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11. August 2005

Über die erfreulichen Folgen der Pornografie

Online-Sexcontent stärkt nicht nur den Datenschutz

Dass Pornos durchaus angenehme Wirkungen erzielen können, liegt nicht nur für ihre Konsumenten häufig auf der Hand. Ganze Bereiche der technischen Entwicklung verdanken ihre Verbreitung den diversen erotischen Inhalten, durch die sie erst zum Mainstream wurden. Mit Pornografie wurden Heimprojektoren und Videorecorder groß, am Erfolg von VHS gegen Betamax soll die Pornoindustrie nicht ganz unbeteiligt gewesen sein, die früh auf VHS setzte, und auch im Netz setzten sich erst mit der Sexindustrie flächendeckend neue Geschäftsmodelle wie Online-Bezahldienste durch.
Für die überaus positiven Auswirkungen der Pornografie auf Privatsphäre und Datenschutz darf sich nun das Schmuddelkind der Medien ebenfalls auf die Schulter klopfen, so der Tenor eines Artikels von Annalee Newitz, ihres Zeichens unter anderem Pressechefin der EFF. Erfreulicherweise findet dieser auch im deutschsprachigen Raum unerwartet große Resonanz: in Zeiten, wo man von Onlinepornografie allenfalls noch im Kontext von Jugendschutz und Suchmaschinenzensur diskutiert, eine durchaus positive Überraschung.

Es liege in der Natur der Sache, dass die Kundschaft der einschlägigen Erotika an der Wahrung ihrer Privatsphäre besonders interessiert ist, und selbst die lautstärksten Vertreter der "Ich hab doch nichts zu verbergen" - Rufer sind meist doch interessiert daran, dass es allein ihre Sache bleibt, zu welcher medialen Untermalung sie gelegentlich Hand an sich legen. Nach Newitz ist nun zu erwarten, dass der Adultbereich neben den Videotheken und der neutralen Postverpackung in Bälde auch der Anonymität und der Wahrung von Privatsphäre im Netz zum Durchbruch verhelfen könnte.

Wer Pornos konsumiert, ist immer weniger darauf angewiesen, dafür das Haus zu verlassen und seine Wünsche gegenüber Dritten zu äußern. Gerade das Netz ist prädestiniert als Distributionsmedium. Allein, im Netz ist man meist nicht sonderlich anonym unterwegs, der Surfer hinterläßt Datenspuren sowohl auf dem eigenen Rechner wie auch auf den besuchten Seiten und bei seinem ISP. Tools, die zum anonymen Surfen verhelfen, sagt Newitz einen Boom voraus: ausgelöst, wie viele andere Innovationen auch, durch die Erotikbranche und ihre Kundschaft.

Als konkretes Beispiel nennt sie Tor, das von der EFF entwickelte Tool zum anonymen Websurfen. Bisher noch wenig verbreitet, glaubt Newitz, dass sich die Nutzung der Anonymisierungstools vor allem über den Pornokonsum im Netz verstärken wird.

Die Folgen? Auch für User, die aus schwerwiegenderen Gründen um ihre Anonymität besorgt sind, wird eine Technologie zur Verfügung stehen, die ihre Anonymität schützt. Anonymisierungsnetzwerke tendieren mit steigender Größe zum besseren Funktionieren. Und auch die soziale Akzeptanz dürfte sich angesichts der breiteren Nutzerschar durchaus erhöhen. Die anonyme Netznutzung wird aktuell allzuoft als Problem thematisiert: allenfalls wegen politischer Aktivisten und Dissidenten findet sie positive Erwähnung. Und auch die Entwicklung in Deutschland entmutigt bisweilen.

Genau in die entgegengesetzte Richtung geht beispielsweise die Suchmaschine Seekport. Seekport rühmt sich als Vorreiter des Jugendschutzes unter den Suchmaschinenanbietern: mit der geplanten Technik will Seekport die Suche nach erotischen Inhalten erst nach Eingabe von Geburtsdatum, Mailadresse und Personalausweisnummer ermöglichen. Die Adult Webmaster News zitieren dazu den KjM-Vorsitzenden Ring mit den Worten, Seekport zeige, dass technische Jugendschutzmaßnahmen auch bei Suchmaschinen möglich seien und Seekports Entwicklung Modellcharakter für andere Suchmaschinen hätten. Ironischerweise ist die zugrundeliegende "Vertical-Search-Funktion" Seekports indessen zum Patent angemeldet.

Jedoch dürfte sich die Frage stellen, ob eine Klientel bereit zur Preisgabe der persönlichen Daten bereit ist, wenn sie nach erotischen Inhalten suchen will: denn die entsprechenden Seiten vertreiben ihren Content in der Regel ebenfalls erst nach entsprechenden Überprüfung der Identität des potentiellen Kunden. Eine um ihre Anonymität bedachte Usergruppe dann bereits bei der Suche zum Offenlegen ihrer persönlichen Daten zu zwingen, scheint eine wenig erfolgversprechende Strategie. Mit ihrem Geschäftsmodell dürften Seekport entsprechend auf die Nase fallen: aber immerhin, im momentanen Jugendschutzwahn konnten sie sich durchaus profilieren.

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