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02. Juni 2007

The Making of Nano iPod als neue Demoplattform

Schon immer gab es Personen, die völlig ungewöhnliche Geräte für ihre Zwecke gebrauchten, um auf ihnen Demos zu erstellen und diese präsentieren zu können. SHizZLE von der Gruppe Team Pokeme läuft zum Beispiel auf einem Pokemon Mini. Nintendos kleinste Spielkonsole der Welt aus dem Jahr 2001 ist ein tragbares System mit winzigem Display in schwarz-weiß, integrierter Uhr, Vibrationseffekt, Infrarotschnittstelle und einem Shock-Sensor. Die Spieleentwickler vom Team Pokeme mussten für ihre Arbeit in mühsamer Kleinstarbeit erst selbst herausfinden, wie man dieses Gerät überhaupt ansteuern und programmieren kann - eine Anleitung dafür sucht man im Netz vergebens.

Ganz so extrem ist es beim iPod von Apple nicht, aber vom Erscheinen dieser Hardware bis zum ersten Demo hat es trotzdem vier Jahre gedauert. Premiere: Im September 2005 hat die Gruppe Hooy-Programm mit Mitgliedern aus Russland, Polen und der Tschechischen Republik das erste Demo für einen iPod veröffentlicht, dass es je gab. Yerzmey, Gasman und Co. sind eigentlich auf die Erstellung von Demos auf dem Retrocomputer ZX Spectrum spezialisiert. Podfather wurde auf der britischen Party Sundown gezeigt, es läuft aber nur auf Geräten der älteren iPod-Generation mit monochromem Display. Mittlerweile sind nach der Veröffentlichung der Sources auch diverse Umsetzungen für Windows, Flash, OS X und Gameparks Handheld GP32 aus Korea erschienen. Ein Video steht interessierten Lesern ebenfalls zur Verfügung.

 

kakiarts, ipod, Apple, nano, Demoszene

Im Sommer 2006 trafen wir die Grafikerin Gabi und den Programmierer KeyJ auf einem der Leipzig Scene Meetings. KeyJ alias Martin Fiedler zeigte uns stolz seine ersten Gehversuche auf seinem modernen iPod Nano. Zu einem entliehenen MP3 eines fremden Musikers wurden immerhin mit 30 Bildern pro Sekunde ein paar Effekte in Echtzeit präsentiert. Im August letzten Jahres wurde sein komplettes Demo "Nano" mit viel Erfolg auf der Demoparty Evoke in Köln vorgestellt. Er hatte seinen eigenen Zeitplan bezüglich dieses Projektes einhalten und die Arbeiten daran vor Beginn der Party abschließen können. Wir haben uns mit dem Informatiker Martin Fiedler über sein Werk ausführlich unterhalten. Er erklärt uns auch wie man den iPod ohne den Einsatz von iTunes benutzen und ihn nach Belieben umkonfigurieren kann. In der Ausgabe vom Dezember 2006 wurde im Magazin "iPod & more" von falkemedia bereits ein vergleichbares Interview mit den Machern von Nano veröffentlicht.


Was hat Dich an der Idee gereizt, für das iPod Nano ein Demo zu erstellen?

Einer der Hintergedanken beim Kauf des nano war von Anfang an, das Gerät zu "hacken" -- allerdings nicht im Sinne von Demos, sondern mir ging es zunächst nur darum, den iPod ohne iTunes nutzbar zu machen. Dies ist mir mit dem Programm "externer Link in neuem Fenster folgtreTune" auch gelungen. Erst vor einem halben Jahr, als ich die ersten Berichte las, dass iPodLinux nun auch auf nanos lauffähig und benutzbar ist, erwachte das Interesse. Die Installation von Linux selbst geschah dann schon unter dem festen Vorsatz, eine Demo für das Gerät zu schreiben. Warum? Ganz einfach: Weil es geht. Die Demoszene dreht sich im Grunde nur darum, das Machbare auszuloten. Wenn es also machbar ist, 3D-Grafik in Echtzeit auf dem iPod darzustellen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das auch wirklich jemand umsetzt.

reTune, ipod, Apple, linuxZur Erklärung: Das kostenlose Programm reTune untersucht nach der Installation beim so genannten "Freezing" die komplette Festplatte des Gerätes nach allen abspielbaren Dateien und erstellt eine Musikdatenbank inklusive aller ID3-Tags. Danach bereitet er die vorhandenen Lieder entsprechend auf, um diese auch ohne die iTunes-Software auffindbar zu machen. Eher seltene OGG-Dateien werden automatisch in MP3s konvertiert. Am Einbau der "Balanced Shuffle" Playlist und der Unterstützung vom Photo Album wird noch gearbeitet. Die Covers der Musiktitel sind aber einsehbar. Das Abspielen von Dateien in Form als AAC, iTMS, Audible oder Wavefiles ist noch nicht möglich.

Der Vorgang des "Freezings" lässt sich auch wieder umkehren, sofern man zum normalen iPod-Filesystem zurückkehren möchte. Das letzte Update auf Version 0.3.0 ist vor rund vier Wochen erschienen und kann kostenlos von der Website herunter geladen werden. Martin Fiedler selbst hat auf der offiziellen Homepage von reTune mehrere Schritt für Schritt Anleitungen für mehr oder weniger ungeduldige User in der englischen Sprache veröffentlicht.



Wie schwer ist es diese Hardware zu bedienen, beziehungsweise sich in die entsprechende Materie einzuarbeiten?

Der iPod ist eine sehr angenehme Plattform, was Hacks und Experimente angeht. Das fängt damit an, dass man im Gegensatz z.B. zu Spielekonsolen keine Hardware-Modifikationen vornehmen muss, um selbstgeschriebene Software laufen zu lassen. Auch auf Software-Seite hat Apple praktisch keine Barrieren in den Weg gelegt, außerdem ist es nahezu unmöglich, sich das Gerät "kaputtzuflashen", wenn man andere Betriebssysteme ausprobiert. Das ist alles andere als selbstverständlich.

Aber um auf die eigentliche Frage zurückzukommen: Die Einarbeitungszeit in die Materie "Softwareentwicklung auf dem iPod" ist recht überschaubar, wenn man schon ein wenig Erfahrung mit Linux, hardwarenaher Programmierung und Embedded-Systemen hat. Die wesentlichen Codeteile zur Ansteuerung der iPod-Hardware (Display und Sound) hatte ich in ca. einer halben Woche fertig. Alles weitere war dann relativ gewöhnliche Demo-Programmierung, also Effekte schreiben, testen, und zur Demo zusammensetzen.



ipod, Apple, Linux, retune, DemoWarum wurde das Demo auf Basis vom Betriebssystem Linux realisiert?

Die Original-Apple-Firmware scheidet als Entwicklungsplattform aus, weil es dort schlicht und einfach nicht möglich ist, eigene Software zu starten. Dies ist nur mit den beiden alternativen Betriebssystemen, Rockbox und iPodLinux, möglich. Meine Wahl fiel auf letzteres, weil ich auf meinem Notebook ohnehin Linux verwende und somit recht problemlos eine PC-Version zum Entwickeln schreiben konnte. Damit konnte ich alles vorher auf dem PC testen, was unendlich komfortabler ist, als für jeden einzelnen Test das Programm erst auf den iPod laden zu müssen. Daher enthält die Demo auch kaum iPod-spezifischen Code - lediglich die Display-Routinen sind der Hardware angepasst.



Wie unterscheidet sich der iPod Nano von dem Gerät, auf dem Hooy-Programmer's "Podfather" lief?

Die allererste iPod-Demo überhaupt, "Podfather" von der Gruppe Hooy-Program, lief noch auf den klassischen Festplatten-iPods der ersten bis vierten Generation mit Schwarzweiß-Display. Im Vergleich dazu hat der iPod nano bei gleicher Rechenleistung zwar eine etwas geringere Displayauflösung, bietet aber satte 16 Bit Farben, anstelle von 2 Bit Graustufen.

Auch inhaltlich gibt es große Unterschiede. "Podfather" war eher eine Machbarkeitsstudie: Schaut her, man kann Demos auf einem iPod laufen lassen! Gezeigt wurde dazu ein typisches Arsenal an Oldschool-Effekten wie Scroller, Tunnel, Rotozoomer oder Plasma, untermalt von Oldschool-Musik. Bei "Nano" war mir hingegen von vornherein klar, dass es etwas mehr werden sollte als eine bloße Effektshow. So gibt es ein konsistentes Thema, und die Effekte sind nicht bloßer Selbstzweck, sondern stellen Szenen dar, die in dieses Thema passen. Großes Vorbild diesbezüglich waren die exzellenten Demos der Amiga-Gruppe "The Black Lotus" - eine Szene aus "nano" wurde sogar unmittelbar von einer ihrer Demos inspiriert.




Ist dieser MP3-Player für solche Multimedia Präsentationen überhaupt vorgesehen?

Nano, ipod, Linux, Apple, kakiartsDefinitiv nicht. Neben der offensichtlichen Tatsache, dass es ein Musikplayer ist und (eigentlich) nichts weiter, spricht auch die Hardware an sich gegen eine solche Verwendung. Da hat man eine verhältnismäßig starke CPU (eigentlich sogar zwei davon), allerdings eine miserable Anbindung an den Arbeitsspeicher und das Display. Für den iPod Nano mit seiner geringen Displayauflösung reicht das aus, gute Programmierer würden sicherlich noch aus einem iPod photo einiges rausholen können, aber das dreimal größere Display eines iPod video ist damit kaum in Echtzeit mit Grafik zu füllen. Für die Darstellung von Videos greift ja Apple selbst auf einen dedizierten Video-Chip zurück.


Wie wurde die Musik implementiert ohne die Geschwindigkeit der Effekte negativ zu beeinflussen?

Wie man sich vorstellen kann, ist Musik abspielen eine der leichtesten Übungen für einen iPod :) Allerdings musste ich auf MP3 oder AAC verzichten, da ich so viel CPU-Zeit wie möglich für die Grafik brauchte. Daher kommt ein deutlich einfacheres Komprimierungsschema (ADPCM) zum Einsatz.

Kommentar vom Musiker FYI: TBL (The Black Lotus) machen's in ihren Amiga-Demos genauso...



Nano, ipod, Apple, retune, LinuxGab es seit der Veröffentlichung vor zehn Monaten Reaktionen von Seiten von Apple? Ich würde die Firmenleitung aus Werbezwecken anschreiben und sie über eine solche Sensation in Kenntnis zu setzen. Verkehrt ist das sicher nicht!

Noch nicht. Das große Medienecho ist bisher ausgeblieben, auch wenn wir auf YouTube ein Video veröffentlicht haben.

Interessant fand ich auch, wie das 3sat-Fernsehteam zur Evoke ausführlichst über TRSi/Titans PSP- und LiraNunas NDS-Demo berichtet, aber zur nano-Demo kein Sterbenswörtchen verloren hat ...


Nun, das haben wir ja hiermit nachgeholt. Bitte verlier ein paar Worte über die technischen Daten der Effekte, die du eingebaut hast. Für Leser, die selber programmieren, wäre dies sicher von Interesse.

Da gibt es eigentlich nichts Besonderes zu berichten. Die meisten Effekte sind herkömmliche Oldschool-Kost: Sprites, Wobbler, Tunnel, Zoomer, Fade-Effekte und schließlich eine äußerst primitive (und sehr fehlerhafte) 3D-Engine. All das ist in reinem C geschrieben, nicht eine einzige Zeile Assembler wurde verwendet. Der C-Code ist zwar schon mit äußerster Sorgfalt auf die Zielplattform optimiert, aber dennoch bin ich zuversichtlich, dass man mit entsprechend viel Handarbeit noch deutlich mehr herausholen könnte.


Vielen Dank für das Interview! Wie wir von den Spatzen auf den Dächern hörten, habt ihr schon die nächsten zündenden Ideen für die Evoke dieses Jahr im Kasten.

Ja, aber so einen Knaller wie "Nano" wird's aber nicht noch mal geben.

 



YouTube Mitschnitt: Nano von Kakiarts, realisiert auf einem iPod Nano

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