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06. November 2007
USA Überwachen von eMail-Inhalten ohne gerichtliche Anordnung?In einem Verfahren vor dem Berufungsgericht in Cincinnati argumentiert die Staatsanwaltschaft dahingehend, dass eine Überwachung von eMail-Briefwechseln auch ohne gerichtliche Anordnung möglich und rechtens wäre. Die Begründung: Ähnlich, wie man keine "Privatheit" von Äußerungen erwarten könne, die man mit dem Megaphon auf die Straße ruft, könne dies bei eMail der Fall sein. Die Argumentation könnte ein Präzedenzfall sein, nach dem sämtlicher Mailverkehr in den USA nicht mehr als "privat" gilt und vom Vierten Verfassungszusatz nicht mehr geschützt ist. Der erste Präzedenzfall zum Thema ereignete sich 1963: der Supreme Court entschied damals, dass nicht Orte, sondern Menschen vor unberechtigtem Abhören oder Durchsuchungen geschützt werden. Ob sich jemand in einem privaten Raum mitteilt, wurde damals an zwei Kriterien festgemacht: zum einen muss der Betroffene der Ansicht sein, er handle im Privaten, dazu muss für Außenstehende diese angenommene Privatheit nachvollziehbar sein. Und genau das ist die Das belegt in den Augen der Anklage, dass kaum jemand tatsächlich "Privatheits-Ansprüche" an seine Mailboxen stellt - schließlich gestattet er ja dem Provider oder dem Arbeitgeber, gegebenenfalls die Mails einzusehen. Und auch die Aufgabe mancher Mailaccounts wird als Einverständnis zur Quasi-Öffentlichkeit der Mailkommunikation gewertet - wer ein Postfach aufgebe, könne ja nicht erwarten, dass die dort gespeicherten Inhalte zu seinem persönlichen Privatbereich gehören. Das schlimme: im Prinzip trifft die Argumentation zu. Eine unverschlüsselte Email gleicht einer Postkarte, die an jeder Stelle zwischen Sender und Empfänger gelesen werden kann. Mit dieser Begründung wäre sämtlicher Mailverkehr durch staatliche Stellen abhörbar - legal, ohne richterliche oder staatsanwaltschaftliche Anordnung. Ebenso wenig, wie man die Privatheit einer Megaphon-Rede auf dem Marktplatz geltend machen könne, sei das für Emails möglich. Prinzipiell ist für Ermittler und Strafverfolger die Einsichtnahme in Mailboxen rechtlich möglich - man braucht bei begründetem Verdacht eben eine richterliche Anordnung. Nun wird offenbar versucht, eine völlige Befreiung von diesen rechtsstaatlichen Auflagen zu schaffen - jederzeit könnte so ein Ermittler Maildaten von ISPs anfordern - ohne Gerichtsbeschluss, ohne staatsanwaltschaftliche Anordnung, ohne Verdacht. Trackbacks
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