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24. November 2007

Singapur Kontrollbehörde singt den Zensur-Rap (Video)

Dieses staatlich verordnete Musikvideo scheint modernes Facelifting auf südostasiatisch zu sein. Führende Mitarbeiter von Singapurs staatlicher Behörde 'Media Development Authority' (MDA) tanzen und rappen, um ausländische Fachkräfte in ihre Metropole zu locken. Man landete damit auf YouTube zumindest einen Achtungserfolg: Über 20.000-mal hat man sich den PR-Gag bislang angesehen, zählt man die Zuschauer aller Doppelgänger des Videos zusammen.

Die ersten Töne erklingen, der Plattenteller dreht sich stilgerecht in Schwarz-Weiß. Dr. Christopher Chia führt eine leuchtende Kugel vor, der CEO führt uns durch eine Gasse mit Hochhäusern, die sich allesamt interessiert nach vorne beugen. Das alles ist sehr bunt, sehr chic - eine sehr intelligent gemachte PR-Aktion. Das Problem ist nur, die Turntable Rocker sind meistenteils schon in die Jahre gekommen. Man mag es ihnen nicht so recht abnehmen, wenn sie sich im Takt bewegen oder brav ihre auswendig gelernten Texte aufsagen.

Im Refrain singen die Mitarbeiter der Kontrollbehörde: "Get connected worldwide, rock on!". Und genau dort liegt der Hund begraben. Von einem uneingeschränkten weltweiten Informationsaustausch ist man in Singapur Lichtjahre entfernt. Der Import von ausländischen Zeitschriften unterliegt den Einfuhrbeschränkungen der Regierung. Laut externer Link in neuem Fenster folgtWikipedia ist der Privatbesitz von Satellitenschüsseln untersagt. Internationale Sender wie die Deutsche Welle, BBC, CNN etc. können nur über Kabel empfangen werden. Auch alle sonstigen Inhalte, gedruckt oder online unterliegen der Zensur. So warnte noch im April letzten Jahres Balaji Sadasivan, ein führender Minister davor, im Netz "gefährliche Diskussionen" zu führen. Diejenigen Journalisten, Blogger wie Privatpersonen, die im Web politische Kommentare abgeben, die nicht den staatlichen Vorstellungen entsprechen, droht die Strafverfolgung. Offizielle Begründung: Die "unkontrolliert kursierenden Gerüchte und Verzerrungen" könnten die Öffentlichkeit verwirren. In Singapur muss sich laut Meldungen der externer Link in neuem Fenster folgtNetzeitung jeder einzelne Bürger registrieren lassen, wenn er politische Statements auf seiner Website veröffentlichen will. Eine politisch orientierte Weblog- und Podcaster-Szene existiert trotzdem. Um der Überwachung der MDA zu entgehen, hatten sich nur wenige Podcaster und Blogger an die Meldepflicht gehalten. Die Warnung des Ministers richtete sich offensichtlich speziell an diese weniger legalen wie offiziellen Meinungsverbreiter.

Bei YouTube hatte es bezüglich des PR-Videos der MDA abfällige externer Link in neuem Fenster folgtKommentare gehagelt. Einige Zuschauer konnten und wollten den singenden Zensurbeamten nicht abnehmen, dass in Singapur allein mit Veröffentlichung dieses Videos auf einen Schlag alles besser und offener sein soll. So auch der Kommentar von YouTube-User externer Link in neuem Fenster folgtmyRoxas:

"Verbote, Zensur, Vorschriften, Regulierungen, Kontrolle, Missachtung der Kunst, miese Urteilssprüche, die Meinung der Künstler wird gelenkt. Wirklich - es ist an der Zeit, die Künstler repräsentieren die Kunst in Singapur und nicht die MDA. Und das meine ich ernst."



Das MDA-Video der staatlichen Zensurbehörde. Yo, rock on!

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