Bald können die Macher von Valkaama mit Fug und Recht behaupten, einen der ersten Kinostreifen komplett auf Open Source Basis erstellt zu haben. Damit man sich über den aktuellen Stand der Dinge ein Urteil bilden kann, kann, darf und soll der Film auf die heimische Festplatte heruntergeladen werden. Die Untertitel in drei Sprachen stehen dort ebenfalls zur Verfügung.
Auch die Ansprüche an die Definition quelloffen wurden hier sehr hoch gesteckt. So gilt ein Film nur dann als quelloffen, wenn jeder das Werk verändern, studieren, kopieren und weitergeben kann. Dies betrifft auch sämtliche Materialen, aus denen der Film entstanden ist. Alles muss zudem mit Open-Source-Software editierbar sein. Oder es muss möglich sein, dass man das Material in ein Format konvertiert, dass mit Open-Source-Software funktioniert. Theoretisch müsste jeder Fan den fertigen Film aus dem veröffentlichten Material komplett wiederherstellen oder einen Remix daraus erstellen können.
Valkaama wurde bislang noch als Beta deklariert. Analog zur (Open Source) Softwareentwicklung sind dabei noch immer kleine Verbesserungen möglich. So arbeitet das Produktionsteam momentan an der musikalischen Untermalung. Parallel dazu entstehen derzeit noch zwei weitere Soundtracks für den Film. Einen Vorgeschmack auf den Soundtrack einiger ausgewählter Szenen gibt es auf YouTube auf die Augen und Ohren. Bis zum Abschluss aller Arbeiten dürften nur noch wenige Monate vergehen. Dann zeigt sich erstmals, was diese Produktionsstrategie unterm Strich zu bieten hat.
Wird dieses Experiment Schule machen? Kann man mit einem Team bestehend aus Hobbytechnikern und Freizeitregisseuren ein anspruchsvolles Werk erstellen? Man wird sehen...
Tim Baumann sagte auf der re:publica'09, Open Source sei definitiv keine Option für Hollywood. Entweder man produziert mit den herkömmlichen Methoden einen abendfüllenden Blockbuster. Oder aber man verlegt sich auf preisgünstige Methoden, wo sehr viel eher die Gewinnschwelle erreicht wird. So etwa beim überaus erfolgreichen Horrorstreifen "Blair Witch Project", der mit den einfachsten Mitteln realisiert wurde. Das Interesse der Filmfans sollte man nutzen, anstatt die unkontrollierte Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Werken zu bekämpfen, so Baumann weiter. Teil der neuen Strategie ist es natürlich auch, dass man das Endprodukt verschenkt und weitestgehend die Kontrolle über den Werdegang des Produkts an alle Beteiligten des Projektes abgibt. Neben den regulären kommerziellen Kinofilmen wird es vor allem im Kurzfilmbereich immer mehr freie Filme geben. Das Internet könnte also den Independentsektor maßgeblich verändern.
Auch der Elektrische Reporter hat sich bereits vor ein paar Monaten mit dem Thema "Kollektives Kino" beschäftigt! Die Interviews mit den Machern von "A Swarm of Angles" und "Wreck a Movie" zeigen, wie man im Idealfall aus Coach-Potatoes aktive Kinogänger machen kann.
Für Hollywood ist das freilich alles viel zu revolutionär und die Gewinnaussichten viel zu diffus. Noch ist die Zeit dafür nicht reif, vielleicht später ...
(Ghandy)
| 8 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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dervolki am 26.06.2009 07:40:02: |
tnjes am 26.06.2009 16:18:48: |
Jayday am 27.06.2009 11:10:53: |