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08. Mai 2007

US-Kriegspropaganda auf YouTube Protest aus den Blogs

Auf Unmut stieß die Einrichtung eines YouTube-Kanals für die "Multi-National Force - Iraq", eine dem US-Militär unterstellte Plattform mit Informationen von den Truppen im Irak. Von Boykott wird gesprochen, zum massenhaften Melden der Videos aufgerufen - aber ist Youtube wirklich eine Propagandaplattform, und wenn ja, für wen noch?

Eine objektive Sicht der Dinge ist von dem YouTube-Kanal definitiv nicht zu erwarten. Kampfhandlungen, "interessantes" Filmmaterial, Kooperation der Truppen mit den irakischen Streitkräften im "Kampf gegen den Terror" - und ausgeblendet bleiben vulgäre, sexuelle oder verstörende Inhalte, ebenso wenig sollen Truppen oder Bürger in irgend einer Form herabgewürdigt werden.

Auf einem offiziellen Kanal der Operation Iraqi Freedom dürfte man auch nichts anderes erwarten - immerhin, die massiven Beschränkungen für externer Link in neuem Fenster folgtBlogger und Mailschreiber von der Front seien externer Link in neuem Fenster folgtweitgehend zurückgenommen worden. Womit neben MNFIRAQ eine Reihe weiterer Quellen von der Front berichten dürften.

In der Blogosphäre wird nun Kritik laut: Basic Thinking externer Link in neuem Fenster folgtentsagt Youtube, und auch zum Melden der Propagandafilmchen als "inappropriate" externer Link in neuem Fenster folgtwird aufgerufen.

Was etwas seltsam scheint: YouTube bietet allen Nutzern die Möglichkeit, gratis Videos zu hosten, es wäre seltsam, wenn ausgerechnet das Pentagon nicht dazu berechtigt sein sollte. YouTube kann auch nicht vorgeworfen werden, hier einseitig zu fahren: mit den externer Link in neuem Fenster folgtentsprechenden Keywords finden sich durchaus auch die Videos der Gegner. Alter und Kommentare lassen darauf schließen, dass kein allzu restriktives Löschregime herrscht.

Wobei Seiten wie die Global Islamic Media Front GIMF überwiegend bei 1Click-Filehostern die Videos hochlädt - auch wenn gegen sie natürlich externer Link in neuem Fenster folgtmassiv Stimmung gemacht wird. Im Endeffekt haben jedoch alle Kriegsparteien zahlreiche Plattformen, auf denen sie sich äußern können.

Der Boykott- und Meldeaufruf anlässlich der YouTube-Videos gibt aber einen möglichen Ausblick auf mediale Auseinandersetzungen der Zukunft. Die zentralisierte Zensur im Netz hat bislang noch nie wirklich funktioniert: spätestens aus den anonymisierenden P2P-Netzen sind entsprechende Inhalte nicht mehr gezielt zu entfernen, wenngleich auch schwer erreichbar. Die Masse der Nutzer, die hinter einer bestimmten Gruppe stehen, deren Medien verbreiten und gleichzeitig versuchen, die anderen zu unterbinden - beispielsweise mittels Lösch- und Sperraufforderungen - könnte in Zukunft eine wachsende Rolle spielen.

Der Beeinflussung der Massenmedien würde dementsprechend die Beeinflussung der eigenen Graswurzel-Anhängerschaft folgen, welche statt einer chancenlosen staatlichen Repression in breiter Fläche versucht, "feindliche" Inhalte möglichst schwer erreichbar zu machen. Aber ob eine solche Strategie in einem Medium wie dem Internet funktionieren kann, welches per se auf Pluralismus geeicht ist? Schwer vorstellbar.

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