gulli: Revido.de Ltd: Streit um Accountsperrungen

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01. Juni 2006

Revido.de Ltd Streit um Accountsperrungen

Gesperrte Useraccounts und Daten, die erst nach Zahlung von Gebühren dem Kunden wieder verfügbar gemacht werden, sorgen zur Zeit für eine erbittert geführte Diskussion um den Webhoster Revido. Mischkalkulation per Sperrgebühr, gar anläßlich völlig legal gehosteter Files werfen erzürnte Kunden dem Hoster vor, Revido wiederum beklagt massenhaftes Warezhosten und Spamversand durch einzelne Nutzer, das Ausmaß ziehe bereits andere Kunden in Mitleidenschaft.

Die "begründeten erheblichen Zweifel" würden mehr als weit gefasst, so die Vorwürfe von Usern. Berichtet wurde in diversen Boards und Foren von Accountsperrungen durch den Upload einer kostenlosen Spieledemo, anläßlich selbstgesungener mp3s oder anderer Musikdateien, die legal verbreitet werden dürften. Auch Datenschutzverstöße werden dem Hoster vorgeworfen: die "Sicherheitskopie" eines Spiels, welches ein Nutzer auf dem Revido-Space geladen hatte, habe zur Accountsperrung geführt, obgleich der Link nie publik gemacht worden wäre und ein einziger, abgebrochener Download erfolgt sei. Revido durchstöbere gezielt den User-Webspace, um Zusatzeinnahmen per Verstoßgebühr zu generieren.

Die anfangs fälligen 96,80 pro Accountsperrung/AGB-Verstoß stockte Revido vor einiger Zeit auf: 193,20 Euro werden laut aktueller Preisliste fällig. Widersprechen Nutzer des Angebots der Zahlungsaufforderung oder kommen jener nicht nach, werden gelegentlich weitere 45,24 Euro fällig: diese Kosten entstehen mit dem zweiten Schreiben, welches Nutzer anschließend vom Anwalt Revidos erhielten.

Nach Zahlung der Gebühr soll der Nutzer wieder auf seinen Webspace und die dort gehosteten Daten zugreifen können. Bis dahin bleiben die gehosteten Daten für den Zugriff des Kunden gesperrt.

In den AGB kündigt Revido deutlich an, Urheberrechtsverstöße zu ahnden und gegebenenfalls Kosten geltend zu machen:

"Die nationalen und internationalen Urheberrechte sind zu beachten.
Bei Verstößen gegen die in den vorgenannten Punkten aufgeführten Pflichten sowie bei begründeten erheblichen Zweifeln an der Rechtmäßigkeit der eingestellten Inhalte ist die Revido Ltd. berechtigt, die Homepage unverzüglich unter Ausschluss von eventuellen Schadensersatzansprüchen des Nutzers zu sperren.
Der Kunde trägt sämtliche Kosten, die der Revido Ltd. durch sein Fehlverhalten bei Bezahlungvorgängen oder Verstössen gegen die AGB entstanden sind. Dies betrifft zum Beispiel Rücklastschriften bei Kreditkartenzahlung oder elektronischem Lastschriftverfahren und Accountsperrungen."

Zu Unrecht, so erboste Nutzer, die ihrem Ärger mit Äußerungen Luft machen, welche gelegentlich die Grenzen der Legalität überschreiten: Von Betrug, Erpressung und unrechtmäßiger Abzocke wird gesprochen. Auf Betreiben Revidos musste daraufhin ein Thread des gulli:board temporär ausgeblendet werden, eine - ohne vorhergehende Löschaufforderung zugesandte - kostenpflichtige Abmahnung wird laut Revido hingegen wieder zurückgezogen.

Fragt man wiederum bei Revido nach den Gründen für die Vorwürfe, ergibt sich erwartungsgemäß ein völlig anderes Bild. Man reagiere auf die zahlreichen Rechtsverstöße nur nach Hinweise von außen, diese kämen jedoch in großer Zahl. Anders als von Usern behauptet, handele es sich nicht um legal gehostete und nicht öffentlich verbreitete Files. So werde zu den angeblichen Demoversionen der Crack gleich mitgeliefert, von "einzelnen mp3s" könne ebenso keine Rede sein, die Reaktionen des Hosters seien mehr als notwendig, da Accounts anderer User vom Vorgehen einzelner in Mitleidenschaft gezogen werden.

Im Gefolge von Beschwerden über die unautorisierte Verbreitung von Files durch Revido-User seien bereits komplette Server vom Netz genommen worden, ohne dass Revido überhaupt Zeit zur Reaktion geblieben sei - benachrichtigt wurden in diesen Fällen gleich die hostenden Rechenzentren, welche kurzerhand komplette Server abgeklemmt hätten und anschließend Revido von der Maßnahme in Kenntnis setzten. Damit würden Accounts anderer Nutzer in Mitleidenschaft gezogen, darüberhinaus entstehen Kosten - eine kostenneutrale Abwicklung der Accountsperrungen sei so nicht mehr zu leisten, so Revido-Geschäftsführer Mirko Haubold im Gespräch mit gulli.com. Weiter sei beispielsweise nach einer Werbespam-Verschickung eines Users ein Server Revidos auf Spam-Blacklisten gelandet: in der Folge wurden die Emails zahlreicher weiterer Kunden zeitweise nicht mehr zugestellt.
Tatsächlich bestätigte ein User, er liege unter anderem wegen einer Massen-Emailverschickung im Streit mit seinem Hoster: die Email sei jedoch an einen Empfängerkreis gegangen, welcher der Zusendung explizit zugestimmt habe, Inhalt sei weiterhin keine Werbung, sondern ein Rundmail an die User eines von ihm bei Revido gehosteten Diebspiels gewesen.

Die Vorwürfe, Revido würde sein Preisbrecherangebot nur mittels der zusätzlichen Einkünfte über Sperrgebühren halten können, wies Haubold zurück. Die Traffickosten seien vollkommen beherrschbar, das Gros der Kunden nutze die Trafficlimits nicht im Ansatz aus. Die sieben Gigabyte Speicherplatz, die Revido anbietet, seien vergleichsweise schwieriger anzubieten.

Die Bearbeitung vermuteter Accountmissbräuche sei von der Revido komplett an eine Drittfirma abgegeben worden. Über deren Berechtigung dürften sich die Parteien weiter streiten: Klagen wurden bereits angekündigt. Vom Nutzen bezahlten deutschen Pay-Webspaces zum Warezuppen kann indessen nur gewarnt werden: selbst die private Weitergabe eines Files an Freunde resultiert gelegentlich in der Weitergabe entsprechender Links, spätestens nach Veröffentlichung durch Dritte im Netz dürfte der Traffic auffällig werden. Was an sich eine lang bekannte Geschichte ist - schon vor Jahren wurde vor dieser Praxis gewarnt, was indessen User nichtmals davon abhielt, beispielsweise auf ihren T-Onlinewebspace rechtlich bedenkliches Material zu laden.

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