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20. April 2007

T-Mobile Mobilfunkvermittler stellt Strafanzeige Tangens will Millionen von Auskunftei Bürgel erstreiten

Der als Billiganbieter bekannte Mobilfunkvermittler Tangens hat die Wirtschaftsauskunftei Bürgel wegen Betrugs angezeigt. Mehr als 80 Prozent der Tangens-Neukunden sollen nicht solvent gewesen sein. Eigentlich sollte das die Bonitätsprüfung über Bürgel verhindern.

Lag es nun an der fehlerhaft installierten Software-Schnittstelle zu der Online-Bonitätsdatenbank von Bürgel oder schlichtweg an der mangelhaften Qualität bzw. der fehlerhaften Interpretation der Scorewerte, welche die Online-Abfrage bei Bürgel ausspuckte, wenn ein Tangens-Vertragshändler die Bonität eines potenziellen Mobilfunkkunden anfragte? Diese Fragen werden demnächst von einem Gericht geklärt werden müssen, sofern die Staatsanwaltschaft sich der Interpretation von Michael Artschwager, Geschäftsführer bei Tangens, anschließt. Artschwager fährt jedenfalls schweres Geschütz auf und sieht den Tatbestand des Betrugs erfüllt, weshalb er Strafanzeige gegen Bürgel gestellt und Klage auf Schadensersatz eingereicht hat.

Es geht im vorliegenden Fall immerhin um einen Schaden von 2 Millionen Euro, also um 12,5 Prozent des Jahresumsatzes von Tangens, rechnet Diplom-Ingenieur Artschwager vor. "Pro Neukunde ist uns ein durchschnittlicher Schaden von 1.000 Euro entstanden, bevor wir die Reißleine ziehen konnten". Mehr als 80 Prozent von über 2.600 neuen Mobilfunkkunden, die Tangens ausschließlich ins Mobilfunknetz von T-Mobile bringt, sollen trotz "angeblich erfolgter" Bonitätsprüfung nicht solvent gewesen sein. Eine nachträglich von Tangens bei anderen Wirtschaftsauskunfteien durchgeführte Prüfung habe ergeben, dass ein Großteil der geprüften Kunden zum Zeitpunkt der Bürgel-Abfrage bei anderen Wirtschaftsauskunfteien bereits harte Negativmerkmale in den Akten hatten. "Deren Bonität hätte eigentlich einen Vertragsabschluss nicht gerechtfertigt!", so der schockierte Tangens-Geschäftsführer.

Tangens gibt auf der eigenen Homepage www.tangens.com an, beim "Pay to Call" Tarif findet keine Bonitätsprüfung statt. Im Gegenzug verlangt man bei den Tarifen "Pay to Call 100", "Pay to Call 250" und "Pay to Call 500" lediglich eine Kaution in der doppelten Höhe des "monatlichen Tarfivolumens" (bei "Pay to Call 500" also z. B. eine Kaution von 1000,00 Euro).

Bürgel indes gibt sich defensiv vorsichtig. "Wir möchte zu einem laufenden Verfahren keine Stellungnahme abgeben.", erklärte eine Pressesprecherin. Einmalig jedenfalls sei die Art und Weise, mit der der Potsdamer Mobilfunkprovider Tangens den Streitfall per Pressemitteilung öffentlich macht. "So etwas habe ich noch nicht erlebt.", so die Pressesprecherin von Bürgel.

Bei T-Mobile gibt man sich ebenfalls zugeknöpft: "Kein Kommentar!" lautet die knappe Aussage der Pressestelle der Telekom-Tochter. Allerdings weist man "in Kenntnis des Sachverhaltes" darauf hin, dass die Tangens-Werbeaussage "Keine Bonitätsprüfung!" sich nicht mit der Praxis von T-Mobile deckt. "Wir verlangen von unseren Partnerunternehmen, dass diese ihre potentiellen Kunden über eine der gängigen Wirtschaftsauskunfteien überprüfen lassen müssen! Sollte diese Prüfung bei Tangens nicht oder nur unzureichend erfolgt sein, ist uns gegenüber einzig und allein der Partner haftbar. Angebote zu Postpaid-Mobilfunkverträgen im Netz von T-Mobile ohne Bonitätsauskunft werden von uns nicht unterstützt! Für Kunden mit negativer Bonitätsauskunft empfehlen wir ausdrücklich Prepaid-Angebote!", heißt es aus Bonn.

  • 1 Kommentar zum Artikel
  • Der als Billiganbieter bekannte Mobilfunkvermittler Tangens hat die Wirtschaftsauskunftei Bürgel wegen Betrugs angezeigt. Mehr als 80 Prozent der Tangens-Neukunden sollen nicht solvent gewesen sein. Eigentlich sollte das die Bonitätsprüfung über Bürgel verhindern. weiterlesen

    gullinews am 20.04.2007 11:08
  • Was unsere "lieben" Grossunternehmer und Datenschnüffelbanken immer noch nicht kapiert haben. Bonität ist keine Konstante. Vorallem nicht, bei den starken wirtschaflichen Veränderungen, Firmenschliessungen und vielen Entlassungen und Einsparungen. Was dazu kommt, sind die uralten "Bonitäts Daten". Als Beispiel: Ich wurde bei Orange als Vertragspartner abgelehnt, weil ich angeblich 1989 mal eine Rechnung von Fr. 200 ...

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