gulli: Vermeintliche Sicherheit: Schweizer Bank für Daten gegründet
06. Mai 2008

Vermeintliche Sicherheit Schweizer Bank für Daten gegründet

Wer der eigenen Festplatte nicht vertraut, kann seit wenigen Wochen seine Daten gegen entsprechende Bezahlung im sichersten Datensafe der Welt hinterlegen. Diese Schweizer Bank beherbergt nicht ihre Gelder, die vor dem Zugriff des Finanzamts gesichert werden sollen. Verborgen, tief unter der Erde werden stattdessen ihre Daten aufbewahrt. Kein Witz: Der Armeebunker wird rund um die Uhr tatkräftig von ehemaligen Soldaten bewacht, Zugangskontrollen mit automatischer Gesichtserkennung inklusive. Die Steuersünder Liechtensteins haben mit den Kunden dieses Dienstleisters etwas gemeinsam: Sie sind Mitwissern gegenüber feindlich eingestellt.

Jeder Kaufmann ist im Besitz von persönlichen Adresslisten, intimen Briefen, Konstruktionsplänen, wertvollen Bildern, Vermögensaufstellungen oder Buchhaltungsdaten. Damit diese weder verloren, gehen noch in die falsche Hände geraten, können Interessenten pro Gigabyte für sechs Euro pro Monat diese Daten in dem Fels befindlichen Bunker aufbewahren lassen. Die 448-Bit-Verschlüsselung soll selbst Geheimdienstler in Schach halten, auch die Mitarbeiter der Finanzämter haben hier keine Möglichkeit auf einen Zugriff auf die ungeschönten Bilanzen der Manager. Nach der Erteilung des Auftrags werden die Dateien online und verschlüsselt mithilfe eines eigenen Clients an einen geheimen Ort in den Schweizer Alpen überspielt. "Da kommt keiner dran".

Dort, irgendwo im Berner Oberland sind diese unbeschädigt, selbst wenn auf der Oberfläche der Dritte Weltkrieg ausbrechen sollte. Weder Hitze noch nukleare Strahlung kann dem Datensafe im Bergmassiv etwas anhaben. Die Stromversorgung kann notfalls auch aus eigenem Antrieb vonstattengehen. Die Betreiber der Website haben keine Mühe mit ihren Horrorszenarien für sich und ihre Dienstleistung zu werben. In wenigen Sekunden kann durch Systemattacken, Zerstörung, Naturkatastrophen, Feuer, Wasser, menschlichem Irrtum oder technischem Versagen alles unwiederbringlich verloren sein, was Sie und Ihr Unternehmen in jahrelanger Arbeit aufgebaut haben. Eigene Datensicherungen werden in einem Interview zudem als zu unsicher angesehen. Das Backup wird von vielen Kaufleuten oftmals nur wenige Meter vom Original aufbewahrt, bei Diebstahl oder Brand sind im Extremfall beide Festplatten beschädigt oder wurden entwendet. Andere Manager würden häufiger ihren Sekretärinnen die Festplatten mitgeben, damit sie diese bei sich in ihrer Privatwohnung aufbewahren, datenschutztechnisch betrachtet der absolute Super-GAU. Man richtet sich mit seinem Angebot an das deutsche Publikum, trotz der vergleichsweise niedrigen Kosten dürfte der Service für uns Normalsterbliche trotzdem uninteressant sein.

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