gullinews am Freitag, 23.05.2008 13:12 Uhr
Dr. Thilo Weichert: "Interessiert und engagiert ist an erster Stelle die IT-Industrie, die die Marktrelevanz dieses Bereichs schnell erkannt hat und sich einen zunehmenden Anteil am Kuchen der Gesundheitskosten verspricht. (...)
Ob Daten zentral oder dezentral abgelegt sind, ist irrelevant, wenn der Schlüssel für deren Abruf individuell und damit dezentral in den Händen der Ärzte und der Patienten liegt."
Weichert legte in seinem Vortrag dar, dass seiner Meinung nach sowohl die rechtlichen Regelungen wie auch das bisherige technische Konzept der eGK den Anforderungen eines modernen Datenschutzes genügen. Telematik sei kein Teufelszeug, sondern ein Instrument, das im Interesse der Patienten für eine bessere Behandlung und zur Erhöhung der medizinischen Selbstbestimmung genutzt, ebenso wie es missbraucht werden kann. Weichert sieht hier eine "Strukturverantwortung des Staates" und spricht der verfassten Ärzteschaft "eine wichtige gestaltende Rolle" zu. Angesichts des technischen Fortschrittes und dem ökonomischen Druck, der u. a. auch von Anbietern von Informationstechnik ausgeübt wird, gäbe es "keine Alternative zu einer konstruktiv-kritischen Begleitung des Prozesses der Entwicklung medizinischer Telematik". Den vollständige Text der Rede von Weichert sowie Präsentationsfolien kann man auf der offiziellen Website des Datenschutzzentrums nachlesen.
Durch die Annahme der modifizierten Position der Bundesärztekammer in zweiter Lesung haben sich aber die schärfsten Kritiker der eGK nicht durchsetzen können, der komplette Stopp des Projektes konnte nicht erreicht werden. Die Kritiker sehen die Gesundheitskarte noch immer als eine Krankheitskarte an. Ärzte und Bürgerrechtler haben dem Bundesgesundheitsministerium am 16. Mai 8.500 Protestunterschriften gegen die eCard übergeben. Vertreter gingen so weit und werteten die eCard als "einen weiteren Baustein im Übergang vom Sozialstaat zum Kontrollstaat". Das Projekt sei "ein unseriöses Milliardenprojekt zulasten von Patienten und Ärzten", so IPPNW-Vorstandsmitglied Matthias Jochheim.
Die freie Ärzteschaft indes rief auf dem gestrigen Ärztetag für Samstag zur Teilnahme an der bundesweit organisierten Demonstration "Freiheit statt Angst" auf.
(Via Datenschutzzentrum.de, Deutscher Apothekerverlag & heise.de, thx!
(Bild: Freie Ärzteschaft - Hauptstadtkongress Berlin 07 , Quelle: Arztwiki.de, thx!)
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QuicksilverQQ2 am 23.05.2008 15:07:22: |
Bewa am 23.05.2008 15:38:08: |
Schattenspieler am 25.05.2008 15:02:29: |