gulli: Rottenneighbor.com: Nachbarschaftsportal von deutschen Providern aus nicht mehr erreichbar (Update 2)

Anzeige

Voting

Wie sollen die Beiträge als gelesen markiert werden?
Wie bisher mit Cookies nach Zeit X
Richtig (nachdem auf den Beitrag geklickt wurde)
03. September 2008

Rottenneighbor.com Nachbarschaftsportal von deutschen Providern aus nicht mehr erreichbar (Update 2)

Nach diversen Fällen von Datenmissbrauch der letzten Wochen fordern Daten- und Verbraucherschützer einen besseren Datenschutz. In der darauf folgenden öffentlichen Diskussion wurde die Wirksamkeit des Datenschutzes einige Male in Frage gestellt. Ein besonders schlechtes Licht fiel dabei auf das amerikanische Nachbarschaftsportal rottenneighbor.com. Seit diesem Wochenende ist die Webseite von den größten deutschen Internetprovidern aus nicht mehr erreichbar. Zufall oder freiwillige Internetzensur?

Auf rottenneighbor.com können Benutzer auf der Basis der Google Maps-Karten Informationen über ihre Nachbarn eintragen. Dabei unterscheidet man zwischen "rotten neighbors" und "rad neighbors", also schlechten und guten Nachbarn. Dabei können beliebige Informationen, also auch sehr persönliche Informationen, angegeben werden. So beschrieben Internetnutzer das Reichstagsgebäude zum Beispiel mit "korrupte Schurken, Gauner und Ganoven" und markierten es als schlechten Nachbarn. Andere fügten sich selbst mit der Bemerkung "Hier wohne ich" als guten Nachbar ein. Von Medien und Datenschützern wurde die Internetseite oft als "digitaler Pranger" kritisiert. Die größten deutschen Internetprovider nahmen das nun offenbar zum Anlass, den Zugang auf dieses Webportal stillschweigend zu unterbinden.

Screenshot von Rottenneighbor aus HamburgDie gulli:news-Redaktion konnte die Blockade bei der Telekom, 1&1 und Alice DSL bestätigen. Außerdem soll die Seite von Arcor, KabelDeutschland, O2 DSL, Strato/Freenet, UnityMedia und Versatel ebenfalls nicht erreichbar sein. Bisher unbestätigt ist jedoch, ob es sich dabei um eine technische Panne oder eine bewusste Zensuraktion handelt. Wer nämlich auf die Seite zugreifen will, der kann das weiterhin mithilfe eines unabhängigen Proxy-Servers tun, wie beispielsweise dem freien Anonymisierungsdienst Tor, wie es in Zensurländern wie China bereits gang und gäbe ist.

Vor einigen Tagen hatte sich die Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen bei Google beschwert. Da Google mit dem Kartendienst Google Maps einen wesentlichen Teil der Infrastruktur für den Nachbarschaftspranger stellt, sei Google mitverantwortlich für Datenschutzverstöße dieser Art. Google hatte sich jedoch geweigert, den Betreibern die Nutzung ihrer Karten zu untersagen, da diese allen Nutzern zur freien Verfügung stehen. Ob die Landesmedienanstalt nun die Zensur des Internetportals veranlasst hat, es sich um freiwillige Zensur der Provider oder nur um einen weit verbreiteten technischen Fehler handelt, ist zur Zeit unklar. (Malo)

(via basicthinking.de, thx!)

Update: Im Reizzentrum Blog sind neue Hinweise bezüglich der möglichen Zensur der Website aufgetaucht. Dem anonymen Autor erscheint derzeit die Theorie am wahrscheinlichsten, dass Rackspace (der Hoster von Rottenneighbor.com) aus Deutschland die Aufforderung bekam, den Zugriff zu sperren und die Sperre mithilfe einer Liste von Dial-Up-IPs realisiert wurde. Letztlich verbleibt aber die Frage, wer und mit welcher Begründung jemand Rackspace.com dazu aufgefordert haben soll, diese Blockade zu realisieren?

Update (2): Um die Angelegenheit aufzuklären, rief der Betreiber des Webblogs REIZZENTRUM eigenhändig bei Rackspace an.

"Ich sprach mit Melissa McConnell, welche unter der Rufnummer 001 210 447 4000? ans Telefon ging. Ich versuchte von Melissa zu erfahren, was mit rottenneighbor los wäre, ob sie etwas wüsste, oder mich bitte zu jemandem durchstellen könne, der zu diesem 'technischen Problem' etwas sagen kann. Die einzige Aussage, die ich bekam war, dass Rackspace keinerlei Auskünfte über ihre Kunden gibt. Auch ein Weiterverbinden in das NOC, einen Techi oder einen anderweitig 'Informierten' wurde mir verwehrt, solange ich kein Kunde mit  Kundennummer etc. bin. Alle Stilmittel des 'social Engineering' verliefen im Sande :("

Zumindest, so wurde ihm telefonisch versichert, durfte er den Inhalt des Gesprächs veröffentlichen. Schlauer sind wir deswegen natürlich noch immer nicht, warum die Website unerreichbar ist und bleibt. Sogar die Anfrage von Focus Online blieb unbeantwortet. Die Blockade scheint nicht flächendeckend zu funktionieren: Beispielsweise über den Provider freenet.de ist die Domain noch immer erreichbar.

Auch wenn er das vielleicht gerne möchte: Herr Prof. Dr. Norbert Schneider, der Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, hat mit der möglichen Zensurmaßnahme nichts zu tun. Dieser hatte die Betreiber der gesperrten Website vor einigen Tagen des "CyberMobbings" bezichtigt. Noch im Juli hatte er sich auf der rottenneighbor.com, cybermobbing, Prof. Norbert Schneider, Landesanstalt für Medien NRW"Konferenz Neue Medien und Technologien der Informationsgesellschaft" für neue, möglichst globale Regulierungsansätze in der vernetzten Medienwelt ausgesprochen, was einer Ausradierung sämtlicher virtueller "Rotlichtbezirke" gleichkommen würde. Jochen Hoff, ein Autor von Radio Utopie, konnte den Vorstellungen des Herrn Professors nur wenig Verständnis entgegenbringen:

"Medienregulierung bedeutet Kontrolle. Kontrolle bedeutet Macht. Wer will schon Macht verlieren? (...)

Er [Herr Schneider] ist Jahrgang 1940, also eigentlich in Freiheit groß geworden. Hat die Entwicklung weg vom Rotlichtviertel und hin zu einem viel enspannteren Umgang mit dem Sex doch voll miterlebt. Er war auch bei Kolle noch nicht zu alt."

Oswalt Kolle beziehungsweise CyberMobbing oder auch nicht: Wer sich die freie Wahl seiner Informationsquellen nicht nehmen lassen will, muss das Netzwerk TOR oder einen anderen Anonymisierungsdienst in Anspruch nehmen, um die Blockade auszuhebeln. (Ghandy)

  • Zitat: Zitat von Mr_Tux  Was soll das fullquote? Dank mal darüber nach was der kampfbereite Tuxi ausdrücken soll, dann reden wir weiter Der hat den doch netmals als Tuxi erkannt... Dementsprechend rafft der's eh nicht. Zum Topic: Es ist ne Sauerrei. rn.com ist nichts anderes als eine Seite wo man seine Meinung zum Besten geben darf. Wenn ich auf meinen Blog schreib: "Herr So und ...

  • Zitat: Wenn ich auf meinen Blog schreib: "Herr So und So aus So und So ist ein Arschloch", wird dann auch gleich der Zugriff auf mein Blog gesperrt? Wenn deine Seite einen gewissen Bekanntheitsgrad überschritten hat, kann das durchaus passieren.

    CreatorX am 16.09.2008 07:04
  • © copyright 1998-2009 gulli.com  | home | sitemap | kontakt | impressum | partner | downloads |