Einige Songs, die via KaZaA über das Internet verbreitet wurden, schienen das Leben der US-Amerikanerin Jammie Thomas-Rasset zu zerstören.
Die Werke waren urheberrechtlich geschützt, so dass eine Verbreitung rechtswidrig war. Die Privatermittler der Recording Industry Association of America (RIAA), MediaSentry, ermittelten ihren Anschluss sowie PC als "Täter" und forderten die Bezahlung einer gewissen Summe, damit die Sache außergerichtlich geregelt werden könnte. Thomas-Rasset weigerte sich und wurde daraufhin verklagt, verurteilt, das Urteil aufgrund eines Verfahrensfehlers verworfen, neu aufgerollt und - erneut verurteilt. Aus rund 200.000 US-Dollar Schadensersatz im ersten Verfahren wurden im zweiten Verfahren 1,92 Millionen US-Dollar. Bereits vor einiger Zeit beleuchteten wir die Option, die Thomas-Rasset nach dem Urteil der Jury offen stehen. Vieles wurde gemunkelt, jetzt ist es offiziell: Sie wird mit ihren beiden Anwälten - Joe Sibley und Kiwi Camara - in Berufung gehen. Der Schadensersatz sei unverhältnismäßig hoch und würde nicht im geringsten dem Schaden entsprechen, der vielleicht durch die Verbreitung der Werke entstanden ist. "Sie hat kein Interesse an einer außergerichtlichen Einigung", erklärte Joe Sibley in einem Telefoninterview.
Vergangenen Montag ersuchte die RIAA telefonisch um eine Äußerung von Sibley, wie seine Mandantin nun weiter vorgehen möchte und ob sie nicht über eine gütliche außergerichtliche Einigung sprechen können. Die RIAA ist sich nämlich durchweg bewusst, dass mit dem Urteil der Jury keinesfalls alles in trockenen Tüchern ist. Kurz nachdem die 1,92 Millionen US-Dollar im Raum standen waren diese selbst massiv zurückgerudert, weil man erkannt hatte, dass diese Summe jenseits allem ist, was angemessen wäre. Auch nach der Ankündigung der Berufung erkennt man, dass die RIAA den Schadensersatz am liebsten totschweigen würde: "Die Beklagte kann selbstverständlich alle ihre Rechte ausüben. Aber was immer deutlicher wird, mehr als je zuvor, ist die Tatsache, dass sie für diese unnötige Verlängerung des Verfahrens verantwortlich ist, weil sie die illegalen Aktivitäten, für die sie von zwei Jurys für schuldig befunden wurde, nicht akzeptieren will. Vom ersten Tag an haben wir fair und begründet versucht, unsere Rechte zu erlangen und diesen Fall zu lösen", erklärte ein Pressesprecher der RIAA. Kein Wort von dem unglaublichen Betrag, den Thomas-Rasset begleichen soll. Man weiß nur zu gut, dass die Bevölkerung langsam aber sicher erkennt, was dieses Verfahren sowie die Strafe eigentlich bedeuten.
Wie unangenehm der RIAA diese Summe scheinbar ist, zeigte bereits nach dem ersten Verfahren deren Einigungsangebot. Statt 220.00 US-Dollar wollte man nur 25.000 US-Dollar haben. Rund 90 Prozent weniger. Bei 1,92 Millionen US-Dollar wäre dies aber noch immer ein stattlicher Betrag.
"Sie haben einen harten Kampf vor sich", erklärte Ben Sheffner, ein ehemaliger Anwalt bei 20th Century Fox und Befürworter eines strengeren Urheberrechts, "[Sibley und Camara] verlangen vom Gericht, etwas zu tun, dass kein Bundesgericht jemals zuvor getan hat. Auf jeden Fall ist dies ein gutes Test-Verfahren. Auf der einen Seite eine nicht wohlhabende Beklagte und auf der anderen Seite eine immense Schadensersatzsumme." (Firebird77)
(via cnet, thx!)
| 7 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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StaTiC am 03.07.2009 08:38:05: |
CCS am 03.07.2009 08:51:53: |
Shadow-Wolf am 03.07.2009 13:42:27: |