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27. Oktober 2005

RFID-Pässe in Deutschland, USA, Großbritannien

Unterschiedliche Techniken, gleiche Bedenken

Anfang nächster Woche wird sich Deutschland an die Spitze der technischen Entwicklung im Bereich elektronischer Ausweispapiere setzen und die ersten biometrischen Reisepässe ausgeben. Vorläudig nur das Foto, später auch Fingerabdrücke sollen in elektronischer Form auf einen im Pass enthaltenen Chip gespeichert werden. Dass Experten nachdrückliche Bedenken gegenüber der Sicherheit der gespeicherten Daten geäußert haben, war dabei offenbar nicht von Interesse, ebensowenig konnte bislang geklärt werden, welche Art von Sicherheitsgewinn die geplante Erfassung biometrischer Daten im Ausweis bringen soll. Harald Weite, bekannt durch sein Projekt gpl-violations.org, hat nun eine Initiative gegründet, welche Tools entwickeln soll, mit denen man die Chips im Ausweis auslesen kann. Die Tools sollen konsequenterweise Freie Software sein und es den Nutzern ermöglichen, zu überprüfen, welche Daten in ihren Ausweisen enthalten sind - wie es momentan auch schon geht, nur wird es in Zukunft nicht mehr ausreichen, den Pass schlicht aufzuklappen und zu lesen. Problematisch dürfte werden, dass es natürlich auch jedem anderen möglich werden könnte, Ausweise digital auszulesen: Datenschützer befürchten durch die kommende Technik tendenziell eher einen Anstieg von Delikten wie Identitätsdiebstahl als deren Rückgang.

In den USA werden ähnliche Bedenken geteilt: Ausweise sollen ab Dezember mit RFID - Chips ausgestattet werden, um Identitätsklau zu erschweren, sollen die Chips jedoch nur ausgelesen werden können, wenn der Pass aufgeklappt ist. Ebenso würde eine PIN - Nummer benötigt, um die Chips lesen zu können. Auch hier sind Datenschützer und Privacy - Experten jedoch nicht überzeugt. Die drahtlos und kontaktfrei auslesbaren Chips könnten dennoch zum Ziel von Identitätsdieben werden, zukünftige RFID - Lesegeräte könnten die neue und weitgehend unerprobte Technologie möglicherweise knacken. Die Bedenken gehen so weit, dass gar befürchtet wird, die Chips, die bald in den US - Papieren und in einigen Jahren auch in Führerscheinen obligatorisch sein sollen, möglicherweise zum elektronischen Erkennen von US - Bürgern im Ausland dienen könnten: die dadurch zum leichteren Ziel von Anschlägen oder Überfällen werden. Nichtsdestotrotz steht auch in den prinzipiell weitaus passfeindlicher eingestellten USA die Einführung der umstrittenen Technik vor der Tür.

Wie auch in Großbritannien, wo sich Barry Kefauver von der International Civil Aviation Organisation (ICAO) anläßlich der Anfang 2006 anstehenden Einführung der biometrischen Pässe zu Wort meldete. Die Daten in den Pässen sollten zukünftig mit Datenbanken von Polizei und anderen Behörden verknüpft werden, man müsse um jeden Preis verhindern, dass Kriminelle und Terroristen Zugriff auf falsche Reisedokumente bekämen. Mit den neuen Pässen könne auf einfachste Weise vor dem Flug abgeglichen werden, ob sich die vorgezeigten Papiere auf einer anzulegenden, internationalen Liste verlorener oder gestohlener Ausweisdokumente befänden. Der Diebstahl von Papieren sei eine häufig eingesetzte Methode, falsche Pässe zu erhalten, so Kefauver weiter. Er gab immerhin zu, in der Regel würden Kriminelle Ausweise schlicht auf dem Amt beantragen - mit falschen Geburtsurkunden. Und angesichts von 7.000 verschiedenen Urkundenvarianten allein in den USA ist nicht damit zu rechnen, dass die neuen Dokumente dieses Problem auch nur ansatzweise lösen. Dennoch verstieg er sich zu der Behauptung, ein falscher Pass in den Händen eines Terroristen sei so gefährlich wie eine Bombe. Dabei vergaß er offenkundig, dass die vielbeschworenen Attentäter des elften September allesamt mit gültigen, ordnungsgemäß auf sie ausgestellten Papieren in die Flugzeuge stiegen.

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