gullinews am Freitag, 19.06.2009 02:15 Uhr (Rating: 



)
Strobl, seines Zeichens CDU-Bundestagsabgeordneter und baden-württembergischer CDU-Generalsekretär, tätigte gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger einige Aussagen, die die Gegner von Internet-Sperren noch besorgter stimmen dürften, als sie es momentan ohnehin schon sind. Strobl nämlich fordert die Ausweitung der Netzsperren auf andere Inhalte - darunter sogenannte Killerspiele.
Bei Killerspielen handelt es sich um einen Begriff, der von Gegnern für einige Computerspiele insbesondere aus dem Bereich First Person Shooter und Taktik-Shooter, oder im allgemeinen Actionspiele, verwendet wird. Damit wird die angeblich Gewalttätigkeit und Amokläufe fördernde Wirkung dieser Spieler angedeutet.
Eben diese Spiele nun will Strobl mit Hilfe der ohnehin nun entstehenden Netzsperren-Infrastruktur dem Zugriff entziehen. "Wir prüfen das ernsthaft", sagte er und fügte hinzu: "Wir gehen nach Winnenden nicht zur Tagesordnung über. Wenn es einen Nachweis gibt, dass sich Killerspiele negativ auf das Verhalten Jugendlicher auswirken, dann kann das Internet kein rechtsfreier Raum sein."
Annika Kremer von gulli:news meint:
Kaum ist das Netzsperren-Gesetz verabschiedet, melden sich schon, wie so oft in letzter Zeit, wieder Stimmen zu Wort, die eine Ausweitung der Sperren auf weitere Inhalte fordern. Zwar wird dies mit dem aktuellen Gesetzesentwurf ausdrücklich ausgeschlossen - das jedoch scheint Leute wie Herrn Strobl nur moderat zu beeindrucken.
Zwar handelt es sich bei dieser Forderung um eine Einzelmeinung, die keineswegs mit der offiziellen Position einer Partei oder gar der Regierung verwechselt werden darf. Trotzdem stimmen derartige Aussagen bedenklich, zeigen sie doch auf, wie sehr eine einmal vorhandene Infrastruktur Begehrlichkeiten weckt und wie schnell eine einmal, für einen Ausnahmefall, eingeführte Möglichkeit, Grundrechte einzuschränken, immer normaler wird.
Besonders verabscheuenswert ist dieser Vorstoß, da es hierbei um Material geht, das nicht, wie dokumentierter Kindesmissbrauch, von der Art ist, die jeder gesunde und einigermaßen ethisch denkende Mensch nur ablehnen kann. Nein, hier handelt es sich um, wenn auch umstrittene, Spiele - Mittel von Kunst, Sport und Freizeit, deren Gefährlichkeit bei weitem nicht erwiesen ist, sondern von Experten sehr stark bezweifelt wird. Es bleibt nur zu hoffen, dass Herr Strobl mit seiner Meinung allein dasteht. (Annika Kremer)
(via Kölner Stadtanzeiger, thx!)
| 91 Reaktionen aus dem gulli:Board |
|---|
Castle_Bravo am 20.06.2009 21:13:53: |
braegler am 22.06.2009 11:23:05: |
6b616e am 22.06.2009 13:13:11: |