Mit bald 165 Kameras gehört die Stadt zu den am dichtesten überwachten Orten in den USA. Selbst in absoluten Zahlen hängen hier mehr öffentliche Kameras als in Großstädten wie Bosten oder San Francisco. Kontrolliert werden die Aufnahmen von den Mitgliedern einer Koalition aus Freiwilligen.
Rechtliche Regelungen darüber, was diese engagierten Bürger dürfen und nicht dürfen, gibt es keine. Vorbereitet auf ihren Einsatz werden sie bisher nur mit einem "informellen" Training. Dabei entscheiden sie darüber, ob ein Passant auffälliges Verhalten zeigt - und schicken entsprechend die Polizei zum vermeintlichen Tatort.
"Vor einigen Jahren hätten wir das auf keinen Fall tun können", sagt Keith Sadler, der Polizeichef des kleinen Städtchens. "Da kommen Gedanken auf an Big Brother, George Orwell und '1984'. Es ist einfach lustig, wie die Amerikaner in diesen Dingen lockerer geworden sind."
Die scheinen sich in der Tat kaum an der beinahe lückenlosen Überwachung ihres Wohnortes zu stören. Das sagt zumindest Scott Martin, Landrat in Lancaster County. "Weil sich die Menschen sicherer fühlen. Diejenigen, die gesetzestreue Bürger sind, brauchen sich nicht zu sorgen."
So sollte es zumindest sein. Im letzten Jahr hat die Bürgergruppe mehr als 300 Aufnahmen an Dritte übergeben. Allerdings ausschließlich an Polizei, Staatsanwaltschaft und Anwälte der Verteidigung, heißt es. Alle anderen Antragsteller würden abgelehnt. "Der Scheidungsanwalt, der ein Video haben will, dass den Ehemann zeigt, wie er mit seiner Geliebten eine Bar verlässt - das werden wir nicht machen", sagt Joseph Morales, Stadtrat und Geschäftsführer der Bürgerkoalition.
Das jemandem, der mit einer Bierflasche im Stadtpark sitzt, eine Strafe aufgebrummt wird, finden die Genannten allerdings völlig richtig. Schließlich hilft die Überwachung nur bei der Durchsetzung des Gesetzes. Einwände von Bürgerrechtlern werden zwar nicht einfach vom Tisch gewischt - auch Morales hat Sorgen, Mitglieder der Gruppe könnten die Kameras zum Spannen und Ausspionieren von Nachbarn helfen. Ein Grund, auf die Freiwilligen zu verzichten, ist das aber nicht.
Zumal es ja immer noch Menschen wie Jack Bauer gibt. Der Besitzer des größten Getränkehandels am Ort findet die Überwachung "eine großartige Sache". Schließlich wurde sein Geschäft seit der Installation der Kameras nicht mehr ausgeraubt.
"Es ist nichts falsch daran, Angst einzuflößen", sagt er. (Simon Columbus)
via Techdirt, thx!
Photo cc-by-sa von James Nash auf flickr, thx!
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joinbug am 23.06.2009 19:37:28: |
cestlavie am 24.06.2009 05:40:16: |
wolfkid am 24.06.2009 05:56:15: |