|
14. Oktober 2008
Urheberrecht 2.0 Lawrence Lessig sieht erste Anzeichen für die Neugestaltung des UrheberrechtsLawrence Lessig ist seiner Zeit oft voraus. Der "Erfinder" der Creative Commons-Lizenz hat vor nicht allzu langer Zeit die Geschäftsführerschaft von CreativeCommons.org niedergelegt, um sich vermehrt politischen Aktivitäten zu widmen. In diesem Kontext erschien nun ein etwas längerer Aufsatz im "Wall Street Journal", der sich ausführlich mit den Unzulänglichkeiten des aktuellen Urheberrechts auseinandersetzt. Er ist nicht nur Jura-Professor an der Stanford University, sondern wird auch durch seine Reden und Schriften als einer der bedeutendsten Verfassungsrechtler angesehen. Er ist Gründer der Creative-Commons Initiative und schreibt seit mehreren Jahren eine monatliche Kolumne für "Wired". Lessig hat das Konzept einer "freien Kultur" entwickelt, unterstützt Freie Software sowie die Open-Source-Bewegung und ist Mitglied der Electronic Frontier Foundation. Als entschiedener Kritiker eines restriktiven Copyrights immaterieller Güter veröffentlichte er im Wall Street Journal nun einen ausführlichen Artikel über die Unverhältnismäßigkeit des internationalen und nationalen Urheberrechts. Er fordert, über folgende 5 Punkte grundlegend neu nachzudenken. Deregulate "the copy": Es erscheint Lessig also genauso sinnvoll, im digitalen Zeitalter Kopien zu regulieren, wie zum Beispiel das Atmen. Denn jedes Mal, wenn man sich ein Inhalt im Internet ansieht, hat man - rein technisch betrachtet - eine Kopie angefertigt. Der Fokus soll jedoch ganz von der Kopie als solche wegkommen, und sich eher mit der Nutzung beschäftigen. Die öffentliche Verbreitung wäre eine solche Nutzung, welche man wiederum unter Umständen regulieren könnte. Simplify: Als Urheberrechte nur Verwertungsgesellschaften etwas anging, war es egal, wie kompliziert und unverständlich das Urheberrecht sein mag. Da aber nun jeder private Nutzer des Internets mit dem Urheberrecht konfrontiert ist, muss ein einfaches, für jeden verständlichen Rechts her. Restore efficiency: Das aktuelle Urheberrecht sei ineffizient. Oft ist es lange unklar, wer Rechte an einem Objekt hat. Dies soll klarer werden. Decriminalize Gen-X: Der Kampf gegen den Tausch von Inhalten im digitalen Zeitalter ist und war falsch; er hat nichts gebracht: Kein Künstler hat dadurch mehr Geld erhalten, noch ist Filesharing zurückgegangen. Eine weitere Schwierigkeit im digitalen Zeitalter stellt die weltweite Verfügbarkeit dar: Wer etwas nach deutschen Recht ins Netz stellt, sollte doch eigentlich sicher sein, dass seine Inhalte in Afrika dieselben Urheberrechte genießen? Einige Denkanstöße, die den Gesetzgebern hoffentlich noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten werden. (-rbrueckner & 020200) (via WSJ) Verwandte News
Trackbacks
Recht hat der Mann! Muss man ganz einfach mal so feststellen, der Kampf gegen das Filesharing ist im Großen und Ganzen verloren, die Zahl der Erwischten ist verschwindend klein im Vergleich zu den Raubmordkopierern. Ob die Politik sich dessen annimmt, ist halt leider ehr unwahrscheinlich. Fomra am 14.10.2008 16:12
Ein, zwei Fehler ... Zitat: Simplify: Als Urheberrechte nur Verwertungsgesellschaften etwas angingen, war es egal, wie kompliziert und unverständlich das Urheberrecht sein mochte. Da aber nun jeder private Nutzer des Internets mit dem Urheberrecht konfrontiert ist, muss ein einfaches, für jeden verständliches Recht her. Mal davon abgesehen, daß die Übersetzung von der Form her falsch ist: Der engl. ... Schattenspieler am 16.10.2008 13:03
|