gulli: Videoüberwachung: Kosten ohne belegten Nutzen
21. September 2006

Videoüberwachung Kosten ohne belegten Nutzen

Für "gefühlte Sicherheit" investieren deutsche und österreichische Bahn in den kommenden Jahren weitere Videoüberwachungssysteme. Verbessertes "Sicherheitsgefühl" und Vorbeugung gegen Vandalismus seien die Ziele des Überwachungsausbaus, Zahlen will man jedoch nicht nennen. Datenschützer betrachten den Effekt der vermehrten Überwachung als gering bis nicht vorhanden.

"Auf Basis von Sicherheitsgefühlen kann man doch keine Verfassungsrechte außer Kraft setzen," zitiert futurezone den Datenschützer Hans Zeger von der ARGE Daten. Mehr als Sicherheitsgefühle wollen jedoch weder Deutsche noch Österreicher nicht angeben, geht es um den konkreten Nutzen der sich rapide vermehrenden Kameras. Knappe 20 Millionen sollen in Österreich für mehr Videoüberwachung bezahlt werden, materieller Nutzen durch weniger Vandalismus wird erwartet, Zahlen werden hingegen nicht genannt.

Das gewachsene Sicherheitsgefühl der Fahrgäste sowie gute Erfahrungen bei den Kollegen der Deutschen Bahn hingegen werden als Begründung gerne herangezogen. Doch auch in Deutschland drückt man sich um die Herausgabe konkreter Daten. Die Bahn AG stelle diesbezügliche Kosten-Nutzen-Rechnungen zwar an, da sie auch der Betriebsführung dienten. Diese Rechnungen würden allerdings nicht der Öffentlichkeit mitgeteilt, so Bahnsprecher Michael Baufeld laut Futurezone.

Analysiert man die Effekte der Überwachung jenseits von "gefühlter Sicherheit", so sind die Ergebnisse hingegen bisweilen ernüchternd. Auch in Österreich seien die konkreten Effekte von mehr Überwachung mehr als dürftig. Datenschützer Zeger führt die zu 100 Prozent videoüberwachten österreichischen Banken an, in denen in den vergangenen fünf Jahren die Überfälle um 76 Prozent zugenommen, die Aufklärungsquote von 70,4 Prozent im Jahr 2001 auf 44 Prozent im Jahr 2004 abgefallen sei.

Wie auch in der britischen Studie zeigt sich der paradoxe Effekt: die Akzeptanz der Überwachung bei der Bevölkerung ist hoch und bleibt hoch, selbst wenn die Sinnlosigkeit der Maßnahmen sichtbar wird.

  • 3 Kommentare zum Artikel
  • Für "gefühlte Sicherheit" investieren deutsche und österreichische Bahn in den kommenden Jahren weitere Videoüberwachungssysteme. Verbessertes "Sicherheitsgefühl" und Vorbeugung gegen Vandalismus seien die Ziele des Überwachungsausbaus, Zahlen will man jedoch nicht nennen. Datenschützer betrachten den Effekt der vermehrten Überwachung als gering bis nicht vorhanden. "Auf Basis von Sicherheitsgefühlen kann man doch keine ...

    gullinews am 21.09.2006 10:30
  • Step by Step... Es gibt zwei Erklärungen dafür, dass die Anzahl solcher Meldungen immer mehr zunimmt. Die eine ist, dass einfach mehr danach gesucht wird.

  • und die zweite?

  • Zitat: Zitat von hufj und die zweite? Dass die Ereignisse, die solche Meldungen ermögliche zunehmen. Also, dass tatsächlich immer schneller mehr überwcht wird... Ich befürchte leider, es trifft eher die zweite Möglichkeit zu...

    notintel am 21.09.2006 12:29

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