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28. März 2008

Torrentspy, R.I.P.

Nicht wegen gerichtlicher Anordnung, sondern auf eigene Entscheidung hat das TorrentSpy-Team den Stecker gezogen. Eine der größten Torrent-Suchmaschinen weltweit stellt damit den Betrieb ein. Der Grund: der Schutz der User könne im zunehmend feindlichen Rechtsumfeld nicht mehr gewährleistet werden. Trotz Hilfe der EFF, trotz erbittertem Widerstand und nicht zuletzt trotz der Absurdität der rechtlichen Auflagen, die TorrentSpy erfüllen sollte, musste die Suchmaschine die Pforten schließen.

Gegen TorrentSpy hatte insbesondere der Verband der US-Filmindustrie MPAA Druck gemacht. Warum ausgerechnet eine Suchmaschine derart gerichtlich verfolgt wurde, ist nach wie vor schwer verständlich. Während schon ein Torrent-Tracker kein urheberrechtlich geschütztes Material selbst hostet, gilt das noch weniger für eine Suchmaschine, die allenfalls in ihren Suchergebnissen auf Tracker verlinkt. nsofern ist das Aufgeben TorrentSpys ein beängstigendes Signal.

Die Forderungen, die an TorrentSpy gestellt wurden, waren technisch wie auch rechtlich mehr als hanebüchen: RAM-Speicher eines Servers wurde von einem Gericht als Speichermedium betrachtet, dessen Inhalte logbar seien und geloggt werden müssen, wenn dies gerichtlich angeordnet wird. TorrentSpy reagierte mit der Aussperrung aller US-amerikanischer Besucher, um der Logpflicht nicht nachkommen zu müssen - ein ohnehin unmögliches Unterfangen, denn wie soll der Zustand des RAM auf sinnvolle Weise gespeichert werden?

Die Aussperrung der US-Nutzer war der MPAA aber auch nicht recht: Beschwerde wurde eingelegt, und es gehört nicht viel böser Wille zur Vermutung, dass die MPAA nicht das Ziel hatte, US-Bürger an der Nutzung von Torrenttrackern zu hindern, sondern diese explizit zuzulassen, um anschließend klagen zu können.

Letzten Endes ging es darum, die Datenschutzrichtlinien von TorrentSpy nach Möglichkeit auszuhebeln - man wollte Userdaten, und zu diesem Zweck wurde die gerichtliche Farce dann auch weiter ausgefochten. Bis jetzt - denn nun ist die Torrent-Suchmaschine vom Netz.

Damit endet eine Rechtsposse, die praktisch alles bietet, was die Verwertergesellschaften an schmutzigen Tricks vorweisen können. An interne Daten von Torrentspy kam die MPAA über einen angeworbenen Spitzel, der Informationen über Einnahmen und Umsätze, private Mails der Beschäftigten, Serverdaten, Daten zu Werbepartnern sowie Rechnungen an die MPAA lieferte. Gegenleistung: Straffreiheit. Später folgte die Loggingpflicht für Torrentspy, die eklatant gegen die Datenschutzrichtlinien der SIte verstoßen hätte. Bereits die Anordnung einer solchen Pflicht für eine reine Suchmaschine wurde als katastrophales Präzedenzurteil gewertet: Mit der Verpflichtung, Suchanfragen und Useraktionen zu loggen, kann prinzipiell auch jede beliebige andere Suchmaschine belegt werden: nach TorrentSpy-Vorbild per simplem Zivilverfahren.

Abgesehen vom Close der Site und der weiteren Verschärfung der rechtlichen Situation hat das Vorgehen gegen Torrentspy nebenbei praktisch nichts gebracht. Torrents zu finden ist nach wie vor eine der leichtesten Übungen im Netz. Und wie immer schlug auch hier das Hydra-Prinzip zu, lange bevor TorrentSpy offline ging: schließt man eine Site, wachsen mehrere andere nach.

  • 4 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von Lord_Alamut ...Das wirklich traurige an dieser nachricht ist nicht das verschwinden einer torrentpage. Das hatten wir schon öfter. Man gewöhnt sich dran. Das wirklich schlimme daran ist, dass sie aufgegeben haben. ... Finde ich nicht, mir ist es viel lieber wenn sie die Site schliessen als wenn sie dann wirklich gemeinsame sache mit der MPAA gemacht hätten. Die entscheidung war ...

    Raphnex am 29.03.2008 14:55
  • Ja natürlich. Schlimmer gehts halt immer.

    Lord_Alamut am 29.03.2008 15:31
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