gullinews am Mittwoch, 19.04.2006 15:06 Uhr
Wieviel Kanada noch im Verband der kanadischen Musikindustrie übrig ist, fragt Copyrightexperte Michael Geist rhetorisch, nachdem sechs kanadische Plattenlabel den Verband verlassen haben. Diese geben an, dass die aktuellen Forderungen des Verbands negative Effekte auf das Wachstum der kanadischen Labels haben werden.
"Es ist in den vergangenen Monaten in wachsendem Maße klar geworden, dass die Positionen der CRIA zu einigen wichtigen Bereichen der Musikindustrie nicht mehr mit unseren Interessen als unabhängige Labels übereinstimmen."
So der gemeinsame Brief der sechs Labels. Nettwerk-Präsident Ric Arboit geht noch einen Schritt weiter: Die CRIA vertrete die Interessen einiger multinationaler Labels, nicht die kanadischen. Nettwerk machte vor kurzem von sich reden, als sie die Prozesskosten einer verklagten Filesharerin komplett übernahmen und sich gegen die Kriminalisierungskampagnen der Dachverbände einsetzten.
Zweifelhafte Lobbypolitik tat ein weiteres: die ehemalige kanadische Kultusministerin Sarmite Bulte ließ sich großzügig vor dem Wahlkampf von der CRIA finanziell unterstützen, scherte sich wenig um die Wirkung auf die musikliebende Wählerschaft, deren Vertreter sie gelegentlich auch als "Pro-User-Fanatiker" beschimpfte - und wurde daraufhin prompt abgewählt.
Für Missstimmung sorgte auch CRIA-Chef Henderson, der kürzlich die Abschaffung der Leermedienabgaben forderte, da diese eine Legitimation des Musiktauschs im Netz darstelle. Die Leermedienabgabe ist eine wichtige Einnahmequelle der kanadischen Musiker, die selbst die getrost als überhöht veranschlagten Verluste durch Verkaufsrückgänge der letzten Jahre übertrifft.
Die CRIA steht damit vor massiven Problemen. Während sie bereits die Musikfans und die wählende Bevölkerung gegen sich aufgebracht hat, verlor sie - im Rahmen ganz normaler Wahlen - Unterstützung in den Regierungsgremien und wird nun ausgerechnet auch noch von den Akteuren verlassen, deren Interessen sie vorgibt zu vertreten: den kanadischen Plattenfirmen.
Dass ihre Strategie mit den Realitäten nichts mehr zu tun hat, hätte sie an sich schon längst ahnen können. Denn dass sie ihre besten Kunden kriminalisiert, ergab eine Studie, die sie selbst in Auftrag gegeben hatte - im März diesen Jahres.
| 4 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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logopedu am 19.04.2006 19:49:57: |
pinguinblut1 am 20.04.2006 00:19:46: |
am 20.04.2006 01:37:26: |