden hat." Die Darstellungen in dem Bericht würden nicht den Tatsachen entsprechen und "unwahr" sein.

Den Bericht "Cruel Britannia" gibt es auf der Webseite der Human Rights Watch.

(via Guardian, thx!)

(Bild: Logo Hman Rights Watch, thx!)

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vgwort
 
7 Reaktionen aus dem gulli:Board

BloodWork am 26.11.2009 09:40:51:
Natürlich, das will ich keineswegs bestreiten. Ich wollte damit lediglich anmerken, dass die zuständigen Behörden wohl nicht wirklich mit Konsequenzen gerechnet haben. Wenn jemand "weiß" gefoltert wird, ist er einfach unglaubwürdiger wenn er davon berichtet. Jedenfalls unglaubwürdiger als jema...

Harachteh am 26.11.2009 10:52:50:
Ich hoffe selbst nie unter Terrorverdacht zu stehen... sobald du das tust hast du keine Rechte mehr, selbst wenn es unbegründet ist....

Freakonomist am 26.11.2009 16:50:32:
Erinnert mich daran einen Bericht über die mangelhafte Effizienz der Foltermethoden gelesen zu haben. Sämtliche relevanten Informationen aus dem immer wieder als Erfolgsbeispiel zitierten Fall wurden VOR dem Start dieser Methoden durch reguläre FBI Verhöre gewonnen. Aber was kümmert es konserv...

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