Der Wind wird einmal wieder etwas rauher
Das Klima für Tauschbörsen ist - wenig verwunderlich - momentan wieder etwas rauher geworden. Nach dem Urteil des Supreme Court, die Anbieter von Tauschprogrammen könnten unter bestimmten Umständen für das Verhalten der User haftbar gemacht werden, sieht der Verband der amerikanischen Tonträgerindustrie RIAA die Zeit reif für eine weitere ihrer Klagewellen gegen Tauschbörsennutzer. Ging es das letzte mal gegen studentische Nutzer des Hochgeschwindigkeitsnetzes Internet2, sind es nun 784 User von KaZaA, Grokster und LimeWire, gegen die die bekannten "John Doe" - Verfahren eingeleitet wurden. Mitch Bainwol von der RIAA wird von Slyck zitiert mit den Worten, das Urteil des Supreme Court "sei ein echter Fortschritt dahingehend, Online-Musikdienste zu legitimieren und moralische Klarheit in die Debatte zu bringen". Weiter würde sich jeder, der unerlaubt Musik aus dem Netz lade, strafbar machen.
Unterdessen wurde vor einem australischen gericht der Klage gegen zwei Systemadministratoren des Providers Swiftel stattgegeben: sie seien angezeigt worden, weil sie einen BitTorrent-Server betrieben hätten, auf dem tausende von Musikstückeln gelegen hätten. Taketdown-Aufforderungen seien offenbar im Spamfilter hängengeblieben.
Nun ist die Anschuldigung wirklich seltsam: auf einem Torrentserver liegen ja in der Regel keine (Musik-) Tracks, sondern (Torrent-) Tracker - die wiederum urheberrechtlich in keiner Weise geschützt sind. Ob hier einmal mehr etwas verwechselt wurde oder an den Gerüchten etwas wahres ist, das der Server kein Torrentracker, sondern ein Direct-Connect - Hub war, dürfte sich im Lauf des nun zugelassenen Verfahrens herausstellen. Im Oktober wird mit Verfahrensbeginn gerechnet. Wenn dann alles ein Irrtum war, wird erfahrungsgemäß das Medienecho wieder kleiner ausfallen.