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26. Juni 2008

Stechuhr und Bürokratie Bundestag will Arbeitszeiterfassung für jeden Betrieb

Hurra! Die nächste Datenkrake schwimmt auf uns zu. Heute will der Bundestag die Unfallversicherung modernisieren. Dazu sollen alle Betriebe, also auch Dachdecker und Bäcker Stechuhren oder sonstige Geräte aufstellen, die die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter aufzeichnen sollen. Die Daten sollen an die jeweilige Krankenversicherung, von dieser an die Renten- und an die Träger der Unfallversicherung gemeldet werden. Für Kleinstbetriebe kommt ein unglaublicher finanzieller wie auch bürokratischer Aufwand zu. Dass solche Datenmengen gerne auch für fremde Zwecke genutzt werden, hat uns die Vergangenheit oft genug gelehrt.

Manchmal erscheint es einem, die erfolgreich verlaufende Europameisterschaft wird von den Berliner Politikern genutzt, um in dessen Schatten ungewöhnliche wie auch unnütze Gesetze zu verabschieden, die ohne König Fußball für weitaus mehr negative Schlagzeilen sorgen würden. Die sogenannte Organisationsreform der Unfallversicherung soll heute beschlossen werden. Die Reform bringt unüberschaubare Zusatzkosten für alle Betriebe mit sich. Betroffen sind aber vor allem Miniunternehmen, viele größere Firmen haben bereits Eingangskontrollen oder sonstige Stechuhren zur Zeiterfassung installiert.

Die Beitragssätze der Unfallversicherung sollen sich exakt gemäß der Anwesenheit der Mitarbeiter richten. Der Normenkontrollrat, der Bürokratiekosten einschätzen soll, wurde erst gar nicht befragt, deren Antwort wäre aller Voraussicht nach negativ ausgefallen. Den Berufsgenossenschaften wurden die Arbeitszeiten von den Arbeitgebern bisher pauschal gemeldet, viele Betriebe haben ihre Zeiterfassungssysteme zudem in den letzten Monaten komplett abgeschafft. Selbst die Firmen mit Zeiterfassungssystemen geben ihre Daten meist in Schätzungen weiter. Und dies auch wenn die Träger der Unfallversicherungen schon heute das Recht haben, die genauen Daten einzufordern, was selten der Fall ist. Auf eine Weitergabe der Anwesenheitszeiten sind viele Betriebe mit entsprechenden Gerätschaften bislang nicht vorbereitet, auch diese müssten nachrüsten.

So kommt auf fast jedes Unternehmen eine Unmenge Personalaufwand und Zusatzkosten und auf die zahlreichen Versicherungen ein riesiger Datenwust zu. Für die allermeisten Berufsgenossenschaften war eine individuelle Zeiterfassung bislang schlichtweg nicht notwendig. Es bleibt unklar, warum der Gesetzgeber diese einführen will.

(via faz.net, thx!)

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