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01. März 2005

RIAA auf dem Weg zur Einsicht?

Piraterie könne nicht gestoppt werden, bessere Geschäftsmodelle müssen her

Es sei für niemanden mehr realistisch zu glauben, Online-Piraterie eliminieren zu können, so der Präsident der RIAA Cary Sherman. Der letztendliche Erfolg des Online-Markts sei in erster Linie eine Sache des Marketings und der Geschäftsmodelle. Piraterie zu kontrollieren, gehöre dazu, aber letztendlich käme es auf das funktionierende Geschäftsmodell an - so zitiert ihn die Washington Post.

Mit zwei konkurrierenden Modellen wird seit einiger Zeit der Online-Musikmarkt bedient. Auf der einen Seite feiert iTunes große Erfolge - so große, dass die Musikindustrie bereits ankündigt, die niedrigen Einstiegspreise für online gekaufte Musik anzuheben, ungeachtet der niedrigeren Produktions- und Vertriebskosten. Auf der anderen Seite stehen "Musikflatrates", wie sie unter anderem das neu gestartete Napster anbietet, seit einiger Zeit auch mit der rechtlich eher streitbaren Möglichkeit, den DRM-Schutz der Musikdateien zu umgehen. Apple konnte letztens die 250-Millionengrenze an gekauften Songs durchbrechen, die Abodienste wie Napster bringen es auf inzwischen über 1,5 Millionen Teilnehmer.

Die Pläne, hier die Preisschrauben anzuziehen, erscheinen jedoch angesichts der immer noch überwältigenden Mehrheit an Tauschbörsennutzern eher unüberlegt. Trotz des Wachstums steht den Zahlen von iTunes und co. die von BigChampagne ermittelte Zahl von einer Milliarde über Tauschbörsen kopierter Musikstücke gegenüber.

Nun werden erfreulicherweise Pläne geschmiedet, wie das Angebot der Musikkonzerne attraktiver gestaltet werden kann. Angesichts der Raritäten wie Konzertmitschnitte, Bootlegs, DJ-Mix-Sets, die in den Tauischbörsen kursieren, kommen die Musikkonzerne offenbar von dem Modell ab, vor allem die aktuellen und verkaufsträchtigen Charthits für den Onlinevertrieb zu lizenzieren, sondern auch vermehrt ihren Back-Katalog ins Netz zu bringen. Zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung, um die entsprechenden Dienste auch und gerade für die Liebhaber attraktiv zu machen, die jenseits des Mainstream nach ihren Lieblingskünstlern suchen.

Ein Haupthemmnis wird zu schlechter Letzt jedoch noch benannt - und dabei wenig Hoffnung auf eine Verbesserung gemacht. Die Abspielmöglichkeiten der von den Konzernen vertriebenen Musik sei extrem eingeschränkt - sowohl Napster als auch iTunes setzen auf eine kleine Zahl entsprechend lizenzierter Player, ohne die man ihre Musik nicht abspielen kann und die untereinander nicht kompatibel sind. Digital Rights Management - gerne auch Digital Restrictions Management genannt - verhindert das Kopieren der Dateien und damit die Nutzung beispielsweise im CD-Player im Auto. Kurze Produktzyklen und wechselvolle Geschichte mancher Downloaddienste verstärken die Sorge der Fans, Geld für Musik auszugeben, welche sie in wenigen Jahren vielleicht nirgends mehr abspielen können.

Der Gartner - Berater McGuire erklärt auch dies: "In einer perfekten Welt wäre alles kompatibel zueinander, und alle könnten Geld verdienen, aber gibt es in einer marktgesteuerten Welt eine Möglichkeit, den iPod kompatibel zu machen? Ich weiss es nicht." Steve Jobs tue nichts weiter, was jedes Unternehmen tun würde.

Trotz aller Lippenbekenntnisse bleibt so die Musik der starren Logik der Business Manager unterworfen - daß Musik anders funktioniert und für ihre Liebhaber mehr als ein Produkt ist, welches man kauft und nutzt, dringt offenbar nicht zu den Entscheidungsträgern durch. Doch die Zeit laufe ihnen davon - die Frage, warum man immer mehr zahlen soll, um dafür immer weniger zu bekommen, dürften sich einige der Nutzer der lizenzierten Downloaddienste in Zukunft vermehrt stellen.

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