gulli: UK: Verkaufsverbot für Original CDs und DVDs

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04. September 2008

UK Verkaufsverbot für Original CDs und DVDs

Die englische Stadt Hull hat scheinbar begriffen, wie man die Piraterie unter Kontrolle bekommt. Man kontrolliert nicht einfach die Märkte in Hinblick auf die Verkäufer, die die illegal kopierte Ware als CDs und DVDs anbieten. Nein, man verbietet einfach grundsätzlich den Verkauf dieser Datenträger. Eine kuriose Idee, auf die noch nicht einmal die Rechteinhaber gekommen sind.

Die Aktion wirkt zunächst wie eine äußerst drastische Maßnahme von Rechteinhabern, um der Piraterie entgegenzuwirken. Dabei ist das Verkaufsverbot der Datenträger vielmehr der Schaltzentrale der Behörden entsprungen. Es ist in England genausowenig neuartig, wie in anderen Ländern auch, dass auf Märkten immer wieder Waren gehandelt werden, die keinesfalls Originalprodukte sind. Im Kampf gegen die illegalen Raubkopien griffen die Obersten des englischen Städtchens Hull nun zu einer außergewöhnlichen Maßnahme. Mit der Jagd auf einzelne Händler und ihre kopierten Produkte wollte man sich erst gar nicht befassen, weshalb man kurzerhand ein Verkaufsverbot für alle CDs und DVDs ausgesprochen hat. Ein Sprecher der Stadt äußerte sich bezüglich dieses harschen Vorgehens gegenüber der Yorkshire Post:

"Das Problem [mit illegalen Kopien] war allgegenwärtig und hatte einen Punkt erreicht, an dem wir endlich etwas dagegen tun mussten. Es gibt definitiv organisierte illegale Aktivitäten hier und diese wird die Stadtverwaltung nicht akzeptieren." Zur Durchsetzung des Verbots fährt man gegenwärtig eine enorme Präsenz durch Polizeibeamte und Beamte der Stadtverwaltung auf. Diese prüfen den Markt haargenau auf etwaige Verstöße gegen das Verkaufsverbot. Einer der Händler am Markt ist - beziehungsweise war - Michael Young, der nun auch der sinnfreien Anordnung unterliegt, da er dort ausschließlich CDs und DVDs anbot. "Es sollte eine System geben, welches den Händlern ermöglicht Original-Ware bei CDs und DVDs zu verkaufen. Ich komme seit einigen Jahren hierher und verkaufe gebrauchte Originale. Ich habe mich damit selbstständig gemacht und mein eigenes Geschäft eröffnet, aber jetzt wird es mir wieder genommen." Existenzbedrohung also ausnahmsweise nicht wie stets gepredigt durch böse Raubmordkopierer, sondern durch Behörden.

Verkaufsverbot, Großbritannien, CDs, DVDsWo aber bitte treten jetzt die Rechteinhaber in Erscheinung, um den Händlern unter die Arme zu greifen? Die Stadtverwaltung versucht inzwischen einzulenken, nicht aber wegen der massiven Beschwerden über das pauschale Verkaufsverbot. Angeblich sollen die Händler ihren Betrieb binnen der kommenden Woche wieder aufnehmen dürfen. Und zwar nur diejenigen Anbieter, die dies bereits längerfristig getan haben. Begründet wird das Verbot übrigens damit, dass man keine Kapazitäten habe, um die CDs und DVDs auf ihre Originalität hin zu überprüfen. Ob eine CD authentisch ist oder nicht, kann (bis auf Einzelfälle) fast jedes Kind in kürzester Zeit feststellen. Komischerweise hatte die Gemeinde demhingegen keine Probleme damit, genügend Beamte zur Verfügung zu stellen, die die Händler überwacht haben, ob sich diese auch ja brav an das Verkaufsverbot gehalten haben. Kann man verstehen, muss man aber nicht. (Firebird77)

(via torrentfreak, thx!) (Bildquelle: forclosure.com Blog, thx!)

  • Es wird echt immer immer lächerlicher. Erst soll man nur das Original kaufen, dann wird der Verkauf verboten und man hat nix oder wie? Importieren!? Ist sicher nur so ein kleines Städtchen...

  • Ich hab da aber irgendwie verständnis für Klar ist das scheiße für die Verkäufer, die sind nu ihren Job los, aber so kann man der Plattenindustrie kräftig in den Arsch treten

    nitramf4 am 05.09.2008 09:50
  • Ich glaube kaum, das die Beamten zu blöd sind eine gebrannte Scheibe zu erkennen, jedoch eine schwarz gepresste, professionel gelabelte erkennt man nicht eben mal einfach so im vorbeigehen. Wie sollen die bitteschön mal eben im vorbeigehen ein paar hundert Datenträger kontrollieren ? Das ist wie mit gefakten Turnschuhen aus China. Früher hat man die an der Kleber verbabschten Sohle und am Plastikpseudoleder erkannt. Heute haben da schon ...

    HirschCola am 05.09.2008 09:54
  • Auf der einen Seite wird die Konsumlust angestachelt und dann ist auch noch Geiz geil. Auf der anderen Seite regt man sich dann aber darüber auf, wenn sich die Leute ihr verdientes Geld lieber sparen und billige(re) Kopien kaufen, die aber auch funktionieren. Tja, wo liegt da wohl der Fehler im System …

    Schattenspieler am 05.09.2008 10:06
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