Cliff Bolling war sich nicht darüber im Klaren, was er anstoßen würde, als er seine allererste Schallplatte, die er je gekauft hatte, wiederfand. Ihm wurde aber schnell klar, dass es "eine ganze Welt voller Musik gibt, die man nicht mehr zu hören bekommt, und sie befindet sich auf 78-RPM-Schallplatten".
Dabei handelt es sich um Schellackplatten, die es in den Formaten 10 Inch (mit etwa drei Minuten Spielzeit pro Seite) und 12 Inch (mit etwa fünf Minuten Spielzeit pro Seite) gab. 1948 erschien die erste Schallplatte aus PVC (Vinyl), die sowohl eine bessere Tonqualität als auch eine längere Spielzeit ermöglichte. Bereits zehn Jahre später wurden keine Schellackplatten mehr verkauft. Die Aufnahmen auf den Schellackplatten wurden aber nur selten auf Vinyl-Schallplatten oder andere Tonträger übertragen.
Vor etwa zehn Jahren begann Cliff Bolling damit, seine alten Platten auf Musikcassetten zu kopieren, um sie im Auto hören oder mit Freunden teilen zu können. Als es möglich wurde, Musik selbst zu digitalisieren, begann Bolling damit, seine Sammlung in MP3 zu encoden. Er postete eine Liste von 1.500 Titeln, die er digitalisiert hatte, so dass andere Sammler seine Fortschritte sehen konnten. Schließlich beschloss er, ein MP3 von jedem Stück auf seine Website zu laden. Mit Stand 12. August hatte er bereits 3.739 MP3-Dateien hochgeladen, und es sind noch viele mehr zu erwarten.
Nachdem einige amerikanische Webseiten über die Sammlung berichtet hatten, stiegen die Zugriffszahlen auf Bollings Website massiv an - von ursprünglich 10 bis 30 am Tag bis zu Peaks von 11.000 pro Tag im Juli.
Bolling war erstaunt über das große Interesse, das dieser Musik entgegengebracht wurde. "Eine Menge junger Leute gingen auf die Site, und es ist aufregend, dass sie sich heute noch Aufnahmen anhören wollen, die vor 75 Jahren gemacht wurden." Über Copyrights macht er sich keine Sorgen - bisher habe niemand versucht, deshalb seine Website zu schließen.
Allerdings informiert er auf seiner Website darüber, dass einige der Stücke nach heutigen Maßstäben als rassistisch oder sexistisch eingestuft werden könnten. Das sei zu der Zeit der Aufnahmen aber der übliche Humor gewesen, den die Stücke eben reflektieren. Er habe deswegen einige Leute gefragt, ob er diese Stücke online stellen solle, und man verwies ihn auf den ersten Verfassungszusatz (der amerikanischen Verfassung): "Mach was Du willst".
Schade ist derzeit nur, dass Yahoo, wo Bolling seine Website hosten lässt, diese gestern wegen des übermäßigen Traffics offline genommen hat. Es ist zu hoffen, dass diese Schätzchen bald wieder verfügbar sind. Copyright-Probleme seien definitiv nicht der Grund dafür, dass die Aufnahmen derzeit nicht im Netz stehen. Ein P2P-Netzwerk wäre hier sicher eine Alternative. (Atari-Frosch)
via blog.wired.com, thx!
| 19 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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am 15.08.2008 02:13:07: |
Jacko1980 am 15.08.2008 21:29:13: |
enkel am 16.08.2008 03:30:15: |