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19. Juni 2008
Soziale Netzwerke Interview mit Bettina Sokol, Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit NRWSoziale Netzwerke erfahren aktuell in Deutschland einen unglaublichen Hype. Neun Millionen Deutsche sind laut einer Erhebung des BITKOM bei StudiVZ, SchülerVZ, Facebook, Myspace & Co. registriert. Zunehmend beteiligen sich ausgerechnet die jüngsten und unerfahrensten Surfer an diesem Trend. Wir haben uns mit Bettina Sokol, der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW über dieses Thema unterhalten. Lars Sobiraj: Neun Millionen Deutsche präsentieren sich neuesten Schätzungen zufolge in sogenannten Online-Netzwerken. Zwölf Prozent der Bürger ab 14 Jahren sind dort vertreten. Besonders bei Jugendlichen kommen Einrichtungen wie SchülerVZ oder StudiVZ sehr gut an. Was halten Sie von diesem Trend?
Lars Sobiraj: Sind unsere jüngeren Mitbürgerinnen und Mitbürger ausreichend auf alle Risiken im Internet vorbereitet? Sind sich die Kids überhaupt darüber im Klaren, welche Gefahren die Veröffentlichung ihres Profils mit sich bringen könnte? Und was man mit deren Daten so alles anstellen kann? Bettina Sokol: Ich denke hierzu ist sicher noch Aufklärungsarbeit notwendig. Wir erstellen gerade zur Stärkung der Medienkompetenz in Kooperation mit der Initiative IT-Secure NRW eine Broschüre für den Unterricht an Schulen, die im Herbst zur Verfügung stehen soll.
Lars Sobiraj: Immer mehr Teilnehmer veröffentlichen bei Myspace, Facebook oder auf ihrem persönlichen Weblog intimste Daten, laden private Bilder von sich hoch, die später auch von Suchmaschinen gefunden werden können. Was kann man tun, um an dieser Stelle für mehr Datenschutz zu sorgen? Bettina Sokol: Die Netzwerkbetreiber können und müssen für die Sicherheit der Daten sorgen. Sie haben etwa sicherzustellen, dass die Daten ihrer Nutzerinnen und Nutzer nicht massenhaft herunter geladen werden können. Wer sich aber persönlich umfassend im Netz öffentlich präsentieren will, nimmt, damit sein Recht auf informationelle Selbstbestimmung in dieser Form war. Vor den negativen Konsequenzen ihres eigenen Handelns können solche - ich nenne sie einmal "Netzexhibitionisten" - nicht geschützt werden. Für diejenigen, die zwar in Netzwerken aktiv sein wollen, aber dabei einen gewissen Schutz der eigenen Persönlichkeit dennoch waren möchten, empfehle ich die Nutzung von Pseudonymen.
Lars Sobiraj: Kostenlose Communitys finanzieren sich häufig über Werbung. Mithilfe der privaten Angaben können diese z. B. bei weiblichen Besuchern für kosmetische Artikel oder bei Männern gezielt für technische Geräte werben. Wie weit darf, und sollte die Kontrolle staatlicher Behörden hierbei gehen? Bettina Sokol: Bei der Nutzung persönlicher Daten von Netzwerkmitgliedern für Werbezwecke, sind die Datenschutzgesetze zu beachten und die Datenschutzaufsichtsbehörden können hier auch umfassend kontrollieren, ob die Gesetze eingehalten werden. Dabei handelt es sich nicht um eine Kontrolle der Inhalte des Netzes, sondern um die Kontrolle der wirtschaftlichen Betätigung der Netzwerkbetreiber, die wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen da der Datenschutzkontrolle unterliegen. Einzelheiten dazu, was Netzwerkbetreiber bei der Nutzung von personenbezogenen Daten zu Werbezwecken beachten müssen, haben die Datenschutzaufsichtbehörden in einem Beschluss dargestellt, der auf unserer Homepage veröffentlicht ist.
Lars Sobiraj: Frau Sokol, ich bedanke mich sehr herzlich für das Gespräch! Weitere Informationen über die Arbeit der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW finden sich auf der offiziellen Website.
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Trackbacks
50+ ? Teils, teils. Ghandy am 19.06.2008 18:11
Es sollte jedem selbst überlassen sein, was er von sich preisgibt. Und nicht vom Staat als Zwang. Ich z.B. meide so einen Mist wie MySpace. Destiny666 am 19.06.2008 21:15
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