Sonys Verschleierungs- und Abwiegelungspolitik angesichts des Aufruhrs, den die Rootkit - Technik auf manchen ihrer CDs erregt hat, wird immer unverständlicher. Anstelle dass ein ordentlicher Uninstaller zur Verfügung gestellt wird, müssen die User eine umständliche Nachfrageprozedur überstehen, bis sie die entsprechende, ActiveX-basierte Software bekommen, die das Rootkit entfernt. Von öffentlichen Hinweisen auf Sonys Seiten kann auch keine Rede sein, der Link zum Anforderungsformular ist in einer FAQ versteckt. Und zu guter Letzt scheint man sich nach wie vor keiner Schuld bewusst - in einem Interview äußerte sich Sony - Präsident Thomas Hesse abwiegelnd dahingehend, dass die "meisten Leute ja gar nicht wissen, was ein Rootkit ist, warum soll es sie interessieren?" Und Europachef Sonys, Maarten Steinkamp, kündigte nun sogar offensiv an, auch in Europa im Lauf des nächsten Jahres auf Kopierschutztechniken auf CDs zu setzen.
Interessieren sollten die Käufer sich jedoch, inzwischen ist der erste Trojaner aufgetaucht, der die Sony - Technik ausnutzt. Eine Variante des Breplibot-Trojaners legt die Datei $sys$drv.exe im Windows - Verzeichnis ab: bei mit dem Sony - Kit infizierten Rechnern ist die Datei durch das vorangestellte $sys$ völlig unsichtbar, wenn man nicht ein Tool wie den Rootkitrevealer einsetzt.
Konsequenterweise wird die Soft von immer mehr Antiviren- und Anti-Spywaretools als Schadcode eingestuft - zuletzt durch PestPatrol von CA, welches das Sony-Kit als Spyware klassifiziert.
Inzwischen folgten auf die erste Klage gegen Sony in Italien weitere rechtliche Maßnahmen gegen die weitere Verbreitung des Schadcodes. Die EFF plant rechtliche Schritte gegen Sony, in Kalifornien wie auch in New York werden Anklagen vorbereitet: in Kalifornien vom Staatsanwalt Alan Himmelfarb, der das Verbot entsprechender Kopierschutztechniken anstrebt und Entschädigungszahlungen für die Opfer der Malware verlangt, in New York bereitet der Anwalt Scott Kamber eine Sammelklage gegen Sony vor. Alleine in Kalifornien würde die Sony - Software gegen drei Gesetze verstoßen.
Bei Sony scheint man den Ernst der Lage nach wie vor nicht begriffen haben.
UPDATE: Im Gegenteil. Der flächendeckende Einsatz von DRM auf CDs wird nun von Sony auch für Europa erneut angekündigt. Ob das umstrittene XCP zum Einsatz kommt, ließ der Europachef Sonys, Maarten Steinkamp, zwar offen, aber sie komme. Man wolle dennoch dem Kunden ermöglichen, Kopien zu erstellen, weiterhin sei klar, dass wir in Europa nur Technologien einsetzen, die für den Käufer sicher und fehlerfrei sind
, aber was Sony unter Sicherheit und Fehlerfreiheit versteht, durfte man ja in den letzten Tagen mitverfolgen.
| 5 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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ludwighagen am 11.11.2005 00:21:43: |
dilapan am 11.11.2005 08:24:57: |
killerflo am 11.11.2005 09:27:59: |