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16. August 2005

USA christliche Fundamentalisten gegen .xxx - Domain

Widerstand gegen die Porno-TLD wächst

Nachdem die ICANN noch für dieses Jahr den Start der Porno-TLD .xxx angekündigt hat, wächst der Widerstand unter den üblichen Verdächtigen, wenn es um entsprechend freizügige Angebote im Netz geht. Die Bush-Regierung in den USA will sich nach Protesten ihrer christlich-fundamentalistischen Klientel ihre Zustimmung zur Einrichtung der Pornodomain nochmals überlegen.

Der Protest kommt, wie häufig in solchen Fällen, aus Kreisen, die von der Struktur des Internet offenbar nicht die geringste Ahnung haben: anders kann man sich die Begründungen nicht erklären, mit denen gegen die xxx - TLD vorgegangen wird. Über 6000 Briefe seien im Department of Commerce eingegangen, in denen sich die Schreiber kritisch zu den Auswirkungen von Pornografie auf Familien und Kinder äußerten. Das Family Research Center entblödete sich sogar, Statements wie "Pornographieanbietern werden sogar mehr Möglichkeiten verschafft, unsere Heime, Bibliotheken und unsere Gesellschaft mit Pornografie über die .XXX - Domain zu überfluten" abzugeben.

Kritik kam auch auf UN-Treffen auf: vor allem die Werte von Entwicklungsländern seien bei der Einführung einer .xxx - Domain nicht berücksichtigt worden. Pornografie greife "...tief in viele Wertvorstellungen in vielen Ländern ein", zitiert c|net den brasilianischen UNO-Vertreter. Auch die ICANN landete in der Kritik: man solle einem nicht demokratisch gewählten Gremium von Technikern nicht die Macht dazu einräumen, über das Für und Wider der Einrichtung einer Pornodomain zu befinden. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob man diese Entscheidung christlichen Fundamentalisten mit einem erstaunlichen Mangel an technischem Wissen überlassen sollte.

Indessen sind die Einwände vollkommen unsinnig. Im Netz ist Pornografie verfügbar, die .xxx - Domain hin oder her. Mit der Einführung der neuen TLD ergeben sich allenfalls bessere Sperr- und Filtermöglichkeiten sowohl in Staaten, die landesweit ihre Netzuser gängeln wie auch für Hersteller lokal auf dem Rechner zu installierender Filtersoftware.

Von dieser Warte aus betrachtet, ergeben sich wiederum durchaus gute Gründe, gegen die Einführung der .xxx - Domain zu sein. Solange die Verwendung der Porno-TLD für Webmaster nicht obligatorisch wird, ändert sie am Status Quo im Netz tendenziell wenig: damit ist jedoch nicht zu rechnen. Vielmehr kann man davon ausgehen, dass zahlreiche Staaten das Hosting entsprechender Inhalte nur noch unter der passenden TLD zulassen - welche erwartungsgemäß von zahlreichen Suchmaschinen in zahlreichen Ländern aus den bekannten Jugendschutzgründen nicht mehr indexiert bzw. ausgegeben werden.

Zielsetzung der .xxx - Gegner ist damit klar: es geht nicht darum, das Kind vor dem zufälligen Stolpern über pornografische Inhalte zu bewahren, wenn es im Netz ihren Bibelstudien nachgeht, wie das bekanntermassen jeder geistig gesunde Teenager selbstverständlich und regelmäßig tut. Ziel ist allein, der gesamten Bevölkerung dieselben prüden und verklemmten Moralvorstellungen aufzuzwingen, die man selbst für angemessen hält. Dass es Ermessen des Users ist, welche Seiten er ansurft und dass es jedem Fundi überlassen bleibt, jegliche Googlesuche mit Zusatzparameter -xxx auszuführen, damit das empfindliche Christenherz nicht beunruhigt wird, ignoriert man getrost.

.xxx ist damit allenfalls ein Schritt hin zur besseren Filter- und Zensierbarkeit des Internet. Und es gibt durchaus Gründe, weshalb man gegen die Pornodomain sein könnte. Indessen tritt bei der christlich-konservativen Rechten der altbekannte Effekt ein: wenn man mal zufällig gegen die richtigen Dinge ist, dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus den völlig falschen Gründen. Die Pornografie im Netz könnte dagegen neben ihren segensreichen Auswirkungen um das steigende Bewußtsein für Privatsphäre und Datenschutz in Zukunft durchaus auch ihren Teil zum Kampf für die Redefreiheit leisten.

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