gulli: US-Militärhacker: Interviews mit BBC und Guardian
25. Juli 2005

US-Militärhacker Interviews mit BBC und Guardian

Geschichten von zuviel Dope und geheimen US-Raumschiffen

Der Brite Gary McKinnon, der wegen über Jahre verübte Einbrüche in amerikanische Militärnetze von der Auslieferung bedroht ist, geht nach seinem ersten Gespräch mit ZDnet nun verstärkt an die Öffentlichkeit: Der Guardian druckte ein Interview, die BBC strahlte gar eines aus und stellt den Audiostream im Netz für begrenzte Zeit zur Verfügung, und auch der schottische Sunday Herald sprach mit dem Verursacher des "größten Militärhacks der Geschichte".

Wie sich bereits im ersten Interview andeutet, scheint McKinnon seine Hoffnung darin zu sehen, dass er von den britischen Gerichten als weitgehend harmlos betrachtet wird, was seine Chancen, der Auslieferung und drohenden 70 Jahren Haft in den USA zu entgehen, eventuell steigern könnte. Neben einigem Understatement, was seine Hackerfähigkeiten angeht - die Einbrüche seien wegen fehlender oder schlechter Passwortsicherung vieler Netze mehr als einfach gewesen - erweckt er vor allem den Eindruck, er habe keine Möglichkeit gehabt, an wirklich sensible oder glaubwürdige Daten zu kommen. Und auch die Misstrauen erweckenden Berichte von geheimen Unterlagen über Alien-Kontakte und US-Raumschiffe scheint McKinnon so darzustellen, dass es ein leichtes wäre, ihn als harmlosen Spinner abzutun - wenn man das denn will.

Das spannendste, was er gefunden haben will, sei eine "Liste extraterrestrischer Offiziere" gewesen - eine Bezeichnung, aus der er zwar nicht die Existenz von Aliens, jedoch einer mit Menschen bemannten, geheimen Raumstation oder einem solchen Raumfahrzeug ableiten will. Schiffsnamen, welche in diesem Kontext zu finden waren, hätten auf keinen Listen der Navy gestanden, was ihm als Indiz für die Existenz eines solchen Geheimprogramms reicht. Indessen könne er sich nicht an einen einzigen der Namen erinnern, um eine Überprüfung zu ermöglichen: "Ich kann mich nicht erinnern, Ich hab sehr viel Dope während dieser Zeit geraucht - nicht gut für den Intellekt", so McKinnon.

Indessen verstrickt er sich weiter in Widersprüche - seinen Angaben zufolge sei er in den seltensten Fällen alleine auf den Rechnern gewesen. Hacker "...aus Dänemark, Italien, Thailand, Deutschland und der Türkei" seien auf den Rechnern eingeloggt gewesen, auf denen er sich bewegte - über Jahre hinweg praktisch jede Nacht. Wobei sich natürlich die Frage stellt, weshalb niemand ähnliche Beobachtungen wie McKinnon machte und entsprechende Informationen auf den einschlägigen Seiten veröffentlicht.

Der Eindruck verstärkt sich, dass McKinnon vor allem naiv und harmlos wirken will, selbst seine Verhaftung sei Ergebnis von Selbstüberschätzung und Achtlosigkeit gewesen - er habe begonnen, per Messenger Kontakt zu den Usern der von ihm gehackten Rechner aufzunehmen, letzte Spur zu ihm sei dann eine echte Mailadresse gewesen, die er zum Download eines Hackingtools angegeben hatte. Er habe im Folgenden gar versucht, die US-Behörden mit seinem Wissen über extraterrestrische Offiziere zu erpressen - obgleich er jetzt einsehe, dass er praktisch keine handfesten Informationen in der Hand hatte. Alles in allem sei sein Vorgehen von erstaunlicher Naivität gewesen - man sehe ihn als "kompletten Idioten". Was er dagegen sicher nicht sei: ein gefährlicher Hacker und Geheimnisträger, der für 70 Jahre hinter die Gitter eines US-Knasts gehört, um die Welt vor ihm zu schützen.

McKinnon zeichnet ein recht deprimierendes Bild über die Jahre, in denen er in den Militär-, Nasa- und DARPA-Rechnern unterwegs war - von Beziehungsstress, Drogen und geradezu süchtigmachender Hackaktivitäten geprägt, die er indessen als extrem leicht verübbar beschreibt. "Die Jungs sind doch vermutlich die stärkste Supermacht der Welt, aber sie haben leere Passwörter.Es war einfach verrückt. Es war, wie wenn man einen Flugzeughangar sah, voller seltsamer Flugmaschinen, die Türen auf, keine Wachen, und man kann einfach hineinspazieren". Und so gesehen, wer hätte das dann nicht getan?

Für McKinnon wurde inzwischen das Free Gary - Blog ins Leben gerufen.

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