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16. September 2006

RFID-Technologie Neuer Chip soll Raubkopierer von DVDs orten

Der weltweit führende DVD-Hersteller Ritek gab jüngst seine Pläne bekannt, als "real end game" ihren neuen DVDs zukünftig RFID-Chips beizufügen. Diese mit den RFID-Chips ausgestatteten DVDs können dann an jeder Stelle, an der sich ein Sendegerät befindet, im Umkreis von bis zu zehn Metern problemlos lokalisiert werden.

Dabei handelt es sich nicht wie bei einem Barcode lediglich um die Klassifizierung der gekauften Ware, sondern jede DVD gibt ihre ganz individuelle Kennung zurück. Würde man tatsächlich diese Sendestationen überall installieren, könnte man problemlos den Weg der Ware vom Fabrikgelände des Herstellers, über den Großhändler, das Regal des Einzelhändlers bis ins heimische Wohnzimmer des Endbenutzers verfolgen. Immer vorausgesetzt, im Umkreis von ca. zehn Metern steht eine solche "Antenne", die die Daten aufsammelt und an eine verarbeitende Stelle weitergibt. Eine lückenlose Ortung der Chips, ähnlich dem des Handysignals ist nicht möglich. Dafür hat das Handy auch entscheidene Vorteile zu bieten. Schaltet man es an, weiß der Benutzer auch, dass es seinen Aufenthaltsort preisgibt. Der Chip verrichtet seine Arbeit im Verborgenen. Das Handy kann man bei Bedarf manuell ausschalten, den Chip nicht.

Der passive RFID-Transponder bezieht seine Energie zur Versorgung des Mikrochips aus den empfangenen Funkwellen. Diese Chips sind sehr klein und unauffällig. Letzte Gewissheit gibt nur eine Röntgenaufnahme oder der Versuch, die Signale des Chips selbst zu empfangen. RFID-Chips sind so ausgelegt, dass sie den üblichen Belastungen problemlos standhalten. In Wäsche eingebaute Chips haben in den USA sogar dauerhaft den extremen Belastungen von Waschmaschinen und Trocknern gestrotzt.

Ohne die Ware zu zerstören, kann man sie nicht entfernen oder deaktivieren. Versuche, die Mikrochips unter Zuhilfenahme einer Radikalkur in der Mikrowelle unschädlich zu machen, hatten lediglich zur Folge, dass die Ware selbst in Flammen aufging. Bei DVDs käme dieses Verfahren wegen der Hitzeempfindlichkeit des Materials nicht in Frage.

Was hier von Ritek als perfekte Lösung im Kampf gegen die Piraterie angepriesen wird, lässt einen erschaudern. Andererseits wird es mitnichten in der Lage sein, Schwarzkopien von Filmen den Garaus zu machen. Außer man würde auch alle Festplatten, Sticks, CD- und DVD-Rohlinge etc. mit einem solchen Chip ausstatten. Ganz davon zu schweigen, welche Kosten durch eine halbwegs lückenlose Ausstattung mit den Sendstationen auf die Industrie und damit irgendwann wiederum auf den Endkunden zukommen würden.

Stop RFID LogoVom Datenschutz und der Gewährleistung der Privatsphäre jedes einzelnen Menschen wollen wir lieber erst gar nicht sprechen. Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Es ist höchst unklar, ob diese Geschäftsidee auch zu uns nach Europa rüberschwappen wird. Immerhin - die Geschäftsführung von Ritek scheint es ernst zu meinen. Nachdem die Herstellungsfehler bei der Produktion ausgemerzt wurden, will die Tochtergesellschaft U-Tech in Australien in Zusammenarbeit mit großen Filmgesellschaften, die neue Hardware umfangreichen Tests unterziehen.

"Diese Technologie beinhaltet das Potenzial das geistige Eigentum von Musikfirmen, Filmstudios, Spiele- und Softwareherstellern weltweit zu schützen",

so Gordon Yeh, Geschäftsführer der Ritek Corporation.

Auf der Homepage des FoeBuD e. V. (Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs) wird sehr anschaulich und leicht verständlich erläutert, wie die RFID-Chips im Detail funktionieren und welche Gefahr von ihnen ausgeht. Wer mit dieser Thematik noch nie in Berührung gekommen ist, dem kann man diese Seiten uneingeschränkt als Pflichtlektüre empfehlen.


"Es ist bedenklich, dass kaum jemand weiß, welche Daten über ihn gespeichert sind. Es äußerst bedenklich, dass kaum jemand weiß, wer diese Daten gerade besitzt. Bedenklich ist es hingegen nicht, dass sich nur eine Minderheit dagegen wehrt. Das ist dramatisch."

(Götz Hamann, Marcus Rohwetter, DIE ZEIT, 48/2004)

  • 51 Kommentare zum Artikel
  • Mit dem unschädlich machen : Würde nicht ein zu starkes Signal auf der entsprechenden Frequenz einem passiven Chip die Elektronik wegbrutzeln ? Also so EMP ähnlich, aber nur auf dieser einen Frequenz ? BlackFighter

    BlackFighter am 17.09.2006 22:17
  • Wahrscheinlicher ist, dass es um die automatische Unterscheidung von "offiziellen" DVDs aus dem Presswerk und solchen aus nicht autorisierter Fertigung geht, ein Merkmal als Ersatz für die Holos, die inzwischen auch mitgefälscht werden. Dann geht ein Fahnder mit einem tragbaren RFID-Terminal durch den Shop oder die Videothek und wenn sich eine entsprechende Scheibe zB als DVD+R meldet wird er das SEK anrücken lassen und alle ...

    sphaeroid am 17.09.2006 22:28
  • Zitat: Zitat von sphaeroid ... oder anderes Szenario, tieffliegende Jagdhubschrauber mit RFID-Scanner suchen Flohmärkte heim um selbstgebrannte DVDs zu lokalisieren. Die Covers werden in Echtzeit mit der Moviedatabase verglichen und bei einem Match der Verkausstand mit einer syrischen Fagr beschossen, dann braucht man die Teile schon nicht mehr in den Libanon zu schicken. LOL. Boomzilla

    Boomzilla am 18.09.2006 07:15
  • Zitat: Zitat von TOMPCT Ich lasse es mal so stehen, aber verstehen kann ich den Sinn nocht nicht. Der RFID-Chip ist eine Kennung, aber was dann auf die DVD gebrannt wird kennt dieser natürlich nicht. Wenn das Teil also auf Rohlinge kommt, wass solls da bitte ausrichten? Dann kann man unter Umständen feststellen das irgend wo im Haushalt bei mir eine solche DVD rumliegt? Was soll das bitte? Wirklicher ...

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