Fantasievolle Statistikinterpretationen im Focus
Während die Lehre aus den Londoner Bombenanschlaegen die ist, dass Videoüberwachung keine Straftaten verhindert, hindert das die üblichen Verdächtigen nicht, sich in Punkto mehr Überwachung gegenseitig rechts zu überholen: Schily und Beckstein überbieten sich momentan mit Forderungen nach mehr Videoüberwachung. Dabei erhalten sie Schützenhilfe vom Focus, wie Golem weiss.
Der Sinn der Übung ist offensichtlich, und auch Golem scheint darauf hereingefallen zu sein: Betitelt ist ihre Meldung mit "Videoüberwachung verdrängt Kriminalität nicht", was zusammen mit den Zahlen suggeriert, dass Videoüberwachung Kriminalität tatsächlich reduziere und nicht nur an unüberwachte Plätze verlagere. Allein, im Artikel wird nur von den Rückgängen an überwachten Orten gesprochen, die Zustände in unüberwachten Räumen werden vornehm außen vor gelassen - ein Schelm, der böses dabei denkt.
Indessen funktioniert die Propaganda: aus Österreich wird berichtet, dass soeben die Ausschreibung für ein High-Tech-Überwachungssystem für insgesamt 20 Wiener Plätze nun zu Ende gegangen ist. Installiert wird ein High-End-System, welches S-Video, BNC, Firewire, USB und 100 Mbit-Anbindung der Kamerasysteme umfasst, hinzu kommen Alarmsysteme mit alternativer Meldemöglichkeit per SMS. Zahlreiche Remote-Steuerungsmöglichkeiten, Bewegungserkennung und automatischer Neustart nach Stromausfällen runden das System ab, von dem der Große Bruder mit seinen stationären Teleschirmen nur träumen konnte.