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02. April 2008
Re-Publica 08 Blogs und Journalismus - die leidige QualitätsdebatteZwei verschiedene Medien, die zwei bis viele verschiedene Aufgaben wahrnehmen und erfüllen - von einer solchen "Arbeitsteilung" sind Blogger und Journalisten noch recht weit entfernt - jedenfalls in der Selbstwahrnehmung einiger Akteure. Verstaubt, unkritisch, weit ab vom Geschehen seien die "alten Medien", so gern der manchmal allzu selbstverliebte Vorwurf seitens der Blogs. Qualität sei nicht garantiert, professionelles Arbeiten ebensowenig, von einer umfassenden Berichterstattung könne ebenso wenig die Rede sein, der Content in der Regel bei "traditionellen" Medien aufgegriffen, so manche Journalisten. Muss man die "ärgerliche Debatte" überhaupt führen? So die Frage Johnnys von Spreeblick. Gab es Antworten? Experten waren vor Ort: Thomas Knüwer vom Handelsblatt (ein Print-Journalist, wie er betont) und Stefan Niggemeier vom Bildblog teilten sich das Panel mit Mercedes Bunz und Johnny Häussler. Der deeskalierend begann: Blogger wollten sich doch gar nicht mit Journalisten anlegen oder sie gar ersetzen. Auch nach jahrelanger Debatte sind zahlreiche Defizite nicht behoben, so Niggemeier: Print sei starr geblieben, die Ausflüge der Zeitungen in die Onlinewelt häufig geprägt von Nichtwissen um die Logik und Funktion von Onlinekommunikation. Im Folgenden entstand ein eher besorgniserregendes Bild der Branche - Online-Journalisten arbeiten kaum journalistisch, sondern stellen allenfalls Printinhalte ins Netz. Bezahlt sind sie in der Regel nicht nach Tarif, was bedeutet, dass günstige Onlinekräfte erfahrene Leute verdrängen. Ironischerweise ist das Ziel der unterbezahlte Online-Journalisten nach wie vor oft genug der Printbereich, Internet dient quasi als Durchlauferhitzer der Printbranche - in personeller Hinsicht. Das Problem liegt auch und gerade dort, dass billige Onlinekräfte möglicherweise anspruchsvolle, aber durchaus fähige Leute in andere Branchen verdrängen. Mercedes Bunz attestiert dazu eine generell prekäre Situation vor allem im Bereich der Tageszeitungen: Abozahlen sinken, Werbeeinnahmen ebenso. Ein pessimistisches Fazit: zwei Branchen sind aus unterschiedlichen Gründen in prekärer Lage, auf Kooperation an sich angewiesen, aber kommen irgendwie trotzdem nach wie vor nicht zusammen. Dabei gäbe es genug voneinander zu lernen: beim Umgang mit Fehlern hätten Blogs seit längerer Zeit bereits schon die Nase vorn, Korrekturen und Berichtigungen würden teilweise offensiv genutzt. In der klassischen Redaktion sind sie hingegen nach wie vor eine negativ besetzte Bewertungsgrundlage der Arbeit. Eine Umdeutung zum Qualitätsmerkmal scheint möglich: ein Fehler wird erkannt und zugegeben. Wenn diese "Kultur des Fehlerberichtigens" Einzug bei Chefetagen und Lesern hielte, könnte hier generell Qualität verbessert werden. Die in Blogs oft bis immer verschwommene grenze zwischen Meinung bzw. Meinungsmache und Bericht sieht beispielsweise Niggemeier längst nicht mehr als Defizit alleine der Blogs: eine solche Trennung gäbe es im deutschen Journalismus praktisch nicht. Ein großes Wort, gelassen ausgesprochen - denn gerne wird Blogs vorgeworfen, in erster Linie subjektive Befindlichkeiten zu transportieren - auf Kosten der neutralen Berichterstattung und Information. Mit dem Statement, dass eine solche nirgends in der deutschen Presselandschaft vorhanden sei, nivelliert Niggemeier zwar beiläufig eine enorme Kluft zwischen Blogs und etablierten Medien, zumindest die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten dürften über sein Statement wenig glücklich sein. Trotz aller offen gebliebener Fragen: die Problematik scheint bei allen Akteuren inzwischen bekannt, die harten fronten sind entweder aufgeweicht oder interessieren schlicht nicht mehr besonders. Medienkonvergenz ist in Zukunft zu erwarten, die Frage ist nur noch, wie sie aussehen soll. Trotz der Beruhigungen, dass die Geschichte lehrt, Medien würden nicht aussterben, sich nicht kannibalisieren und immer allenfalls vielfältiger werden: in diesem Bereich werden auch einige Umstrukturierungen in der Medienlandschaft folgen - ob nun früher oder später, ob zum Vorteil der Medienlandschaft oder zu ihrer fortschreitenden Verflachung und Boulevardisierung führend. Dass dabei alle heutigen Akteure weiter froh an ihrem Stück vom medienkuchen kauen, darf bezweifelt werden. Oder, wie es ein Teilnehmer der Veranstaltung an die SMS-Wand der re:publica sendete: "Noch kein Medium wurde abgelöst, telegrafierten die Leute ihren Papyrus-Schreibern." Trackbacks
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