gulli: Ungewohnte Allianzen bei Copyrightregelung zu "verwaisten Werken"
30. März 2005

Ungewohnte Allianzen bei Copyrightregelung zu "verwaisten Werken"

Werke ohne bekannte Urheber sollen besser verfügbar werden

Während allerorten die Copyrightrichtlinien und die Gesetze "geistiges Eigentum" betreffend verschärft werden, hat das amerikanische Copyrightamt eine Initiative zur zukünftigen Handhabung sogenannter "verwaister Werke" ("Orphan Works") ins Leben gerufen, die in eine Regelung münden soll, wie Werke genutzt werden dürfen, deren Rechteinhaber nur schwierig oder nicht mehr auffindbar sind. Das Problem ist im Anwachsen begriffen: die Schutzfristen des Copyrights auf wurden auf zuletzt 70 Jahre ausgeweitet, bevor die Werke gemeinfrei werden. Dies hat dazu geführt, dass immer mehr Werke der letzten 70 Jahre im Prinzip noch durchs Copyright geschützt sind, jedoch niemand mehr ausfindig gemacht werden kann, von dem man die Verwendung des Materials lizenzieren lassen kann. Verschwundene oder Konkurs gegangene Musiklabels, tote oder verschollene Autoren und Künstler hinterlassen immer mehr Kulturgut, von dem nicht bekannt ist, ob noch Rechteinhaber am Leben sind und mit deren Publikation man ein unkalkulierbares Risiko eingeht.

Das Copyrightamt hat um die Zusendung der Ansichten verschiedener Interessensgruppen gebeten, welche nun veröffentlich wurden - einschlägige Bekannte wie Lawrence Lessig, der für Savethemusic und die Creative Commons eine Eingabe machte, findet sich ebenso Microsoft, die sich für eine freiere Handhabung des Umgangs mit verwaisten Werken stark machen. Zuspruch und Schilderung der sich aus der unbefriedigenden bisherigen Situation ergebende Probleme werden weiterhin von zahlreichen Universitätsbibliotheken bis hin zur amerikanischen Kongressbibliothek geäußert.

Nachdem seitens zahlreicher Initiativen wie Save Orphan Works bereits länger für eine entsprechende Neuregulierung gekämpft wurde, könnte nun ein Prozess auf den Weg gebracht werden, der zumindest bei Werken, die offensichtlich niemandem mehr "gehören", die Allgemeinheit wieder Zugriff bekommen könnte. In welcher Form dies geschieht, ist momentan natürlich offen - Lawrence Lessig schlug vor einiger Zeit den "Copyright-Dollar" vor, welcher 50 Jahre nach Veröffentlichung regelmäßig bezahlt werden müßte, wenn das Copyright bis zum Ende der Schutzfrist in Verbleib des Rechteinhabers bleiben sollte, andernfalls das Werk in den Allgemeinbesitz übergehen solle - ein wirksamer Schutz vor der "Verwaisung", die jedoch schon damals vielen nicht weit genug ging.

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