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02. Dezember 2005

Porn-TLD .xxx liegt weiter auf Eis

...aber auf wessen Wunsch?

Wenige Tage vor der erneuten Entscheidung über die geplante Porn - TLD .xxx ist die Entscheidung einmal mehr auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Der Grund: das Governmental Advistory Committee GAC der ICANN müsse sich erst noch durch den 350-seitigen Report zur Umsetzung der Domain-Einführung durcharbeiten.

Dies wird allenthalben als wenig glaubwürdige Verzögerungstaktik gesehen: bei keiner Einführung einer neuen TLD musste bisher vor der ICANN-Zustimmung der entsprechende Report in der jetzt praktizierten Form gesichtet werden. Gerüchte kursieren zwar, dass ausgerechnet die EU-Kommissarin Viviane Reding damit gedroht hatte, alle europäischen Vertreter aus dem Verfahren abzuziehen, bevor der Bericht nicht auf dem Tisch liege, dies wird jedoch von der ICANN bestritten: glaubwürdig, denn die EU fiel bisher vor allem durch Unterstützung des virtuellen Rotlichtbezirks auf, scharfe Opposition kam hingegen allenfalls von den USA und Brasilien.

Wahrscheinlicher scheint ein Veto der USA, wo sich vor allem die christliche Rechte gegen den Pornbereich im Netz ausspricht. Angesichts der aktuellen Diskussion über den Einfluß der USA auf die steuernden Institutionen des Internet ist jedoch verständlich, dass keine entsprechenden Statements abgegeben werden. Stattdessen liegt nun der schwarze Peter bei der ICANN, die ihren unüblichen Kurs im Fall von .xxx an der Öffentlichkeit nun alleine verteidigen darf.

Verlierer der ganzen Affäre: Stuart Lawley, Chef von ICM Registry, der die TLD betreiben will und bereits größere Geldbeträge in das Projekt investiert hat. Er wird nun weiter darauf warten können, bis die sexfeindlichen Fundamentalisten sich auf einen einheitlichen Kurs bezüglich der PornTLD geeinigt haben. Was kaum zu erwarten ist, da die Haltung der entsprechenden Lobbygruppen mit dem Wort "gespalten" nur milde umschrieben ist.

So forderten kürzlich Lobbyisten die "Clean Port 80" - Verordnung, durch die Pornseitenbetreiber dazu gezwungen werden sollten, ihre Inhalte über andere als den für http üblichen Port 80 auszuliefern - um eine entsprechende Filterung auf Clientseite zu erleichtern. Auch die Porndomain .xxx hat ihre Fürsprecher vor allem im Zensurlager, die sich ein leichteres Ausblenden der ungeliebten Sexinhalte via Komplettfilterung der .xxx-TLD erhoffen. Aus eben diesem Grund melden vor allem Aktivisten für Meinungs- und Redefreiheit im Netz Bedenken an: ein wie auch immer gearteter Pornbereich im Netz ergibt nur dann Sinn, wenn das Anbieten von Adult Content unter anderen TLDs verboten wird: ansonsten ist die ganze Aktion in jeder Hinsicht sinnlos.

Weshalb außer Lawley die wenigsten den weiteren Aufschub für den Rotlichtbezirk im Web nun groß bedauern dürften - abgesehen von der beunruhigenden Tatsache, dass unklarer denn je ist, wie und auf Betreiben welcher Gruppen und Organisationen nun Steuerungsmacht im Internet ausgeübt wird.

  • ...aber auf wessen Wunsch? Wenige Tage vor der erneuten Entscheidung über die geplante Porn - TLD .xxx ist die Entscheidung einmal mehr auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Der Grund: das Governmental Advistory Committee GAC der ICANN müsse sich erst noch durch den 350-seitigen Report zur Umsetzung der Domain-Einführung durcharbeiten. Dies wird allenthalben als wenig glaubwürdige Verzögerungstaktik gesehen: bei keiner Einführung einer neuen ...

    gullinews am 02.12.2005 12:06
  • Zitat: Zitat von gulli:news  ...aber auf wessen Wunsch? Wahrscheinlicher scheint ein Veto der USA, wo sich vor allem die christliche Rechte gegen den Pornbereich im Netz ausspricht.[/url] Da frag ich mich... von wem kommen denn die meisten Pornoseiten? EDIT: also nicht dass ich mich da auskennen würde...

    Salomon am 02.12.2005 13:02
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