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26. Oktober 2007

TV-Serie C.S.I. und Taxi-Innung kriegen österreichische Big Brother Awards

In sechs Kategorien wurden gestern die österreichischen Negativpreise für Datenkraken vergeben. quintessenz, der Verein für Internet-Benutzer Österreich vibe.at und die Linux User Group Austria verliehen die Auszeichnungen an die Wiener Taxi-Innung, Das European Telecommunications Standards Institute (ETSI), C.S.I.-Drehbuchschreiber Anthoy E. Zuiker und Kronen Zeitung-Herausgeber Hans Dichand geehrt. In der Politik setzte sich überraschend Unterrichtsministerin Claudia Schmied gegen Innenminister Platter durch, welcher jedoch den Publikumspreis gewann.

Am bemerkenswertesten ist wahrscheinlich die Vergabe des Preises in der Kategorie "Kommunikation und Marketing" an Anthoy E. Zuiker. Der Autor von Drehbüchern der Serie "C.S.I." bekam den Preis für seine "Aushebelung von Bürgerrechten als Unterhaltungsprogramm": in C.S.I. werden mit völliger Selbstverständlichkeit Maßnahmen wie Rasterfahndung oder DNA-Analysen verwendet und als clever und innovativ dargestellt. Die Bürgerrechte, die von den Ermittlern missachtet werden, spielen dabei in der Regel keine Rolle.

Die Wiener Taxi-Innung führte Videoüberwachung in den Fahrzeugen ein, deren Aufnahmen zwar nach 48 Stunden gelöscht werden sollen, eine Garantie gebe es dafür jedoch nicht. Dafür gab es den "Business und Finanzen"-Preis.  In der Kategorie "Behörden und Verwaltung" ging der Preis an die europäische Standardisierungsorganisation ETSI für ihre Arbeit zur "Lawful Interception". ETSI entwickelte dabei Schnittstellen für TK-Überwachung durch Polizei und Geheimdienste. Darüber hinaus leistet ETSI Vorarbeiten zur geplanten EU-weiten Vorratsdatenspeicherung.

Das Bild-Äquivalent "Kronen Zeitung" erhielt den "Lebenslanges Ärgernis"-Preis, da es "dem Herausgeber nicht genehme Personen des öffentlichen Lebens [...] denunziert, bloßgestellt oder 'unabsichtlich' ihre volle Adresse und Telefonnummer veröffentlicht. Was sich nicht direkt über die Redaktion erledigen ließ, das besorgten die Leserbrief-Schreiber des Blatts".

Der Publikumspreis ging erwartungsgemäß an Innenminister Günther Platter. Unterrichtsministerin Claudia Schmied erhielt überraschend den Politik-Preis für ihr Beharren auf der Sozialversicherungsnummer als hauptsächliche Kennzahl der Statistik in Österreich, anstatt sich für datenschutzfreundlichere Lösungen einzusetzen.

Tatsächlich geehrt wurde zu guter Letzt Karl Korinek, Präsident des Verfassungsgerichtshofes für seine Statements zum überbordenden Sicherheitswahn. "Ich habe manchmal den Eindruck, wir werden ähnlich stark überwacht wie seinerzeit die DDR-Bürger von der Stasi", kommentierte Korinek die angebliche "Terrorbekämpfung".

Die Big Brother Awards werden jährlich in einer wachsenden Zahl von Ländern vergeben. "Gewehrt" werden Preisträger, die sich in besonderem Maß gegen Datenschutz, für den Abbau von Privatsphäre und Bürgerrechte und die zunehmende Überwachung aller Lebensbereiche einsetzen. Die deutschen Big Brother Awards wurden ebenfalls diesen Oktober externer Link in neuem Fenster folgtvergeben.

  • 11 Kommentare zum Artikel
  • Ich meine das ist ja nicht nur bei CSI so, ich erinnere mich noch z.B. an die öffentliche Guantanamo-Häftlinge Terroristmus & Folter Debatte. Paralell dazu wurde unterhaltend kombiniert mit emotionallen dramatischen Situationen in der Sendung "24 Hour" (RTL2) die Folter an Terroristen und sowie den eigenen Kollegen buchstäblich legimitiert! Vielleicht kennt ihr auch "Freunde - Das Leben geht weiter" ...

    watiano am 27.10.2007 20:48
  • Watiano, du hast natürlich völlig recht, die Medien mögen die Ursache für diese Lage sein, aber das ist in meinen Augen völlig egal. Es spielt lediglich eine Rolle, dass sich, was ich wie ich schrieb nicht ganz glauben kann, die Menschen von so etwas überzeugen lassen. Mir jedenfalls wurde als ich noch ein kleines Kind war beigebracht, nicht zu glauben oder ernst zu nehmen, was so alles im Fernsehen kommt. Es sei ja alles "nicht ...

    user1220 am 28.10.2007 00:30
  • @user1220 Ich stimme Dir in den Punkt überein... aber fassen wir die Realität doch ins Auge, heute ist das Fernsehen (mal von der Bildzeitung ganz zu schweigen;-) das erfolgreichste Medium, um Menschen und ganze Nationen zu manipulieren, Ideale zu erschaffen, Meinungen zu bilden und die Menschen zu weltanschaulichen Dummköpfen zu erziehen. Welchen großen Einfluss das Fernsehen auf unsere heutige Kultur hat, wird am leichtesten deutlich, wenn ...

    watiano am 28.10.2007 02:00
  • Zitat: Zitat von watiano Die Fernsehgeräte haben mit dem Verlauf des 20.Jahrhunderts die kirchlichen Altäre abgelöst Amen.

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