gulli: Sony: 10 Millionen Strafe für Bestechung von RadioDJs
27. Juli 2005

Sony 10 Millionen Strafe für Bestechung von RadioDJs

Indiemusik vs. Heavy Rotation: 1:0

Sony BMG ließ in der Vergangenheit größere Geldbeträge an Radiosender und DJs fließen, um entsprechend häufiges Abspielen ihrer Titel sicherzustellen. Dem machte ein New Yorker Gericht nun ein Ende: die Bestechung wird eingestellt, darüberhinaus verpflichtet sich Sony, 10 Millionen Dollar zu entrichten.

Das wird allenthalben als Sieg für die Musikvielfalt und die Indies gesehen - nicht ganz ungerechtfertigt, waren sie doch die Leidtragenden der Praxis, welche vermutlich auch von den anderen großen Musiklabels betrieben wird. Damit die Radiohörer nicht auf die Indielabel verfallen, wurden so die Titel der großen Musikkonzerne in die entsprechenden Heavy Rotations gepusht - taugt der Track von sich aus nicht zum Hit, hilft man auf diese Weise eben noch nach.

Staatsanwalt Spitzer hierzu: "Unsere Untersuchungen ergeben, dass anders als von den Hörern angenommen Songs nicht entsprechend ihres künstlerischen Werts und ihrer Beliebtheit gespielt werden, sondern die Ausstrahlung oft nur von unveröffentlichen Geldzahungen an Radiosender und ihre Beschäftigten abhängt. Das jetzige Abkommen ist ein Modell zum Durchbrechen der Einflüsse von Bestechungsgeldern der Musikindustrie". Finanzielle Zuwendungen an Radiosender zur Erhöhung der Quoten sind seit den 60er Jahren in den USA verboten: es drohen pro Verstoß 10.000 Dollar Geldstrafe und bis zu einem Jahr Gefängnis. So gesehen, kam Sony noch ganz gut davon. Die 10 Millionen, die der Musikkonzern nun zahlen muss, werden an gemeinnützige Organisationen verteilt, die sich mit musikalischer Erziehung beschäftigen.

Ein 60-seitiges PDF-Dokument dokumentiert zum Teil sehr detailiert über Email- und Postverkehr, wie sich DJs an den Musikbiz verkauften - und wie die Labels klar formulieren, ab welchen Rotationszahlen wieviel Geld an die DJs geht. Immerhin - ein beruhigender Gedanke, dass auch die Labels inzwischen der Ansicht sind, man müsse Leute dafür bestechen, damit ihre Plastikmusik überhaupt gespielt wird, man müsse die Kundschaft zwangsbeschallen, damit sie ihre Produkte kauft.

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